Je schneller, desto besser: Sport ist gut fürs Gedächtnis

Genfer Neurowissenschafter nahmen die Auswirkungen von Sport auf die Gedächtnisleistung unter die Lupe. Resultat: Je näher sich Sportler nahe an ihre Leistungsgrenze wagen, desto aktiver ist ihr Hippocampus sowie eine Hirnstruktur, die an motorischen Prozessen beteiligt ist.

Wer regelmäßig läuft, kennt das Hochgefühl, den "Runner's High". Verantwortlich für diesen euphorischen Zustand sind Endocannabinoide.
© PHILL MAGAKOE

Genf – Sport ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern kurbelt auch die motorische Gedächtnisleistung an. Verantwortlich dafür sind körpereigene Botenstoffe. Der positive Effekt stellt sich vor allem dann ein, wenn sich die Sportler nahe an ihre Leistungsgrenze wagen, wie Forschende der Uni Genf im Fachmagazin Scientific Reports berichten.

Wer regelmäßig läuft, kennt das Hochgefühl, den "Runner's High". Verantwortlich für diesen euphorischen Zustand sind Endocannabinoide – körpereigene Botenstoffe, die ähnlich wie die Wirkstoffe der Hanfpflanze an die Cannabinoidrezeptoren im Körper andocken. Sie binden ebenfalls an Rezeptoren im Hippocampus, dem Teil des Gehirns, der hauptverantwortlich für die Gedächtnisverarbeitung ist, teilte die Universität Genf am Mittwoch mit.

Genfer Neurowissenschafter nahmen nun die Auswirkungen von Sport auf die Gedächtnisleistung unter die Lupe. Dafür baten sie 15 junge Männer, motorische Lernaufgaben durchzuführen: einmal nach 30 Minuten gemütlichem Radfahren, einmal nach 15 Minuten intensivem Treten und einmal nach einer Ruhephase.

Für die Übung zeigte ein Bildschirm vier nebeneinanderliegende Punkte. Jedes Mal, wenn sich einer der Punkte kurz in einen Stern verwandelte, mussten die Teilnehmer so schnell wie möglich die entsprechende Taste drücken. Zusätzlich beobachteten die Forschenden die Hirnaktivierung der Probanden mittels Kernspintomografie und nahmen ihnen Blut ab, um deren Endocannabinoid-Spiegel zu messen.

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Je schneller, desto aktiver der Hippocampus

Resultat: Je schneller die jungen Männer in die Pedale traten, desto aktiver war ihr Hippocampus sowie eine Hirnstruktur, die an motorischen Prozessen beteiligt ist. Der Botenstoff Endocannabinoid folgte derselben Kurve: Je höher der Spiegel nach der Anstrengung, desto aktiver das Gehirn.

In einer früheren Studie wies das Forschungsteam bereits einmal die positive Wirkung von Sport nach – allerdings für das assoziative Gedächtnis. Dieses Gedächtnis verbindet Einzelinformationen miteinander, die eigentlich unabhängig voneinander sind. Mäßige Sportintensität führte hier zu den besten Ergebnissen.

Die gute Nachricht: In beiden Studien verbesserte sich die Gedächtnisleistung nach dem Sport mehr als bei Untätigkeit. (APA/dpa)


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