Trotz Achilles soll Thiem im Finale gegen Zverev heute der große Held sein

Alle Trümpfe liegen heute im US-Open-Finale (22 Uhr, Servus TV) bei Dominic Thiem: Gegen Zverev spricht (fast) alles für den großen Coup.

Dominic Thiem (l.) und Alexander Zverev verbindet eine lange Freundschaft – heute sind die beiden Rivalen.
© AP/Wenig

New York – Kurz vor 23 Uhr ballt Dominic Thiem im geisterhaft leeren Arthur Ashe Stadium die Faust. Sein Blick, der Trainer Nicolás Massú trifft, ist so scharf, dass er jetzt einen Granitblock in zwei Hälften schneiden könnte. Beide wissen, was Österreichs Tennis-Star da im US-Open-Halbfinale gelang: In 2:53 Stunden Spielzeit ließ der 27-Jährige den bis dahin überragenden Spieler in New York, Daniil Medwedew, im wohl besten Spiel des Turniers ziemlich oft ziemlich alt aussehen.

Mit einem 6:2,7:6(7),7:6(5) meisterte Thiem beeindruckend die wohl schwierigste Hürde der US Open – mental wie spielerisch. Nun fehlt „nur“ noch ein Schritt zum lang ersehnten ersten Grand-Slam-Sieg. Der Gegner ist mit Alexander Zverev (GER) ein langjähriger Freund. Und da spricht im heutigen Endspiel (22 Uhr, Servus TV) fast alles für Thiem.

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Selbstvertrauen: Mit dem Sieg gegen Vorjahresfinalist Medwedew tankte Thiem jede Menge davon. Gerade in schwierigen Phasen bei den entscheidenden „Big Points“ (zwei Tiebreaks) war der Weltranglisten-Dritte überragend. Ganz anders Zverev, den Thiem in neun Duellen bisher siebenmal bezwang: Der 23-Jährige „murkste“ sich durch das Turnier, kam an großen Gegnern vorbei und stand gegen den Kroaten Borna Coric (Viertelfinale) und den Spanier Pablo Carreño Busta (Halbfinale) vor dem Aus, ehe er sich mit viel Hilfe der Gegner über fünf Sätze rettete. Zumindes­t bewies er viel Kämpferherz.

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Erfahrung: Das erste US-Open-Finale ist für Thiem das vierte Grand-Slam-Endspiel seiner Karriere. Im bis dato letzten bei den Australian Open brachte der 16-fache ATP-Turniersieger den Serben Novak Djokovic, der in New York im Achtelfinale disqualifiziert wurde, an den Rand einer Niederlage. Thiem, der 16 seiner 26 ATP-Finalspiele gewann, weiß, wie es geht. Für den 1,98-Meter-Riesen Zverev (18 Finali/11 Turniersiege), der seinen Kontrahenten um 13 Zentimeter überragt, ist es ein­e Premiere.

Duelle: In wenigen Sparten der Kategorie „Österreich gegen Deutschland“ hatte Rot-Weiß-Rot so oft die Oberhand. Thiem führt im Head-to-Head mit Zverev 7:2 – das letzte Duell fand im Februar im Australian-Open-Halb­finale statt, als Thiem 3:6, 6:4, 7:6 (3), 7:6 (4) gewann. Davor schlug er Zverev bei den ATP Finals Ende 2019 7:5, 6:4. Das Duell, das die Zukunft im Tennis über Jahre bestimmen soll, geht damit heute in die zehnte Auflage. Auch für die Wettbüros ist die Sachlage deutlich: Tipp3 vergibt für den Sieg von Thiem gar nur eine Quote von 1,25.

🎾 Die direkten Duelle Thiem gegen Zverev im Überblick

  • 2016 München (Sand/Halbfinale): Thiem 4:6, 6:2, 6:3
  • 
2016 Nizza (Sand/Finale): Thiem 6:4, 3:6, 6:0

  • 2016 French Open (Sand/3.R.): Thiem 6:7, 6:3, 6:3, 6:3
  • 2016 Peking (Hart/1.R.): Zverev 4:6, 6:1, 6:3
  • 2017 Rotterdam (Hart/1.R.): Thiem 3:6, 6:3, 6:4

  • 2018 Madrid (Sand/Finale): Zverev 6:4, 6:4
  • 2018 French Open (Sand/VF): Thiem 6:4, 6:2, 6:1

  • 2019 ATP-Finals London (Hart/HF): Thiem 7:5, 6:3

  • 2020 Australian Open (Hart/HF): Thiem 3:6, 6:4, 7:6, 7:6

Darum geht es im Finale am Sonntag:


  • ATP-Punkte: Finalist 1200; Sieger 2000.

  • Preisgeld (in Dollar): Finalist 1,5 Mio.; Sieger 3 Mio.

Fitness: Dieser Punkt ist die Achillesferse des Dominic Thiem – im wahrsten Sinn des Wortes. Im Halbfinale verletzte sich der Österreicher an der rechten Achillessehne. Doch sein Fitness-Guru Alex Stober schiebt Spekulationen den Riegel vor: „Domi wird am Sonntag voll da und spielbereit sein.“ Davon abgesehen spricht die Fitness klar für Thiem, der 13:38 Spielzeit am Platz stand (bei Zverev waren es 17:23) und dabei nur einen Satz abgab (Zverev verlor sechs). Der letzte Schritt ist dennoch vor allem vom Kopf her ein großer – aber wenn ihn heute einer macht, dann ist es Thiem. (rost)


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