Deutschland hob Reisewarnung für Jungholz und Kleinwalsertal auf

Sowohl Jungholz im Außerfern als auch das Kleinwalsertal in Vorarlberg sind vonseiten des österreichischen Bundesgebiets aus nur über eine Fahrt durch Bayern erreichbar. Dementsprechend waren sie von der deutschen Reisewarnung besonders betroffen. Nun wurden die Enklaven von der Liste der Risikogebiete gestrichen.

Wer nach Jungholz im Bezirk Reutte will, muss über Bayern fahren.
© TVB Tannheimer Tal/Meurer Achim

Jungholz, Hirschegg – Deutschland hat die Einstufung der beiden Enklaven Jungholz im Bezirk Reutte und das Kleinwalsertal in Vorarlberg als Risikogebiet am Freitagnachmittag aufgehoben. Das geht aus der aktualisierten Liste der Risikogebiete hervor, die das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) führt. Die Enklaven, die nur von Bayern aus erreichbar sind, meldeten in den vergangenen Tagen keine einzige neue Corona-Infektion. Eine Online-Petition mit mehr als 10.500 Unterstützern hatte Ausnahmeregeln gefordert.

Unterdessen bleiben Wien und die Bundesländer Tirol und Vorarlberg weiterhin auf der am Freitag aktualisierten Liste der Corona-Risikogebiete der deutschen Regierung.

„Wichtige Erleichterung“

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) und Staatssekretär Magnus Brunner (ÖVP) zeigten sich erfreut, der Schritt bedeute eine „wichtige Erleichterung“. Nehammer habe die Erleichterungen in Telefonaten mit dem deutschen Innenminister Horst Seehofer und dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann vereinbart, hieß es am Freitag gegenüber der APA. Staatssekretär Brunner sei mit den deutschen Partnern im Kleinwalserstal vor Ort in Kontakt gewesen, so ein Statement aus seinem Büro

„Die Enklaven Kleinwalsertal und Jungholz und haben bereits in der ersten Phase des Lockdowns mit großen Einschränkungen kämpfen müssen – weit mehr als in anderen Bereichen des Landes“, so Nehammer in einem schriftlichen Statement. Brunner ergänzte: „Die Aufhebung der Einstufung als Risikogebiet ist eine große Erleichterung für knapp 5.400 Menschen in den Enklaven Kleinwalsertal und Jungholz.“

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Erst seit 1. Oktober war für die Kleinwalsertaler Bevölkerung die Einreise nach Bayern zur Versorgung mit Lebensmitteln sowie Waren und Dienstleistungen wieder erlaubt. Der Besuch von Gaststätten oder für Freizeitaktivitäten blieb aber weiter verboten. Brunner: „Unser Ziel ist es weiterhin, Vorarlberg und Tirol von der Liste der Risikogebiete zu bringen, um den Wintertourismus nicht weiter zu gefährden und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern.“

Erfreut zeigten sich auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner und Sicherheitslandesrat Christian Gantner (beide ÖVP). Man sei in permanentem Austausch mit Wien und Bayern gestanden, um sich aufgrund der besonderen Situation für das Kleinwalsertal einzusetzen, sagten sie. Mit der Aufhebung der Einstufung als Risikogebiet sei dem dringenden Wunsch Vorarlbergs entsprochen worden.

Einstufung als Risikogebiet

Die Einstufung als Risikogebiet erfolgt nach gemeinsamer Analyse und Entscheidung durch das deutsche Gesundheitsministerium, das Auswärtige Amt und das Innenministerium.

Die Einstufung als Risikogebiet basiert auf einer zweistufigen Bewertung, teilt das RKI auf seiner Website mit. Zunächst werde festgestellt, in welchen Staaten oder Regionen es in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gab. In einem zweiten Schritt werde nach qualitativen Kriterien beurteilt, ob für Gebiete, die den genannten Grenzwert nominell unterschreiten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliege.

Bewertet werden aber auch Kriterien wie Anzahl der Tests pro Einwohner, Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und ob der Ausbruch lokal begrenzt oder flächendeckend ist.

Die Ausweisung zum Risikogebiet und die in aller Regel darauf folgenden Reisewarnungen bedeuten zwar kein Reiseverbot, sollen aber eine möglichst große abschreckende Wirkung auf Touristen haben. Deutsche Urlauber können eine bereits gebuchte Reise stornieren, wenn das Ziel zum Risikogebiet erklärt wird. Rückkehrer aus den Risikogebieten müssen sich testen lassen und in Quarantäne begeben, bis das Ergebnis da ist. (APA, TT.com)


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