Südtiroler GR-Wahlen: „SVP ist nicht mehr unangefochten“

Die regierende Südtiroler Volkspartei (SVP) konnte ihre Position als weitaus stärkste Partei halten. Sie stellt in Zukunft 103 der 113 neugewählten Bürgermeister – einen weniger als bisher. Das Ziel, Gemeinden von den Bürgerlisten zurückzuerobern, ist damit gescheitert.

Symbolfoto.
© Robert Michael

Von Benedikt Mair

Bozen, Innsbruck – Rund 413.000 Südtiroler waren am Sonntag und Montag dazu aufgerufen, Bürgermeister und Gemeinderat neu zu wählen. 270.466 (65,4 Prozent, 2015: 66,4 Prozent) davon sind dann effektiv zur Urne geschritten. Die Südtiroler Volkspartei (SVP) bleibt nach den Wahlen in 113 der insgesamt 116 Gemeinden im Land weiter klar stärkste Kraft. Die Parteileitung zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden – trotz einiger Dämpfer.

Gescheitert ist die SVP beispielsweise bei dem vor den Wahlen als Wunschziel ausgegebenen Vorhaben, Vertreter der oft starken Bürgerlisten aus dem Bürgermeisteramt zu drängen. „Vier Gemeinden haben wir verloren, aber vier auch wieder dazugewonnen“, sagt Südtirols SVP-Landeshauptmann Arno Kompatscher. „Zu den zurückgewonnenen gehört etwa Innichen, eines der großen Zentren im Hochpustertal. Pfatten, eine Gemeinde mit mehrheitlich italienischer Bevölkerung, hat erstmals nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen deutschsprachigen Bürgermeister.“ In Sterzing sei die Rückeroberung des Bürgermeister-Amtes um nur drei Stimmen gescheitert, ebenso in Auer im Südtiroler Unterland. „Für uns als Volkspartei ist es alles in allem ein sehr erfreuliches Ergebnis“, meint Kompatscher.

Eine einfache Mehrheit genügt in Gemeinden mit weniger als 15.000 Einwohnern für die Wahl zum Bürgermeister. Wollen Kandidaten in den bevölkerungsreicheren Orten im ersten Wahlgang gewählt werden, bedarf es einer absoluten Mehrheit. Gelungen ist das in Leifers, Brixen und Bruneck, wobei in den beiden Letztgenannten ein SVP-Kandidat Bürgermeister wird. Zu einer Stichwahl kommt es hingegen in Bozen und Meran. Am 4. Oktober muss sich der amtierende Bürgermeister von Bozen, Renzo Caramaschi vom Partito Democratico (PD), in einer Stichwahl dem Mitte-rechts-Kandidaten Roberto Zanin stellen. In Meran kommt es zum Duell zwischen Amtsinhaber Paul Rösch (linkes Listenbündnis) und Dario dal Medico (rechtes Listenbündnis).

Eine „schmerzhafte Niederlage für die Volkspartei“ nennt der Südtiroler Politologe Hermann Atz die Tatsache, dass es der Meraner SVP-Kandidat nicht in die Stichwahl geschafft hat. „Obwohl er dafür aufgestellt wurde, um den Amtsinhaber zu stürzen. Auch bei der Wahl zum Bozner Gemeinderat schnitt die Partei schlechter ab. Die SVP ist nicht mehr unangefochten“, deutet Atz das Gesamt­resultat des Urnengangs. „Die Vormachtstellung bröckelt, wenngleich das auch ein langsamer Prozess ist.“

Nur sehr schleppend steigt in Südtirol die Zahl der Bürgermeisterinnen – der Frauenanteil bei den Ortschefs ist von elf im Jahr 2015 auf jetzt 13 gestiegen.


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