„Maulkorb" für Gesellschafter: Wieder Aufregung um Swarovski

Der Streit um die geplante Strukturreform bei Swarovski ist um eine Facette reicher: Nun sorgt eine neue Kommunikationsrichtlinie für Zündstoff unter den Gesellschaftern.

Der Streit im Kristallkonzern Swarovski geht weiter.
© Thomas Böhm

Von Alois Vahrner

Wattens – Seit Wochen kommt Tirols größter Indus­triekonzern mit der Aufregung um den massiven Abbau von Arbeitskräften (ab nächster Woche werden Teams über das Aus von weiteren 1000 Jobs vorinformiert), die von der Geschäftsführung dementierte Verlagerung der Zen­trale in die Schweiz und den Krach innerhalb der Familie kaum aus den Schlagzeilen.

Jetzt sorgt eine neue „Kommunikationsrichtlinie“ für alle Gesellschafter, Mitglieder des Beirats und Verwaltungsrats, Mitglieder der Geschäftsführung sowie Berater der Gruppe für Aufregung. Demnach sei jede Kommunikation nach außen zuvor mit dem so genannten Clearing Comittee (in diesem sitzen Robert Buchbauer, Mathias Margreiter und Stefan Golder) „nachweislich abzustimmen“ – und das bis zur Umsetzung der Strukturreform „voraussichtlich bis 31. Dezember“. Unter anderem sollen Informationen über die geplante Strukturreform oder aktuelle oder vergangene Geschäftsaktivitäten nur noch mit dem Okay des Vorstandes an die Öffentlichkeit gelangen dürfen.

Dies sorgt laut TT-Informationen bei einigen Gesellschaftern für großen Unmut. Von einem „unfundierten Maulkorb-Trick“, von „Einschüchterungsversuch“, „Täuschungsmanöver“ und „unzulässig beschnittenen Gesellschafter-Rechten“ ist da unter anderem die Rede.

„Gesellschafter-Willen nicht zur Kenntnis genommen"

In einem Brief an die Mitgesellschafter kritisieren acht Familienmitglieder zudem die Unternehmensspitze, dass der bei der Gesellschafter-Versammlung am 4. September dokumentierte Gesellschafter-Wille, und zwar „die endgültige Ablehnung der vorgeschlagenen Strukturreform“, nicht zur Kenntnis genommen werde.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die Gruppe spricht sich neuerlich dagegen aus, dass in Wattens weiterhin massiv Mitarbeiter, Ressourcen und Know-how sowie Maschinen abgebaut werden. „Die eilige gezielte Aushöhlung von Wattens, mit der Ausrede der Corona-Krise, muss umgehend eingestellt werden“, heißt es in dem Schreiben. Dazu werden gleich 15 Kritik-Punkte am momentanen Kurs angeführt. U. a. wird auch die Bestellung von Robert Buchbauer zum CEO als „ungültig“ erklärt, alles laufe „auf eine interne feindliche Schweizer Übernahme“ hinaus.

Swarovski-Chef: „Wattens bleibt Herz und Hirn von Swarovski"

Die Unternehmensführung rund um Buchbauer weist in einer Stellungnahme gegenüber der TT sämtliche Vorwürfe zurück. Es sei in der schwierigen Lage „essenziell, dass alle Mitarbeiter und Gesellschafter im Interesse des Unternehmens agieren“. Wattens bleibe Herz und Hirn des Konzerns, auch mit dem „globalen Kompetenz- und Entscheidungszentrum für Produktion und Innovation“. Mit über 80 % Zustimmung stehe die große Mehrheit der Gesellschafter vollumfänglich hinter dem Umbau der Strukturen. „Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst, werden kommende Woche die nächsten Schritte gehen und auch dazu ehrlich und faktenbasiert informieren.“


Kommentieren


Schlagworte