Bank Austria senkt BIP-Prognose für nächstes Jahr, 2020 besser als erwartet

Die Ökonomen erwarten heuer einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von minus 6,3 Prozent statt minus 8 Prozent. Dafür wurden Wachstumsaussichten für 2021 von 6,8 auf fünf Prozent zurückgenommen.

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Wien – Die Ökonomen der Bank Austria sind nun für heuer für Österreichs Wirtschaft etwas optimistischer, für 2021 allerdings pessimistischer. Für 2020 wird nun ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von minus 6,3 Prozent statt minus 8 Prozent erwartet - immer noch deutlich höher als während der Finanzkrise im Jahr 2009. Die Wachstumsprognose für 2021 wurde aber von fast sieben auf fünf Prozent gesenkt.

"Die Prognose basiert auf der Annahme, dass es zwar zu keinem nationalen Lockdown kommt, jedoch zumindest bis zum Frühjahr mit lokalen Beschränkungen zu rechnen sein wird", so UniCredit-Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl am Dienstag laut einer Aussendung. Die Folgen der Pandemie würden weiterhin spürbar sein und Ende 2021 werde die österreichische Wirtschaft das Niveau von vor der Coronakrise noch nicht erreichen.

Steuerreform brachte im Durchschnitt 307 Euro

➤Der vorgezogene Teil der Steuerreform bringt den Steuerpflichtigen im Durchschnitt 307 Euro mehr an Nettoeinkommen (plus 1,6 Prozent), so eine OGM-Studie, die am Dienstag von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) präsentiert wurde. Am stärksten war die Wirkung bei einem zu versteuerndem Jahreseinkommen von 15.000 bis 20.000 Euro.

➤Konkret geht es dabei um die Senkung des Eingangssteuersatzes von 25 auf 20 Prozent, den von 300 auf 400 Euro erhöhten Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag (erhöht auch die Grenze der maximal erstattungsfähigen Negativsteuer) sowie die zusätzliche Einmalzahlung der Familienbeihilfe von 360 Euro pro Kind im September.

➤Von ersterer Maßnahme profitierten 63 Prozent, von den anderen beiden Maßnahmen 18 bzw. 14 Prozent der Steuerpflichtigen, führte Johannes Klotz von OGM bei der Präsentation aus.

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"Mit Betriebsschließungen und Personalabbau muss gerechnet werden"

Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer
© Andreas Rottensteiner / TT

Am österreichischen Arbeitsmarkt hat sich die Entspannung mittlerweile verlangsamt. Nach durchschnittlich zehn Prozent im Jahr 2020 erwarten die Experten der Bank für das kommende Jahr eine Arbeitslosenquote von zumindest acht Prozent. Bei einigen Unternehmen werde das Kurzarbeitsprogramm als Überbrückungshilfe der Coronakrise nicht ausreichen, sodass mit Betriebsschließungen und Personalabbau gerechnet werden müsse.

Bei der Teuerung sehen die Ökonomen bis zum Jahresende eine relativ stabile Entwicklung um 1,5 Prozent und haben die Erwartung für den Jahresdurchschnitt 2020 von 1,1 auf 1,4 Prozent angehoben. Zu Herbstbeginn hat sich die heimische Wirtschaft zwar weiter erholt, jedoch nimmt die Dynamik schrittweise ab.

Es zeichnet sich klar ab, dass die Wachstumszuwächse, die sich aus der Wiedereröffnung der Wirtschaft ergeben haben, mittlerweile weitgehend aufgebraucht worden sind und für die weitere Erholung der Wirtschaft einiger Gegenwind besteht.
UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer

Schlechte Konsumstimmung

Die Stimmung der Verbraucher habe mittlerweile den zweiten Monat in Folge einen Rückschlag erlitten. Steigende Infektionszahlen würden die Konsumenten verunsichern und die angespannte Lage am Arbeitsmarkt führe zu einer Zurückhaltung insbesondere bei der Anschaffung langlebiger Konsumgüter. Nach dem zweiten Dämpfer in Folge herrsche am Bau im August jedoch weiterhin eine optimistische Grundstimmung.

Während sich die Stimmung am Bau und bei den Konsumenten im August wieder verschlechtert hat, gebe es Signale einer Belebung der internationalen Konjunktur mit einer deutlichen Verbesserung des österreichischen Exportumfelds. Von diesem Rückenwind profitiere die heimische Industriestimmung bisher allerdings nur in kleinen Aufwärtsschritten, sagte Bruckbauer. Dagegen habe die Lockerung der Maßnahmen gegen die Pandemie in einigen Dienstleistungsbranchen im August zunehmend für Hoffnung gesorgt. (APA)


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