Distanz-Unterricht: Direktoren hielten an Anforderungen fest

Eine im Rahmen einer Studie der Universität Innsbruck durchgeführte Umfrage unter Schulleitern ergab, dass Standards bezüglich Lernstoff trotz Online-Unterricht eingehalten wurden.

Während des Höhepunkts der Pandemie fand Unterricht vielfach online statt.
© APA/Scheriau

Innsbruck – Die Direktoren haben trotz der wochenlangen Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie im Frühjahr an den schulischen Standards bezüglich Lernstoff und Unterrichtsinhalten festgehalten. Das zeigt eine im Rahmen einer Studie der Universität Innsbruck durchgeführte Umfrage unter Schulleitern. Ausnahme sind Schulen an "sozialräumlich benachteiligten Standorten" – also Brennpunktschulen.

In der Studie untersuchten Livia Jesacher-Rößler und Esther Dominique Klein von der Arbeitsgruppe für Schulentwicklungsforschung und Leadership am Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung der Uni Innsbruck den Umgang mit dem Distanzunterricht an den einzelnen Standorten. Für die Auswertung der Direktoren-Befragung konnten sie 532 Online-Fragebögen heranziehen. Rund die Hälfte der Teilnehmer war an einer Volksschule tätig, ein Drittel an einer Neuen Mittelschule, der Rest verteilte sich auf andere Schulformen.

"Wir sehen in den Rückmeldungen der Schulleiterinnen und Schulleiter eindeutig, dass ein Herunterfahren der Anforderungen im Hinblick auf den Schulstoff und die Unterrichtsinhalte abgelehnt wurde", so die Studienautorinnen in einer Aussendung der Universität. Gleichzeitig gab nur ein geringer Teil der Direktoren an, für den Distanzunterricht Unterstützung von Schulerhalter oder Schulaufsicht bekommen zu haben – wenn doch, dann wurden vor allem Endgeräte und Lernsoftware zur Verfügung gestellt.

An Brennpunktschulen andere Situation

Ein anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man Schulleitungen an Brennpunktschulen befragt. An diesen Standorten stimmten die Direktoren den abgefragten Aussagen zur Senkung der schulischen Standards klar zu – umgekehrt war das Ziel, schulische Standards zu sichern, weniger stark ausgeprägt. "Schulleitungen an sozial benachteiligten Standorten hatten demnach im Schnitt ein geringeres Vertrauen in die Fähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler, selbstständig zu lernen, und schätzten die familiäre Situation durchschnittlich als zu prekär ein, als dass man sie aktuell zu stark mit schulischen Inhalten belasten könne. Daneben wurde der Distanzunterricht von den Schulleitungen an sozialräumlich benachteiligten Standorten auch signifikant weniger positiv wahrgenommen als an anderen Schulen", heißt es in der Studie.

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Die geringeren Erwartungen der Direktoren bezogen sich laut Studie vor allem auf das familiäre Umfeld. Sie schätzten die Zusammenarbeit mit den Eltern weniger positiv ein und nutzten auch seltener deren Feedback, um sich über den Distanzunterricht zu informieren. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass die Direktoren an diesen Schulen ihre Lehrer dafür stärker in die Verantwortung nahmen als Schulleitungen an privilegierten Standorten. (APA)


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