Fall Nawalny: Russland will auf mögliche Sanktionen "reagieren"

Sollte es im Fall des vergifteten Oppositionellen Alexej Nawalny wie von Deutschland angedroht tatsächlich zu Sanktionen gegen Russland kommen, will das Land zum Gegenschlag ausholen. Das kündigte Außenminister Sergej Lawrow an.

Der russische Oppositionelle Nawalny wurde mit einem militärischen Nervengift vergiftet. Davon gehen die Experten in der Berliner Charité, wo der Politiker behandelt wird, aus. Nach mehr als zwei Wochen Koma ist der 44-Jährige inzwischen wieder bei Bewusstsein.
© APA/dpa/Bernd von Jutrczenka

Berlin/Moskau – Russland will mögliche Sanktionen im Fall des vergifteten Regierungskritikers Alexej Nawalny nicht unbeantwortet lassen. "Wir werden natürlich reagieren", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Samstag im staatlichen Fernsehsender Rossija 1 in Moskau. "Dies kann nicht ohne eine Reaktion bleiben." Das Prinzip der Gegenseitigkeit in internationalen Beziehungen sei nicht aufgehoben worden.

Welche Reaktionen dass sein könnten, sagte Lawrow nicht. Sein Ministerium hatte zuletzt von "grundlosen Angriffen" auf Russland und einer "Desinformationskampagne" gesprochen, die als Vorwand für neue Strafmaßnahmen genutzt werde.

Sanktionen stehen weiter im Raum

Seit Tagen wird schon wegen der Vergiftung des Oppositionellen Nawalny über Sanktionen gegen Russland gesprochen. Dabei ist auch ein möglicher Baustopp der deutsch-russischen Gaspipeline Nord Stream 2 in der Diskussion. Die deutsche Regierung lässt die Zukunft der Erdgasleitung durch die Ostsee bisher offen, an deren Finanzierung auch die OMV beteiligt ist. International ist der Druck auf Moskau groß, in dem Fall Ermittlungen zu beginnen.

Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland zusammengebrochen. Auf Drängen seiner Familie kam er nach einer Erstbehandlung in Sibirien in die Berliner Universitätsklinik Charité. Seit ein paar Tagen ist er wieder bei Bewusstsein.

Deutschland sieht es nach Untersuchungen in einem Spezial-Labor der Bundeswehr als erwiesen an, dass der 44-Jährige mit einem militärischen Nervengift vergiftet wurde. Unterstützer Nawalnys vermuten Moskau hinter der Tat. Der Kreml hatte eine Verwicklung in dem Fall vehement zurückgewiesen, sich aber zu einer internationalen Zusammenarbeit bereit erklärt. (APA/dpa)


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