Corona-Wirbel bei der Tour: Alle Fahrer negativ, Renndirektor positiv

Die Sorgen waren groß, dass sich die Fahrer bei der Tour de France mit dem Coronavirus anstecken. Doch das Peloton hat aufgepasst – im Gegensatz zu Tourchef Prudhomme.

Tour-Chef Christian Prudhomme, der die Fahrer stets eindringlich zur Einhaltung der Corona-Regeln animiert hatte, wurde positiv auf das Virus getestet.
© VALERY HACHE

Paris – Ausgerechnet Tour-de-France-Chef Christian Prudhomme, der die Fahrer stets eindringlich zur Einhaltung der Corona-Regeln animiert und sich für strikte Regeln stark gemacht hatte, ist positiv auf das Virus getestet worden und musste das Rennen verlassen. Das gab der Veranstalter ASO bekannt. Dagegen fielen die Kontrollen aller 166 noch im Rennen befindlichen Fahrer negativ aus.

Lediglich vier Mitglieder aus dem Betreuerstab der 22 Teams waren bei den 841 PCR-Tests rund um den ersten Ruhetag auffällig. Die Personen verließen den Tour-Tross, weitere Auswirkungen hatten die Fälle nicht.

Prudhomme wird aber vorerst nicht mehr die Fahne zum Start der Etappen schwenken. „Ich werde die Tour für acht Tage verlassen. Ich werde mich wie jeder französische Angestellte in so einem Fall verhalten“, sagte der frühere Journalist der Nachrichtenagentur AFP. Prudhomme betonte, dass er keinen Kontakt zu den Fahrern gehabt und auch nicht der sogenannten Blase angehört habe. „Die Fahrer leben wie Mönch-Soldaten, das ist bei mir nicht der Fall.“ Aufgrund seiner Funktion habe er viele Gäste und Verantwortliche getroffen, so Prudhomme, der durch Francois Lemarchand ersetzt wird.

Premierminister negativ

Pikant war dabei, dass erst am Samstag der französische Premierminister Jean Castex auf der Pyrenäen-Etappe im Auto von Prudhomme Platz genommen hatte. Castex wurde jedoch negativ getestet. Das gab sein Büro am Dienstagabend bekannt. Innenminister Gerald Darmanin, der am Dienstag Castex getroffen hatte, wird sich nun ebenfalls einem Test unterziehen.

Premierminister Jean Castex (l.) wurde negativ getestet.
© ANNE-CHRISTINE POUJOULAT

Es ist Usus bei der Frankreich-Rundfahrt, dass die wichtigsten Politiker des Landes regelmäßig einen Abstecher zum Nationalheiligtum Frankreichs machen. Staatschef Emmanuel Macron war dieses Jahr aber noch nicht vor Ort.

Die Tests hatten die Fahrer rund um den ersten Ruhetag am Montag hinter sich gebracht. Die Sorge war groß, dass sich nach über einer Woche große Teile des Fahrerfeldes womöglich angesteckt haben könnten. Denn in Frankreich sind die Infektionszahlen rapide in die Höhe gegangen und an manchen Anstiegen wie am Sonntag am Col de Pyresourde bildeten die Fans – viele ohne Maske – einen engen Spalier für die Fahrer.

Kein Fall im Peloton

Die Sorgen waren unbegründet, das Peloton hat sich strikt an die Maßnahmen gehalten und ist komplett negativ. Allerdings stellen die vier positiv getesteten Betreuer aus den Mannschaften der Topfahrer Egan Bernal (Ineos-Grenadiers), Guillaume Martin (Cofidis), Romain Bardet (AG2R La Mondiale) und Adam Yates (Mitchelton-Scott) eine direkte Gefahr da. Sollte in den nächsten Tagen ein zweiter Vorfall in den entsprechenden Mannschaften auftreten, wären die Rennställe direkt ausgeschlossen.

Am Ruhetag musste der ganze Tour-Tross zum Coronatest antanzen - wie hier Oliver Naesen.
© Peter De Voecht via www.imago-images.de

Laut Reglement führen zwei Positivfälle in einem Team innerhalb von sieben Tagen zum Ausschluss des ganzen Rennstalls. Zu einem Team gehören dabei nicht nur die acht Fahrer, sondern auch das direkte Umfeld wie Betreuer, Physiotherapeuten oder Sportdirektoren.

Die Teams absolvierten die Rundfahrt bisher in einer sogenannten Blase. Es galten strikte Regeln wie das Tragen von Masken beim Einschreiben, im Bus, im Hotel und bei der Siegerehrung. Dazu wurden die Athleten jeden Tag medizinisch überwacht und auf Symptome untersucht. Nur im Rennen gab es keine Einschränkungen. (APA)


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