Vorarlberg-Wahlen: Noch nie so viele Stichwahlen, Hard im Fokus

In sechs Kommunen wird in zwei Wochen noch einmal gewählt. Vier Frauen wurden in Direktwahl Bürgermeisterin.

Die Bürgermeister-Direktwahl wurde in Vorarlberg im Jahr 2000 eingeführt, seitdem gab es jeweils zwischen drei und höchstens fünf Stichwahlen. Wo keine direkte Entscheidung fällt, wählt die neu bestellte Gemeindevertretung den Bürgermeister.
© APA

Bregenz – In zwei Wochen kommt es in der Bürgermeister-Frage gleich in sechs Vorarlberger Kommunen zu Stichwahl-Duellen. Hochspannung herrscht vor allem in Hard und Bludenz, aber auch in Lech am Arlberg. Noch keinesfalls entschieden sind ebenso die Stichwahlen in Lochau (Bez. Bregenz) und der Landeshauptstadt Bregenz. In Feldkirch scheint die Favoritenrolle klar verteilt.

Die größte Überraschung des Wahlsonntags ereignete sich in der Bodensee-Gemeinde Hard, wo SPÖ-Landesparteivorsitzender Martin Staudinger die Bürgermeister-Direktwahl für sich entscheiden konnte. Mit ihm in die Stichwahl schaffte es Amtsinhaberin Eva Maria Mair (ÖVP). In Stimmen lag Staudinger (1993) bei 10.100 Wahlberechtigten und 5754 abgegebenen Stimmen knapp 150 Stimmen voran (Mair 1846). Sollte Staudinger Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde werden, würde er den Parteivorsitz der Vorarlberger SPÖ abgeben.

© APA-Grafik

Vier Frauen wurden in Direktwahl Bürgermeisterin

Vier Frauen sind am heutigen Gemeindewahlsonntag in Vorarlberg in der Direktwahl zu Bürgermeisterinnen gewählt worden, eine - die amtierende Harder Bürgermeisterin Eva Maria Mair (ÖVP) - steht in der Stichwahl. 22 Frauen in 16 Gemeinden hatten sich der Bürgermeister-Direktwahl gestellt. Wie viele Frauen im Land tatsächlich die Gemeindegeschicke lenken werden, stand am Sonntag nicht fest.

➤ Viel Zustimmung erhielt die Rankweiler Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall: Sie konnte 3.204 Wähler in der Marktgemeinde im Bezirk Feldkirch für sich gewinnen, das sind 82,45 Prozent der Stimmen.

➤ In Dornbirn wurde Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (ÖVP) - seit 2013 im Amt - mit 51,68 Prozent (9.071 Stimmen) im Amt bestätigt. Sie setzte sich damit gegen Markus Fäßler (SPÖ, 2.860 Stimmen bzw. 16,30 Prozent), Juliane Alton (Grüne, 2.346 Stimmen bzw. 13,37 Prozent), Christoph Waibel (FPÖ, 1.917 Stimmen bzw. 10,92 Prozent) und Wolfgang Fäßler (NEOS, 1.357 Stimmen bzw. 7,73 Prozent) durch.

➤ Knapp, aber doch bleibt Angelika Schwarzmann (ÖVP) in Alberschwende im Bregenzerwald im Bürgermeistersessel. Als einzige Bürgermeisterkandidatin im Ort erhielt sie 822 (53,3 Prozent) Ja-Stimmen und 720-mal "Nein" (46,7 Prozent).

➤ In der Großwalsertaler Gemeinde Raggal (Bezirk Bludenz) erhielt Alexandra Martin, die für die Liste "Zukunft Raggal" antrat, 295 Stimmen (55,45 Prozent) und setzte sich damit gegen zwei männliche Mitbewerber durch.

In der Marktgemeinde Hard am Bodensee (Bezirk Bregenz) wird die amtierende Bürgermeisterin in zwei Wochen in der Stichwahl stehen: Der SPÖ-Landesvorsitzende Martin Staudinger überholte als Spitzenkandidat von "Mitanand für Hard" mit 35,40 Prozent (1.993 Stimmen) überraschend ÖVP-Bürgermeisterin Eva Maria Mair, die 32,79 Prozent (1.846 Stimmen) für sich beanspruchen konnte.

Stichwahl auch in Bludenz

Erwartet wurde hingegen die Stichwahl in Bludenz. Dort werden in den nächsten beiden Wochen ÖVP-Kandidat Simon Tschann und SPÖ-Vizebürgermeister Mario Leiter um jede Stimme laufen. Am Sonntag lag Tschann bei über 6500 abgegebenen Stimmen rund 200 Stimmen vor Leiter. SPÖ-Politiker Leiter brachte es bereits vor fünf Jahren gegen den damaligen Bürgermeister Josef "Mandi" Katzenmayer bis zur Stichwahl, in welche er (und dann auch in der notwendigen Wiederholung der Stichwahl) Katzenmayer unterlag. Der letzte SPÖ-Politiker, der als Bürgermeister von Bludenz regierte, war Heinz Wiedemann (bis 1995).

Am Arlberg lautet das Duell Ludwig Muxel gegen Stefan Jochum. Muxel ist seit 27 Jahren Ortschef, geriet aber wegen Differenzen bezüglich des neuen, 38 Millionen Euro schweren Gemeindezentrums in die Kritik. Jochum - der Standesbeamte von Lech - entschied die Bürgermeister-Direktwahl am Sonntag klar für sich. Mit 496 Stimmen und einem Anteil von 47,65 Prozent hatte er über zwölf Prozentpunkte Vorsprung auf Muxel (369 Stimmen).

📽️ Video | Analyse von Peter Filzmaier

Bregenzer Bürgermeister mit 893 Stimmen Vorsprung

In der Landeshauptstadt Bregenz kommt es zur Neuauflage der Stichwahl von 2005. Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) muss sich erneut mit SPÖ-Stadtrat Michael Ritsch messen. In die Bürgermeister-Entscheidung in zwei Wochen geht Linhart mit 893 Stimmen Vorsprung (4425 zu 3.532 Stimmen). 2005 hatte Linhart im ersten Wahlgang lediglich einen Vorteil von 317 Stimmen gehabt, aus der in der anschließenden Stichwahl knapp 600 Stimmen wurden.

In einer Nachbargemeinde von Bregenz - Lochau - könnte es in zwei Wochen den ersten grünen Bürgermeister Vorarlbergs geben. Amtsinhaber Michael Simma (ÖVP) kam am Sonntag auf einen Stimmenanteil von 47,36 Prozent, Frank Matt auf 40,38 Prozent. In absoluten Zahlen machte der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten 151 Stimmen aus (Simma 1.024, Matt 873). 2015 hatte Simma sich noch im ersten Wahlgang klar gegen Matt durchgesetzt - mit 59,31 Prozent gegenüber 26,27 Prozent.

📽️ Video | Landesparteichefs zur Gemeindewahl

Auch in Feldkirch Stichwahl

In der Bürgermeister-Stichwahl in Feldkirch scheint Amtshinhaber Wolfgang Matt (ÖVP) in der Favoritenposition zu sein. Sein Gegenüber ist mit Daniel Allgäuer (FPÖ) der ehemalige Freiheitlichen-Klubobmann im Landtag. Im ersten Wahlgang erreichte Matt 4496 Stimmen (41,42 Prozent). Damit lag er deutlich vor Allgäuer mit 2572 Stimmen (23,70 Prozent).

Die Bürgermeister-Direktwahl wurde in Vorarlberg im Jahr 2000 eingeführt, seitdem gab es jeweils zwischen drei und höchstens fünf Stichwahlen. Wo keine direkte Entscheidung fällt, wählt die neu bestellte Gemeindevertretung den Bürgermeister. (APA)

Reaktionen der Bundesparteien

Die Bundesparteien SPÖ, Grünen sowie NEOS haben sich am Sonntag über das Abschneiden ihrer Parteien bei der Gemeindewahl in Vorarlberg hocherfreut gezeigt. SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner gratulierte ebenso wie die Grüne Bundesgeschäftsführerin Angela Stoytchev und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger. Bei der FPÖ freute sich Vize-Bundesparteiobmann Mario Kunasek über das Ergebnis in Hohenems.

"Besonders erfreulich sind die Ergebnisse in Bregenz, Bludenz und Hard, wo unser ehemaliger Landesparteivorsitzender Michael Ritsch, Mario Leiter bzw. unser Landesparteivorsitzender Martin Staudinger mit jeweils einem Plus wichtige Erfolge erzielt haben und in die Stichwahl am 27. September kommen", so Rendi-Wagner in einer gemeinsamen Aussendung mit SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch.

▶️ Deutsch: "Die SPÖ konnte in beiden Gemeinden zulegen, die Bürgermeister Georg Bucher und Josef Lechthaler bleiben im Amt"

Die Grüne Bundesgeschäftsführerin Stoytchev freute sich über den "Rekordzugewinn an Mandaten" bei den Gemeindewahlen: "Ich gratuliere Johannes Rauch und seinem Team herzlich zu ihren großartigen Ergebnissen.

▶️ Stoytchev : "Das gemeinsame Ziel, Grüne Politik in den Gemeinden umzusetzen, hat Früchte getragen."

NEOS-Chefin Meinl-Reisinger sprach von einem "fulminanten Wahlerfolg für NEOS" und "dem größten Wachstumsschritt an einem Tag".

▶️ Meinl-Reisinger: "Die pinke Bewegung hat fast viermal so viele Sitze in den Gemeindestuben wie 2015 geholt."

Seitens der FPÖ hob der steirische FPÖ-Landesparteiobmann und stellvertretende Bundesparteiobmann Mario Kunasek das Abschneiden des Hohenemser Bürgermeisters Dieter Egger hervor.

▶️ Kunasek: "63,45 Prozent sind ein starkes Signal und zeugen von zielorientierter und sachlich fundierter Kommunalpolitik mit freiheitlicher Handschrift, die von den Menschen honoriert wurde."


Kommentieren


Schlagworte