Wintertourismus findet statt: Tiroler Skigebiete setzen auf MNS und Abstände

Um den Wintertourismus trotz Pandemie über die Bühne bringen und eine zweite Causa Ischgl vermeiden zu können, haben sich Skigebiete vorbeugend Hygiene- und Sicherheitskonzepte auferlegt. Damit wird teilweise noch über die Vorgaben der Behörden hinaus gegangen.

Ein "zweites Ischgl" soll mit Hygienekonzepten verhindert werden.
© JAKOB GRUBER

Pitztal, Ischgl, Kitzbühel – Um einer Verbreitung des Coronavirus entgegen zu wirken, setzen die Tiroler Skigebiete in der kommenden Wintersaison vor allem auf das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, der Vermeidung größerer Ansammlungen von Menschen, etwa in Wartebereichen, und das generelle Einhalten von Abständen. Der Pitztaler Gletscher etwa und auch der als Corona-Hotspot in die Negativschlagzeilen geratene Wintersportort Ischgl kündigten zudem an, heuer keine größeren Events durchzuführen.

Die Betreiber des Pitztaler Gletschers, wo der Skibetrieb bereits am Samstag wieder aufgenommen wurde, haben Richtlinien nach dem derzeitigen Wissensstand und den behördlichen Vorgaben ausgearbeitet. Gleichzeitig appellierte man aber auch an die Eigenverantwortung der Gäste. So werde von den Gästen beim Anstehen an der Liftkassa, beim Anstehen bei den Seilbahnanlagen, im Skibus, im Gletscherexpress, in den Godeln und im gesamten Restaurantbereich – außer am Sitzplatz – das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorausgesetzt. Multifunktionstücher und Einweg-Masken sind direkt bei den Liftkassen und in den Gastronomiebetrieben erhältlich.

📽️ Video | Wintertourismus in Corona-Zeiten: Après Ski nur mit fixen Sitzplätzen

Besucher sollen gelenkt werden, um Ansammlungen zu vermeiden

Durch ein Besucherlenk- und Leitsystem sollen in den Anstehbereichen eng zusammenstehende Personengruppen möglichst vermieden werden. Diverse Anlagen werden täglich mit Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert. Bei allen Seilbahnmitarbeitern soll täglich vor Arbeitsbeginn Fieber gemessen werden. Die Zugänge zu den Gastronomiebetrieben am Berg werden adaptiert. Den Apres-Ski-Schirm auf der Sonnenterrasse werde es in der bisherigen Form in diesem Winter nicht mehr geben. Großevents sowie sämtliche Indoor-Veranstaltungen wurden abgesagt.

Die Kitzbüheler Bergbahnen ließen drei Mitarbeiter zu Covid-19-Beauftragten ausbilden. Für einen Teil der Bahnen gelten in der heurigen Wintersaison vorverlegte Betriebszeiten, sie öffnen bereits früher.

Zudem sollen 1000 zusätzliche Parkplätze geschaffen und das Skibussystem während der Stoßzeiten verstärkt werden. Die einzuhaltenden Mindestabstände werden - dort wo es möglich ist - durch Bodenmarkierungen und Absperrungen gekennzeichnet. Die Gondeln werden regelmäßig gelüftet und nach einem speziellen Verfahren desinfiziert. In den Gondeln gilt natürlich auch die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht.

Ischgl will mit strengen Vorgaben vorangehen

In Ischgl will man "mit einem Bündel an Maßnahmen weit über die behördlichen Vorgaben hinausgehen", hieß es seitens der Verantwortlichen. Alle Mitarbeiter sollen noch vor Saisonstart getestet werden. Auch den Gästen wurde empfohlen bereits beim Check-In in den Hotels ein negatives Testergebnis, das nicht älter als 72 Stunden ist, vorzuweisen. Es bestehe für Gäste auch die Möglichkeit diese Testung freiwillig vor Ort durchführen zu lassen.

Darüber hinaus will man auch auf das von der Universität Innsbruck und dem Land Tirol entwickelte Abwassermonitoring setzen. Beim Kauf eines Skipasses erhalten die Gäste kostenlos einen Mund-Nasen-Schutz. Apres-Ski werde es in der bisherigen Form diesen Winter nicht mehr geben, waren sich die Verantwortlichen einig. Um große Menschenansammlungen zu vermeiden, wird es heuer zu Beginn der Saison auch kein Konzert geben. (TT.com, APA)

📽️ Video | Experte Oliver Fritz über den Wintertourismus

Wifo-Experte: Schwarze Schafe könnten für Skiregionen Desaster werden

Der besonders für Tirol, Vorarlberg und Salzburg so wichtige Winter- und Skitourismus wird wegen der gestiegenen Corona-Infektionszahlen heuer ganz anders sein als sonst. Hier wurden die Zügel jetzt angezogen. Wirte, Hoteliers, Hüttenbetreiber und Seilbahnen sind in großer Sorge. Sie alle brauchen klare Regeln, sagt Wifo-Experte Oliver Fritz. Denn die Angst sei groß, dass wieder Schwarze Schafe die allgemeinen Rahmen ausnutzen, das kann dann für einen Ort schlimm enden."

Es brauche dazu auch Kontrollen, was in Winterskigebieten nicht ganz so einfach sei, "weil da muss man dann jemand rauf auf den Berg schicken, in die Skihütten", sagte Fritz am Donnerstag. Ohne zumindest stichprobenartige Kontrollen werde es nicht gehen. Es müsse in vertrauensbildende Maßnahmen investiert werden, und in ein konkretes Procedere, was passiert, wenn jemand vor Ort krank wird. Ein "Ischgl II" muss verhindert werden. "Ich glaube, das sitzt schon in den Köpfen", meint der Tourismusexperte, zumal man noch mitten in der Pandemie sei.

Man wisse nicht wie sich die Infektionszahlen entwickeln, Prognosen und Szenarien für den Wintertourismus seien bisher praktisch unmöglich. Informelle Erwartungen, dass man den Einbruch im Wintertourismus auf weniger als 20 Prozent werde beschränken können, sieht Fritz ambitioniert. Selbst bei dieser Zahl würde man um drei, vier Jahre zurückfallen.

Der Wifo-Tourismusexperte fürchtet, dass es einige Tourismusbetriebe mit der jetzigen Saison nicht mehr schaffen werden. Ein oder eineinhalb Jahre Durststrecke seien eine verdammt lange Zeit. Das mache Hilfe durch den Staat nötig. Auch in Wien sei keine Besserung in Sicht, die für die Bundeshauptstadt so wichtigen Ferngäste blieben ebenso aus wie Italiener oder Spanier. Die neuen Reisewarnungen - etwa aus Deutschland - für Wien hätten auch Auswirkungen auf den Westen. Einige Länder haben zudem Tirol und Vorarlberg als Risikogebiete eingestuft.

Das Wifo geht aktuell davon aus, dass die Nächtigungen heuer im Gesamtjahr um 30 Prozent einbrechen. Die Wintersaison schlägt sich in den Statistiken für das Kalenderjahr nur für wenige Wochen nieder, da die Saison generell erst um Weihnachten richtig beginnt.


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