Vor Ampel-Update: Anschober wartet auf Kommission, Kanzler drängt

664 Menschen sind seit Mittwoch in Österreich positiv auf das Coronavirus getestet worden. Noch mehr waren es nur in der Woche mit den stärksten Zuwachsraten der ersten Welle Ende März. Am heutigen Donnerstag tritt die Corona-Ampel-Kommission im Bund zusammen, um die neuen Farb-Schaltungen für die Bezirke vorzunehmen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).
© HANS PUNZ

Wien - Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die aktuellsten Corona-Zahlen nicht kommentieren, sondern verweist auf die Sitzung der Ampel-Kommission am heutigen Donnerstag. Am morgigen Freitag wird dann veröffentlicht, wie Wien, Innsbruck und die restlichen Gebiete bewertet werden. Am frühen Vormittag hatte Anschober aber bekräftigt, dass er derzeit nicht mit "orange" rechne.

Kurz gegen "Schönrechnen der Zahlen"

Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 664 Menschen positiv auf Covid-19 getestet, die meisten Neuinfektionen gab es erneut in Wien mit 387 Fällen. Das nährte Gerüchte, wonach die Bundeshauptstadt heute Abend auf "orange" geschaltet werden könnte. Die steigenden Zahlen vor allem in Wien werden auch im Kanzleramt mit Sorge beobachtet. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erwarte sich von der Ampel-Kommission "schärfere Maßnahmen", wie es aus seinem Umfeld hieß. Kurz verwehrt sich demnach gegen ein "Schönrechnen der Zahlen".

📽️ Video | 64 Corona-Neuinfektionen in Österreich

"Derzeit keine Indizien, dass es in Richtung orange geht"

Der Gesundheitsminister äußerte sich bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten Donnerstagvormittag nur zurückhaltend. Gefragt, ob er damit rechne, dass weitere Bezirke und Städte auf "gelb" und Wien gar auf "orange" geschaltet werden, betonte er, er wolle der Kommission nicht vorgreifen.

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Die Sitzung werde wohl bis tief in den Abend dauern. Aber, so Anschober, noch kurz bevor die aktuellsten Zahlen veröffentlicht wurden: "Ich habe derzeit keine Indizien, dass es in Richtung orange geht."

Der Gesundheitsminister betonte, dass die steigenden Coronazahlen der vergangenen Tage nur einen Teil der Bewertung der Kommission ausmachen. Die Kommission schaut sich grundsätzlich die Fälle von Mittwoch der Vorwoche bis Dienstag-Mitternacht an, außerdem auch die volle letzte Kalenderwoche. Neben der reinen Zahlenentwicklung geht es auch um die Übertragbarkeit der Fälle, die Quellensuche (Cluster), Ressourcen der Spitäler und Tests (auch den Anteil der positiven Tests).

Für die Kommission gibt es aber auch abseits der quantitativen Daten Faktoren, die einberechnet werden. So bringen die Bundesländer wichtige qualitative Informationen ein, etwa ob es sich bei einem Cluster um eine bestimmte Community oder beispielsweise einen Betrieb handelt, erläuterte Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich. Aus allen Parametern entsteht dann die Ampelfärbung als Risikoeinschätzung (grün für geringes Risiko, gelb für mittleres, orange für hohes und rot für sehr hohes).

Die Entscheidungen der Kommission sollen künftig für die Öffentlichkeit nachvollziehbarer werden, weshalb mehr Transparenz auf der Website versprochen wurde. Auch die Mitglieder der Kommission und alle rechtlichen Grundlagen und Verordnungen sollen dort künftig einsehbar sein. "Je mehr Transparenz, desto mehr Vertrauen wird entstehen", so Anschober

Ampel-PK am Freitag um 11 Uhr

Was die Kommission am Donnerstagabend beschließt, sei wie ein "Sachverständigengutachten" für die politische Entscheidungen, die dann getroffen werden, erklärte Anschober. Die Empfehlungen der Kommission bespreche er innerhalb der Regierung, das sei "keine Solo-Entscheidung" des Gesundheitsministers, unterstrich Anschober. Jeden Freitag um 11.00 Uhr, so auch morgen, gibt es dann eine Pressekonferenz.

Es wird erwartet, dass die Corona-Ampel in Innsbruck auf Gelb umgeschaltet wird. Auch der Bezirk Kufstein dürfte weiterhin auf der zweiten Stufe der vierteiligen Skala verweilen. (TT.com, APA)

📽️ Video | Das bedeuten die Farben der Corona-Ampel


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