EZB-Chefin hält Erholung im Euro-Raum immer noch für wackelig

Für EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist die Erholung der Wirtschaft sehr unsicher, uneinheitlich und unvollständig. Sie brauche weiter geldpolitische Unterstützung.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
© Reuters

Frankfurt – EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht die von der Coronakrise getroffene Wirtschaft im Euroraum noch längst nicht über den Berg. Zwar legten jüngste Wirtschaftsdaten nahe, dass es im dritten Quartal zu einem deutlichen Umschwung kommen werde, sagte Lagarde am Montag. Aber die Erholung bleibe sehr unsicher, sowie uneinheitlich und unvollständig. "Sie bleibt hochgradig abhängig von der künftigen Entwicklung der Pandemie und vom Erfolg der Eindämmungspolitik."

Eine "sehr sorgfältige Bewertung der hereinkommenden Informationen, einschließlich Entwicklungen des Wechselkurses im Hinblick auf Folgen für den mittelfristigen Inflationsausblick" sei erforderlich, sagte Lagarde in einer Videokonferenz der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung. Der jüngste Kursanstieg des Euro spiele in verschiedenen Bereichen ein Rolle. Soweit dies die Geldpolitik betreffe, übe das Abwärtsdruck auf das Preisniveau aus.

Wir sind sehr wachsam, was den Anstieg des Euro angeht, und wir berücksichtigen das in der Festlegung unserer Geldpolitik.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde

"Wir dürfen die Gelegenheit nicht verpassen"

Der Kurs des Euro hat seit Mitte Mai zum Dollar rund zehn Prozent zugelegt. Für die EZB kommt das inmitten der Corona-Pandemie höchst ungelegen. Denn Waren und Dienstleistungen aus der Euro-Zone werden damit außerhalb des Währungsraums teurer. Zudem werden importierte Waren billiger, was auf die Inflation drückt.

Der EZB-Rat stehe bereit, alle Instrumente nötigenfalls anzupassen, bekräftigte Lagarde. "Wir urteilen, dass die Wirtschaft immer noch der Unterstützung bedarf, falls die Erholung anhalten und sich weiter verstärken soll." Aus ihrer Sicht hat die Pandemie auch die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Umwelt gelenkt. "Wir dürfen die Gelegenheit nicht verpassen, die Klimarisiken zu verringern und zu verhindern und die notwendige grüne Transformation zu finanzieren," forderte sie. Der Klimawandel ist eines der Themen, mit denen sich die Notenbank derzeit im Rahmen ihrer Strategieüberprüfung beschäftigt. (APA, Reuters)

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