Herbstlicher Giro mit schwierigem Finale im Hochgebirge

Der Tiroler Patrick Gamper ist erstmals bei einer Grand-Tour am Start. Die dreiwöchige Radrundfahrt im Corona-gebeutelten Nachbarland wartet mit einem besonders bergigen 3500-km-Kurs von Süd nach Nord auf.

Die "Unendliche Trophäe" (Trofeo Senza Fine) bekommt der Sieger des Giro d'Italia.
© MARCO BERTORELLO

Palermo – Fünf Monate nach dem eigentlichen Termin fällt am Samstag in Sizilien der Startschuss zum 103. Giro d'Italia. Die dreiwöchige Radrundfahrt im Corona-gebeutelten Nachbarland wartet mit einem besonders bergigen 3500-km-Kurs von Süd nach Nord auf. Ein Störfaktor könnte neben der unsicheren Pandemie-Lage auch das Wetter im Gebirge werden, geht es doch in der besonders harten Schlusswoche mehrfach deutlich über 2000 Meter hinauf.

Mit vier Bergetappen, eine davon auf dem Ätna, hat es zwar schon die erste Woche in sich. Besonders spektakulär verspricht aber die finale Phase zu werden. Denn in der letzten Woche sind bis auf das Schlusszeitfahren und eine 198-km-Ausnahme alle Etappen über 200 km lang, und das auch noch fast durchwegs mit ständigem Auf und Ab. An drei dieser Tage sind mehr als 5000 Höhenmeter zu überwinden.

Als Höhepunkte dieser Härteschlacht – bei möglicherweise bereits winterlichen Bedingungen – stellen sich den Fahrern das Stilfser Joch (2750 Meter) sowie bei einem Abstecher nach Frankreich der Colle dell'Agnello (2740 Meter) in den Weg. Zwei der entscheidenden Hochgebirgsetappen enden in den Ende Oktober vielleicht ebenfalls schon längst verschneiten Wintersportorten Madonna di Campiglio (17. Etappe) und Sestriere (20.). Im Falle winterlicher Bedingungen stünden Ersatzetappen parat.

Tiroler Gamper erstmals bei einer Grand-Tour am Start

Ungeachtet der besonderen Umstände inklusive strengem Corona-Protokoll und reduzierter Zuschauerzulassung wollen es Patrick Konrad und Hermann Pernsteiner möglichst lange mit den Stars um Geraint Thomas (Ineos) und Vincenzo Nibali (Trek) aufnehmen. Konrad gelang vor zwei Jahren als Siebenter bereits ein Giro-Spitzenplatz, Pernsteiner war im Vorjahr bei der Vuelta als schlussendlich 15. lange auf Top-Ten-Kurs.

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Konrad ist im Bora-Team mit dem Polen Rafal Majka Co-Kapitän, als Helfer des Duos ist der Tiroler Patrick Gamper erstmals bei einer Grand-Tour am Start. Konrad will nach der "sehr turbulenten Saison" samt langem Lockdown ("Da bin ich in sehr guter Form daheim gesessen") bei seinem erklärten Höhepunkt wieder vorne mitmischen.

"Ich habe mich so gut wie möglich vorbereitet und gehe da motiviert rein. Ich kann mein Ding machen, das Standing im Team habe ich. Ich freue mich auf den Giro und gebe 100 Prozent", meinte der Niederösterreicher, der als Feinschliff ein Höhentrainingslager und am Mittwoch den Fleche Wallonne als starker Siebenter absolviert hat.

Ob ein neuerlicher Top-Ten-Platz machbar ist, werde sich zeigen, unmöglich sei es jedenfalls nicht, so der 28-Jährige. Sollte er in der Gesamtwertung frühzeitig keine Rolle mehr spielen, werde er als Plan B auf einen Etappensieg losgehen. Eine miteinscheidende Rolle könne vor allem in der Schlusswoche in den Alpen das Wetter spielen. "Es wird schon sehr wechselhaft sein. Ich stelle mich schon darauf ein, dass wir einige Tage im Regen fahren werden."

Italienischer Hoffnungsträger im Kampf um Rosa Trikot

Für Pernsteiner ist die Oktober-Ausgabe seine Giro-Premiere. "Das ist sicher etwas ungewöhnlich, aber die Vorbereitung war gut. Die Vorfreude ist riesig", betonte der starke Kletterer aus der Buckligen Welt, der sich auf harte drei Wochen einstellt. "Es wird ein brutal schwieriger Giro werden."

Der vierte Österreicher im Bunde ist Matthias Brändle (Team Israel). Der Vorarlberger hat es vor allem auf die Zeitfahren zum Auftakt in Palermo (15 km), auf der 14. Etappe (34) und am Schlusstag in Mailand (16) abgesehen. Topfavorit im Kampf gegen die Uhr ist Italiens frisch gebackener Weltmeister Filippo Ganna (Ineos).

Im Kampf um das Rosa Trikot soll es für die Azzurri einmal mehr der Vorjahreszweite Nibali richten. Der Sizilianer sorgte 2016 für den bis dato letzten Heimsieg. Seither hießen die Gewinner Tom Dumoulin, Chris Froome und Richard Carapaz, die diesmal allesamt fehlen. Wegen des corona-bedingt dicht gedrängten Kalenders mit etlichen ebenfalls noch im Oktober zu fahrenden Eintagesklassikern und der vor dem Giro-Ende beginnenden Vuelta ist die Stardichte diesmal nicht so hoch wie sonst.

Die härtesten Rivalen von Nibali sollten Ex-Tour-Sieger Thomas (Ineos), der unlängst bei Tirreno-Adriatico erfolgreiche Simon Yates (Mitchelton) und Jakob Fuglsang (Astana) sein. Außerdem wird mit dem einen oder anderen Außenseiter zu rechnen sein, möglicherweise ist auch der vor der Tour verletzt ausgefallenen Steven Kruijswijk (Jumbo) bereits wieder siegfähig. (APA)

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