Noch drei TV-Duelle bis zur US-Wahl: Diese Termine gilt es sich zu merken

In sechs Wochen ist in den USA Wahltag. Dann entscheiden die Amerikaner, wer in den kommenden vier Jahren im Weißen Haus sitzen soll. Diese Termine müssen im Kalender rot angestrichen werden.

Unterstützer von Joe Biden am Straßenrand vor dem Golfklub von US-Präsident Donald Trump.
© BRENDAN SMIALOWSKI

Von Matthias Sauermann

Washington – Das Duell um die Oberhand bei der US-Wahl am 3. November hat bereits einige Kehrtwenden vollzogen. Anfang des Jahres war aufgrund der guten Wirtschaftslage noch mit sehr guten Chancen von Amtsinhaber Donald Trump zu rechnen. Dann kam die Corona-Pandemie und die Reaktion der US-Regierung darauf, die die Gefahr durch das Virus bewusst herunterspielte. Trump selbst hat dies damals in Interviews mit dem Journalisten Bob Woodward eingeräumt, wie mittlerweile bekannt wurde. Mittlerweile sind mehr als 200.000 Amerikaner mit oder an SARS-CoV-2 gestorben. Längst prognostizieren Umfragen sowohl landesweit als auch nach zu erwartenden Stimmen im Wahlkollegium einen Sieg von Herausforderer Joe Biden.

US-Präsident Donald Trump.
© SAUL LOEB

Und nun hat der Tod der renommierten und liberalen Höchstrichterin Ruth Bader Ginsburg noch einmal das Rennen über den Haufen geworfen. Die Demokraten drängen darauf, ihrem letzten Wunsch zu entsprechen und mit der Wahl einer Nachfolgerin bis nach der Wahl zu warten – was auch dem entsprechen würde, was die Republikaner 2016 propagiert hatten. Dass so kurz vor der Wahl darauf gewartet werden solle, wie die Bürger entscheiden. Die Republikaner wollen davon allerdings mittlerweile nichts mehr wissen, die meisten signalisieren, in einer Kehrtwende nun doch den freigewordenen Sitz möglichst schnell besetzen zu wollen. Es hängt also an den wenigen Senatorinnen und Senatoren der Republikaner, denen zugetraut wird, gegen die Parteilinie zu stimmen. Ein verbissener und wütender Machtkampf kündigt sich an.

Was sich damit vor allem ändert: In der öffentlichen Debatte geht es nun nicht mehr vor allem um das Coronavirus und den Umgang der Regierung mit der Pandemie sowie der katastrophalen Wirtschaftslage, sondern plötzlich wieder um für viele Amerikaner grundsätzliche Fragen. Denn das Höchstgericht kann durch seine Macht, die oft allgemein gehaltene US-Verfassung zu interpretieren, die Gesellschaft nachhaltig prägen. Kein Wunder, dass die Republikaner nun wieder Szenarien an die Wand malen, dass liberale Richter und Richterinnen den Amerikanern die Waffen wegnehmen könnten. Und Demokraten davor warnen, konservative HöchstrichterInnen könnten das Recht auf Abtreibung beschneiden. Wem diese Debatte nützt, ist derzeit noch schwer berechenbar. Tendenziell gilt unter Experten aber eher, dass Trump davon profitiert, wenn von der Pandemie abgelenkt wird.

Ex-Vizepräsident Joe Biden.
© JIM WATSON

Die Rolle der TV-Duelle

Schon vor dem Tod von Ruth Bader Ginsburg galten die TV-Duelle als letzte Chance für Trump – unvorhergesehene Ereignisse abgesehen – Joe Biden noch einmal abzufangen. Gerade weil Trump nachgesagt wird, in Debatten durch seine Art punkten zu können, während Demokraten fürchten (und viele Republikaner hoffen), Biden könnten Versprecher unterlaufen oder er den ein oder anderen Faux-Pas liefern könnte. Durch die Debatte um den Supreme Court gewinnen die Debatten vor laufenden Kameras noch einmal an Brisanz.

US-Präsident Donald Trump und der demokratische Herausforderer Joe Biden werden sich nach jetzigem Stand drei Mal gegenüberstehen. Zudem kommt eine Debatte zwischen den beiden Kandidaten für den Vizepräsidentenposten, Mike Pence (Trump) und Kamala Harris (Biden).

Die Termine der TV-Duelle

  • 1. Duell Trump/Biden: Nacht von 29. auf 30. September (Ohio, 3 Uhr MEZ)
  • Duell der Vize-Kandidaten Pence/Harris: Nacht von 7. auf 8. Oktober (Utah, 5 Uhr MEZ)
  • 2. Duell Trump/Biden: Nacht von 15. auf 16. Oktober (Florida, 3 Uhr MEZ)
  • 3. Duell Trump/Biden: Nacht vom 22. auf 23. Oktober (Tennessee, 4 Uhr MEZ)

Die Debatten starten jeweils um 21 Uhr. Nachteulen können sich freuen: Bei uns ist es aufgrund der Zeitverschiebung dann bereits tief in der Nacht.

Auch wenn viele Amerikanerinnen und Amerikaner – auch pandemiebedingt – schon vor dem 3. November per Briefwahl abstimmen werden (oder schon abgestimmt haben), könnten die TV-Debatten und alles, was nun im Senat rund um die Ginsburg-Nachfolge geschieht, noch einiges bewegen. Derzeit gibt die Statistikplattform "FiveThirtyEight" Biden in 77 von 100 Fällen den Sieg. Ob das so bleibt, werden die kommenden Wochen weisen. Und selbst wenn das so ist, bleiben auch aktuell noch 23 Szenarien, in denen Trump den Sieg davontragen würde.


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