Arbeit von zuhause aus: Neue Home-Office-Regeln sollen bis März stehen

In der Corona-Krise hat Home Office enorm an Bedeutung gewonnen. Nun will Arbeitsministerin Christine Aschbacher mit den Sozialpartnern neue Regeln dafür festlegen. Das Ergebnis soll jedoch erst im März vorliegen.

Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP, l.) und AK-Chefin Renate Anderl.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Die Vertreter der Sozialpartner sowie der Industrie und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) sind heute im Bundeskanzleramt in Wien zu einem Kick-off-Meeting zur Regelung des Home Office zusammengetroffen. Nun sollen gemeinsame Arbeitsgruppen Regelungen für das Arbeiten zu Hause entwerfen. Im Dezember will man noch einmal auf dieser Ebene zusammenkommen, im März sollen Ergebnisse vorliegen.

Dabei wolle man die "best practices", die in vielen Betrieben gemeinsam vereinbart wurden, festhalten und für mittel- und langfristige Lösungen weiterentwickeln. Dass sich im März 2021 die Corona-Pandemie in Österreich bereits jährt, ist für Aschbacher kein zu später Zeitpunkt für eine Regelung des Home Office, denn es gebe zwei Ebenen: Eine kurzfristige Ebene der Anwendung von mobilem Arbeiten, und eine langfristige Ebene, wo man Erfahrungen aus der Corona-Pandemie einbaue, sagte sie am Freitag nach dem Treffen in einer Pressekonferenz. Sie wolle auch weitere Stakeholder zu den Arbeitsgruppen einladen.

📽️ Video | Die Pressekonferenz zum Nachsehen

Home-Office soll wieder verstärkt zum Einsatz kommen

"Wir befinden uns am Beginn der zweiten Welle der Corona-Pandemie", so die Ministerin. Daher werde es nun verstärkt notwendig sein, Home Office anzubieten und einzusetzen. Das habe die Bundesregierung schon vor einigen Tagen erklärt. "Wir appellieren an die Eigenverantwortung, dort wo es leicht und sinnvoll ist, Home Office anzuwenden." Bei Einzelbüros gebe es aber nicht die Notwendigkeit, alle ins Home Office zu schicken.

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Aschbacher wiederholte auch, dass es etwa möglich sein solle, dass jemand sich am Nachmittag ein paar Stunden den Kindern widme und dafür am Abend dann länger arbeite. Diese Flexibilität habe sie selber auch so gelebt und das sollte möglich sein. Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl warf ein, dass Flexibilität nicht dazu führen dürfe, dass Gesetze umgangen werden – Stichwort Ruhezeiten. "Wir brauchen ein nachhaltiges Regelwerk für Home Office ", sagte Anderl. Es gehe um Arbeitnehmerschutz, Unfallversicherung - wobei die derzeitige Lösung zum Jahresende auslaufe – Datensicherheit und viele weitere Punkte. Home Office müsse auf Freiwilligkeit basieren, damit Beschäftigte motiviert arbeiten könnten. Home Office sei auch keine Kinderbetreuung, man müsse daher Home Office klar abgrenzen gegenüber Freizeit und Familie. Da und dort werde man auch Rechtsansprüche brauchen.

Wirtschaftskammer-Chef Kopf lobt bisheriges Funktionieren

Wirtschaftskammer-Generalsekretär Karlheinz Kopf verwies darauf, dass das mobile Arbeiten in den letzten Monaten vor allem im Büro-und Dienstleistungsbereich der Wirtschaft sehr geholfen habe, um die Betriebe am Laufen zu halten. Weitgehend habe es gut funktioniert, weil sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer sehr rasch darauf verständigt hätten. Das allgemeine Arbeitsrecht gelte ja weiterhin. Es brauche für das Arbeiten von zu Hause aus einerseits größtmögliche Flexibilität sowie Klärungen, etwa ob der Betrieb die Betriebsmittel zur Verfügung stellt oder die eigenen verwendet werden. Es werde Regelungen brauchen, aber auch Empfehlungen, um diese "neue Form des Arbeitens" so zu gestalten, dass es für beide Seiten möglichst optimal sei.

Neben den Sozialpartnern WKÖ, AK und ÖGB – ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian nahm am Treffen, aber wegen eines Termins nicht an der Pressekonferenz teil – sitzt auch die Industrie mit am Tisch. Der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Georg Knill, betonte, für die Industrie stehe Sicherheit an oberster Stelle. Das Arbeiten von zu Hause aus sei eine von vielen Maßnahmen, um diese Sicherheit auch zu gewährleisten. Die individuellen Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hätten gut funktioniert. Die Industrie wolle dieses Erfolgsmodell von "working at home" weiter fortsetzen.

Vor Beginn der Corona-Pandemie war Homeoffice laut Aschbacher für etwa zehn Prozent ein Thema, beim Lockdown seien "von einem Tag auf den anderen" plötzlich 40 Prozent im Homeoffice gewesen. Die Familie und Beruf Management GmbH habe Zertifizierungen für Vereinbarkeit durchgeführt, die bereits zertifizierten Betriebe hätten sich mit der Umstellung leichter getan. Sie habe ein "Gütesiegel für mobiles Arbeiten" ermöglicht, für das sich die Unternehmen zertifizieren können, so die Ministerin. (APA)


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