Thiem nach US-Open-Sieg "noch gar nicht richtig aufgewacht"

Nach nur zwei Stunden Schlaf in den 50 Stunden nach seinem US-Open-Triumph fällt es Dominic Thiem immer noch schwer, das Erreichte zu realisieren.

Mit einem Tennisnetz Sicherheitsabstand erzählte Dominic Thiem von den Erlebnissen nach dem US-Open-Triumph.
© GEPA pictures/ David Bitzan

Wien – Ein ungewöhnliches Setting bei der Pressekonferenz mit Österreichs Tennis-Superstar Dominic Thiem, aber zumindest diesmal nicht vor Video-Screens: Der 27-jährige Niederösterreicher stellte sich als frischgebackener US-Open-Sieger im 22. Wiener Gemeindebezirk den österreichischen Medien - auf einem Sand-Tennisplatz mit dem Netz als Abstand dazwischen.

Abstand hat der Weltranglisten-Dritte nun zwar auch vom Ort des Triumphes in New York bekommen, doch so richtig realisiert hat er alles noch nicht. Nicht nur der Jetlag, auch die vielen Medien-Anfragen in den USA haben Thiem kaum Zeit gegeben, nachzudenken. Selbst Schlaf hat er sich kaum gegönnt. "Ich habe in den letzten 50 Stunden vielleicht zwei Stunden geschlafen. Ich bin ziemlich 'paniert', aber immer noch sehr glücklich und auch froh, dass ich jetzt wieder auf österreichischem Boden bin."

🎥 Video-Beitrag: Thiem wieder auf österreichischem Boden gelandet

Wie man sich fühle, wenn man als Grand-Slam-Sieger aufwacht - diese Frage konnte Thiem deshalb gar nicht beantworten. "Ich bin gar nicht aufgewacht, weil ich bin noch nicht eingeschlafen", sagte Thiem lächelnd. Auch so kann man wohl seinen Traum leben. An seinem Zustand des puren Glücks seit Verwirklichung seines größten Karriereziels, dem Gewinn eines Grand-Slam-Turniers, hat das alles natürlich nichts geändert.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Physische und Emotionale Erholung im Vodergrund

"Es wird jetzt sicher noch dauern, bis ich das realisiert habe. Es wird erst sacken, wenn ich mich gescheit ausgeruht habe", erklärte der Lichtenwörther. Körperlich werde er sich schnell wieder erholen. "Wie es emotional ist, kann ich nicht wissen, weil das ist seit einigen Jahren das ganz große Ziel gewesen." Jeden Tag, ob im Training oder im Match sei dieses Ziel in seinem Kopf gewesen. "Dieser absolute Wille, das Ziel zu erreichen. Jetzt habe ich es geschafft." Eine Leere, über die manche Sportler nach solch großen Erfolgen berichten, erwartet er nicht. "Speziell im Tennis ist es so, dass sehr viele große Turniere kommen. In nicht einmal zwei Wochen fängt Paris an." Jetzt will er einmal einige Tage mit der Familie und Freunden genießen und über das Erreichte reflektieren.

Nach dem mitreißenden "Krimi" im Finale gegen Alexander Zverev berichtete Thiem von einer raschen Erholung seiner krampfenden Oberschenkel. Und auch die Achillessehne und Problemchen erwartet Thiem bis "spätestens Paris" wieder im Griff.

🎾 Außerdem sprach Thiem über:

  • Offenheit für eine neue Freundin: "Prinzipiell bin ich offen für alles, aber der Fokus liegt komplett auf meiner Karriere, wie die letzten Jahre auch. In nächster Zeit wird es sowieso schwer, weil überall eine Bubble ist und jegliches privates Vergnügen wird mit einer Disqualifikation geahndet (lacht)."
  • Wie schwer das Zuschauen sein kann: "Wenn man vor dem Fernseher sitzt und mit einem Sportler, von dem man großer Fan ist, mitfiebert, kann das echt grausam sein. Das ist sehr schwer, ich bewundere jeden, der das Match durchgehalten hat (lacht)."
  • Ein neues Leben nach dem Grand-Slam-Titel: "Ich fühle mich genauso wie davor. Natürlich ist es das ultimative Karriereziel im sportlichen Sinne, aber es muss schon so sein, dass ich mein Leben generell nicht von Erfolgen in meiner Karriere abhängig mache. Sonst wird man nicht glücklich und sonst kann man auch nach der Karriere nicht glücklich werden. Wahrscheinlich wird sich der Bekanntheitsgrad noch um einiges steigern, aber damit kann ich ganz gut umgehen."
  • Wachablöse: "Ich sehe es nicht ganz so, weil Djokovic und Nadal werden beide topfit in Paris am Start sein und wenn die zwei topfit am Start sind, sind die immer noch bei jedem Turnier die ganz großen Favoriten. Ich glaube, dass vor allem der Nadal einen Vorteil gegenüber uns hat, weil er einfach nicht in New York war und seit langer Zeit in Europa auf Sand trainiert."

Für Thiem ist der Titel in Flushing Meadows ein Start in den nächsten Karriere-Abschnitt: Die Last auf der Jagd nach dem ersten Major-Titel ist "komplett weggefallen". "Ich erwarte ein bisserl von mir, dass ich ab jetzt die ganz großen Turniere und großen Matches mit ein bisserl mehr Lockerheit angehe und aus dem Grund noch besser spielen kann."

Der Blick auf das ATP-Ranking, in dem Thiem vorerst noch Dritter ist, dominiert aktuell nicht die Gedanken des 17-fachen Turniersiegers. Nun stehen die French Open im Fokus. "Natürlich ist jetzt das eine ganz große Ziel abgehakt und irgendwo schwirrt die Nummer 1 natürlich im Kopf herum, aber nicht jetzt." Nun will er so gut wie möglich in Paris spielen. "Ich hoffe, dass ich den Rückenwind, den ich mir mit dem US-Open-Titel gegeben habe, ausnütze."

Am Wochenende will er mit dem Sandtraining beginnen, am Mittwoch kommender Woche nach Paris reisen. Mit der Erleichterung im Gepäck, dass der teils auch stark selbst auferlegte Druck, nicht mehr so stark da ist. (APA)


Kommentieren


Schlagworte