Geplante Anschaffung von Dieselbussen lässt die Wogen in Innsbruck hochgehen

Bis 2030 wollen die Innsbrucker Verkehrsbetriebe – maximal – 120 neue Dieselbusse anschaffen. „Gerechtes Innsbruck“ und FPÖ üben massive Kritik, sie fordern den Umstieg auf E-Busse. Laut IVB erfüllen diese jedoch aktuell noch nicht die Anforderungen.

Die IVB wollen auf alternativ betriebene Busse umsteigen – sie schätzen, dass diese jedoch erst in fünf bis sieben Jahren die nötigen Anforderungen erfüllen werden.
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Von Michael Domanig

Innsbruck – Eine Ausschreibung der Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB), die die Anschaffung von jeweils bis zu 60 neuen Niederflur-Gelenkbussen und Niederflur-Solobussen vorsieht, lässt FPÖ und Gerechtes Innsbruck (GI) schäumen. „Fassungslos“ zeigt sich StR Rudi Federspiel (FPÖ). Statt den Umstieg auf Elektrobusse einzuleiten oder, wie von der FPÖ vorgeschlagen, beispielsweise den Stadtteil Igls zum Testgebiet dafür zu machen, setze man weiterhin auf „stinkende“ Dieselfahrzeuge. Dies zeige einmal mehr die „Doppelzüngigkeit“ der grünen Stadtführung in Umweltfragen, ätzt Federspiel.

GR Gerald Depaoli (Gerechtes Innsbruck) wirft den Grünen ebenfalls fehlende politische Glaubwürdigkeit vor. Zudem ortet er „Hinterzimmerpolitik“ von Bürgermeister Georg Willi (Grüne) als Eigentümervertreter. Denn über die Ausschreibung sei bis dato nicht einmal der Gemeinderat informiert worden.

Die „Sicherstellung eines funktionierenden und verlässlichen Fahrbetriebs“ für die Kunden habe oberste Priorität, heißt es auf Anfrage der TT bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben. Daher sei es notwendig gewesen, nach Auslaufen des Rahmenvertrags über die Lieferung von Solo- und Gelenkbussen im heurigen Juni die weitere Versorgung zu gewährleisten. „Bei der vorgesehenen Anschaffung von 120 Bussen bis 2030 handelt es sich um einen Maximalwert, der natürlich auch unterschritten werden kann“, betonen die IVB. „Sobald neue, praktikable Alternativtechnologien zur Verfügung stehen, kann und soll auf diese umgestiegen werden“. Derzeit sei davon auszugehen, dass diese Anforderungen bei reinen Batteriebussen und Bussen mit Brennstoffzellen als Energielieferant „erst in den kommenden fünf bis sieben Jahren erfüllt werden können“. Mit der Beschaffung von „bewährten Euro-6-Dieselbussen“, den „aktuell umweltfreundlichsten Dieselfahrzeugen“, in den kommenden sieben Jahren sollte „ausreichend Zeit“ für eine Neugestaltung des Öffi-Verkehrs in Innsbruck mit alternativ betriebenen Bussen gegeben sein, schließen die IVB.

Ganz ähnlich argumentiert man im Büro von BM Georg Willi: Die Stadt arbeite gemeinsam mit den IVB und dem Verkehrsverbund Tirol intensiv an einer Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs. Bei Elektro- oder auch Wasserstoffbussen seien die technischen Möglichkeiten derzeit noch nicht ausgereift genug. Aktuell gebe es daher nur die Wahl, „noch einmal eine Tranche an Dieselbussen anzuschaffen oder das Öffi-Angebot zu reduzieren. In diesem Fall ist uns ein gut ausgebautes Netz am wichtigsten“.

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