Google zahlt eine Milliarde Dollar für journalistische Inhalte

Bislang sahen die Newsangebote von Google so aus: kurze Textauszüge und kleine Vorschaubilder. Das ändert sich nun, es gibt ausführlichere Inhalte. Eine Reihe deutscher Verlage machen mit und bekommen Geld dafür. Die Kritik an Google ebbt aber nicht ab.

Googles Schritt gilt für viele in der Branche als Kehrtwende.
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Mountain View – Der US-Technologieriese Google will Verlagen weltweit in den nächsten drei Jahren mehr als eine Milliarde Dollar (854,12 Millionen Euro) für journalistische Inhalte zahlen. Das Projekt Google News Showcase starte ab sofort in Deutschland und Brasilien und solle künftig in andere Länder wie Argentinien, Australien, Großbritannien, Kanada, Belgien, die Niederlande und Indien ausgeweitet werden, teilte Google-Zentraleuropachef Philipp Justus am Donnerstag in einem Blogeintrag mit.

Google erwirbt bei dem Deal zum einen das Recht, bestimmte Inhalte anzuzeigen, die auf den Verlagsseiten frei zugänglich sind. Google kauft aber auch Artikel aus kostenpflichtigen Angeboten einzelner Verlage, um sie kostenlos anzubieten. "Leser erhalten so tiefere Einblicke und Hintergründe zu den jeweiligen Themen", betonte Justus. Die Verlage wiederum bekämen über News Showcase die Möglichkeit, eine engere Bindung zu ihrem Publikum aufzubauen.

Beteiligt sind auch 20 deutsche Medien wie die Magazine "Spiegel" und "Stern" und die Zeitungen "WAZ", "Zeit" und "Tagesspiegel".

"Geldausschüttung an Verlagshäuser nach Gutsherrenart"

Neben viel Zustimmung aus der Medienbranche gab es auch Kritik, unter anderem auch vom Medienkonzern Axel Springer (Bild, Welt), der keine Inhalte für das Google News Showcase lizenziert. "Axel Springer steht Kooperationen mit Facebook, Google und vergleichbaren Anbietern aufgeschlossen gegenüber", sagte ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Allerdings nur soweit dadurch die effektive Wahrnehmung von Leistungsschutzrechten nicht erschwert oder unmöglich wird. Insofern setzen wir uns weiterhin mit Nachdruck für eine wirkungsvolle Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie ein."

Kritik kam vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Der BDZV teilte mit, Google erkenne mit dem neuen Angebot grundsätzlich an, dass es für Presseinhalte zahlen müsse. "Es ist daher umso weniger nachvollziehbar, dass der Konzern sich gegen klare gesetzliche Regelungen zum Schutz von Presseinhalten wendet. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Google offenbar lieber ein eigenes Angebot lanciert, bei dem es die Teilnahmebedingungen diktieren kann, anstatt Recht und Gesetz in der EU anzuerkennen."

"Die Geldausschüttung an Verlagshäuser erfolgt bei Google nach Gutsherrenart", teilte der Verband weiter mit. Das habe "nichts mit unseren Vorstellungen von einem modernen Urheberrecht im 21. Jahrhundert zu tun".

Google hat Zahlungen bisher abgelehnt

Googles Schritt gilt für viele in der Branche als Kehrtwende. Denn der größte Suchmaschinenbetreiber liegt seit längerem im Clinch mit einigen Verlagen. Medienhäuser wie der Bild"-Herausgeber Axel Springer hatten sich in den vergangenen Jahren vor Gericht um einen finanziellen Gegenwert für die Veröffentlichung von Pressetexten im Internet durch Google gestritten. Google hat Zahlungen bisher abgelehnt und argumentiert, dass die Verlage letztlich dank Google durch höhere Nutzerzahlen auf ihren Seiten mehr Werbeerlöse erzielen.

Diese Verlage hatten zudem vor Gericht einen Rückschlag erlitten, weil das deutsche Leistungsschutzrecht gekippt wurde. Allerdings muss das neue europäische Urheber- und Leistungsschutzrecht in Deutschland bis Mitte 2021 in nationales Recht umgesetzt werden.

"Wir freuen uns, vom Start weg dabei zu sein"

"Mit News Showcase und der neuen Einbindung redaktioneller Inhalte wie vom Spiegel zeigt Google, dass es ihnen ernst ist mit der Unterstützung von Qualitätsjournalismus in Deutschland", sagte Stefan Ottlitz, Geschäftsführer des "Spiegel-Verlags". "Wir freuen uns, vom Start weg dabei zu sein."

Digital-Geschäftsführerin Carina Laudage von Gruner+Jahr Medien ("Stern") verspricht sich vom Projekt, "die Reichweite unserer digitalen Angebote weiter zu steigern und auch unsere Bezahlangebote bekannter zu machen". (APA, Reuters)


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