„Wie im Psychothriller“: 15 Jahre Haft für Mordversuch an Ex-Freundin

Ein eifersüchtiger Mexikaner hatte seiner Tiroler Ex-Freundin auf grausame Weise nachgestellt. Am Ende stand Mordversuch durch Erwürgen: 15 Jahre Haft.

Der Angeklagte vor Beginn der Verhandlung.
© Fellner

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Im Sommer 2018 hatte eine junge Tirolerin bei ihrem Mexiko-Urlaub einen Surflehrer kennen gelernt. Dabei hatte es zwischen den beiden so gefunkt, dass die Frau gleich bis Dezember in Mexiko geblieben war – von Heirat war die Rede gewesen. Ein Jahr später war die Fernbeziehung für die Frau zu Ende. Beim Mexiko-Besuch Ende 2019 wollte die Tirolerin dies klarmachen, wurde vom Mexikaner aber zur Weiterführung überredet. Fortan hatte der heute 26-Jährige die Frau in Innsbruck unangemeldet besucht, was in Konflikten, Gewalt und letztlich im Februar in einem Mordversuch durch Erwürgen mündete.

Staatsanwalt Florian Oberhofer am Dienstag vor einem Schwurgericht: „Der Angeklagte zeitigte ein Vorgehen wie in Psychothrillern. Schon vor dem Mordversuch hatte er der Frau den Wohnungsschlüssel entwendet und dort auf sie gewartet, mitten im Zimmer ein Stuhl, auf dem er das Opfer geknebelt und gefesselt hatte. Auf dem Tisch waren ein Messer und ein Fleischspieß bereitgelegt. Mit dem Messer hatte er dann immer wieder über die Kehle der Frau gestrichen. 30 Minuten dauerte der Vorfall an, bis der Angeklagte weinend am Schoß seiner Ex-Freundin zusammenbrach.“

📽️ Video | Schuldspruch wegen Mordversuchs:

Opfer durch Glück noch am Leben

Viel Glück für die Tirolerin, die darauf im Februar nochmals ungebetenen Besuch von dem Mann bekommen hatte. Zuletzt im Hotel, wo sie als Rezeptionistin gearbeitet hatte. Dorthin war der 26-Jährige per Skateboard und mit zwei Promille gekommen. Ein erster Blick genügte der Frau, dass es nun besser wäre, die Schere am Pult in die Hand zu nehmen. Doch der Mann war stärker und würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit. Als er glaubte, sie erwürgt zu haben, schliff er sie per Skateboard durch das Hotel, um „die Leiche“ zu verstecken.

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Ein aufmerksamer Gast störte den 26-Jährigen jedoch und rief schon vorab auf Verdacht die Polizei. Dabei erwachte auch die Gewürgte. Laut Gerichtsmediziner Walter Rabl neuerlich ein Glück, dass sie überlebt hatte. Waren vom Sauerstoffentzug doch schon „Stauungssyndrome“ bei den Augen erkennbar.

Eifersucht und eine für ihn zermürbende Beziehungsunsicherheit sollen das Motiv für die Grausamkeiten gewesen sein. Richter Andreas Mair: „Mit Erwürgen des Partners rettet man für gewöhnlich aber keine Beziehungen, oder?“ RA Annamaria Lechthaler bekam für die Tirolerin 7000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Dass der Täter bei der am Hotelgang Erwachten ganz freiwillig vom Mordversuch zurückgetreten war, glaubten die Geschworenen zuletzt einstimmig nicht: Somit ergingen nicht rechtskräftig 15 Jahre Haft.


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