Unwetter in Norditalien und Frankreich: Vermisste Urlauber in Sicherheit

Heftige Unwetter haben am Freitag in Südfrankreich und Norditalien für Überschwemmungen und Chaos gesorgt. Sechs vermisste deutsche Urlauber wurden in Sicherheit gebracht. Die Bahnlinie Bozen-Meran wurde wegen Überschwemmungsgefahr unterbrochen.

In Frankreich werden nach den Regenstürzmen zehn Menschen vermisst, in Italien einer.
© AFP/Hache

Rom – Starkregen und Überschwemmungen haben am Samstag Norditalien heimgesucht. Zwei Todesopfer, mehrere Vermisste und Schäden in Millionenhöhe wurden in den schwer betroffenen nordwestlichen Regionen Piemont, Ligurien und Aostatal gemeldet.

Vermisste deutsche Urlauber in Sicherheit

Sechs deutsche Touristen, die im piemontesischen Tal Valle Gesso vermisst waren, sind in Sicherheit gebracht worden. Dies berichtete die lokale Alpinrettung. Die Urlauber wurden in guter Verfassung in einer Berghütte lokalisiert, wegen der schlechten Wetterlage konnten sie nicht absteigen. Die fünf Männer und eine Frau wurden mithilfe von Rettungseinheiten sicher ins Tal gebracht.

Damit sank die Zahl der Vermissten in Norditalien auf zwei. Zuvor war bereits mitgeteilt worden, dass zwei Menschen in Italien infolge der Unwetter ums Leben gekommen waren.

Bahnlinie Bozen-Meran unterbrochen

Weil der Fluss Etsch über die Ufer zu treten drohte, wurde die Bahnlinie Bozen-Meran wegen Überschwemmungsgefahr unterbrochen. Es wurde ein Schienenersatzdienst mit Bussen eingerichtet. Auch die Schnellstraße Meran-Bozen wurde gesperrt.

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📽 Video | Hochwassergefahr in und um Meran

Zugang zu Flüssen gesperrt

Nach heftigen Niederschlägen trat der Fluss Borsa in der ligurischen Hafenstadt La Spezia über die Ufer und verursachte Überschwemmungen. Tonnen von Holz wurden vom Wasser weggerissen und gerieten ins Meer, was im Hafen von Genua zu erheblichen Problemen führte.

Die Schlechtwetterfront zog in Richtung Venetien und in den Süden. In der Dolomiten-Stadt Belluno verbot der Bürgermeister per Erlass, dass sich Menschen Flüssen nähern. Die Zugänge zum Fluss Piave wurden gesperrt. Den Bürgern wurde geraten, an diesem Wochenende keine Ausflüge zu unternehmen.

Heftige Gewitter tobten in Frankreich und Italien.
© AFP/Venance

Venedig ist an diesem Wochenende erstmals seit Beginn des Herbstes mit Hochwasser konfrontiert. Am Samstag wurde zum ersten Mal die Hochwasserschutzanlage MOSE aufgestellt, die im Juli erfolgreich getestet worden war. Die Aufstellung verlief reibungslos, berichteten die städtischen Behörden. Der Markusplatz blieb trocken. "Das Barriere-System funktioniert und die Lage ist unter Kontrolle. Das ist eine gute Nachricht für Venedig", sagte der Präfekt der Lagunenstadt, Vittorio Zappalorto.

Der italienische Präsident Sergio Mattarella erklärte sich wegen der Lage in Norditalien besorgt. Premier Giuseppe Conte betonte, die Regierung verfolge die Entwicklung der Lage mit größter Aufmerksamkeit. Piemont und Ligurien werden im Herbst immer wieder von schweren Unwettern und Überschwemmungen heimgesucht.

Dammsystem MOSE erstmals gegen Hochwasser in Venedig eingesetzt

In Venedig ist am Samstag die neue Hochwasserschutzanlage MOSE erstmals gegen Hochwasser hochgefahren worden. Die Barrieren der Schleusen an den drei Öffnungen der Lagune wurden mit Erfolg in Betrieb genommen, berichteten die venezianischen Behörden. Der Wasserverkehr in der Lagune kam zum Erliegen, während es heftig regnete und starker Schirokko-Wind wehte. Das Hochwasser erreichte einen Pegel von 125 Zentimeter.

Die neu gebaute Anlage war in den vergangenen Monaten mehrmals getestet worden. Sie soll schlimme Hochwasser in der Lagunenstadt verhindern. Venedig wird vor allem in den Herbst- und Wintermonaten immer wieder überflutet.

Vergangenes Jahr im November hatte eine Rekordflut verheerende Schäden angerichtet und den Tourismus zum Erliegen gebracht. Danach hatten Politiker versprochen, dass das MOSE nun wirklich schnell fertig werde. Bürokratie, Korruptionsskandale und unterschiedliche politische und wirtschaftliche Interessen hatten das Milliarden-Projekt in den vergangenen Jahren immer wieder verzögert.

Schwere Überschwemmungen an der Cote d'Azur

Nach schweren Überschwemmungen an der französischen Cote d'Azur suchen Rettungskräfte nach zehn Vermissten. Darunter seien zwei Feuerwehrleute, deren Fahrzeug während eines Einsatzes am späten Freitagabend von den Fluten mitgerissen wurde, sagte ein Feuerwehrsprecher.

📽️ Video | Heftige Unwetter und Überschwemmungen in Frankreich

In einem Dorf rund 50 Kilometer nördlich von Nizza wurden zwei Bewohner vermisst, die sich vor dem steigenden Hochwasser auf das Dach ihres Hauses geflüchtet hatten – das Haus stürzte nach Behördenangaben ein und die zwei Menschen verschwanden in den Fluten.

Dutzende Menschen wurden nach Feuerwehrangaben vor den Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. Ein Vertreter der Präfektur Alpes-Maritimes sprach von einer "noch nie dagewesenen Lage", große Gebiete seien von Überschwemmungen betroffen und mehrere Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten.

An der französischen Riviera tobte ein heftiger Sturm.
© AFP/Hache

In dem Dorf Saint-Martin-Vesubie stürzte eine Brücke ein. Ein Parlamentsabgeordneter berichtete, die Tankstelle des Ortes sei von den Fluten mitgerissen und mehrere Häuser stark beschädigt worden.

Ausgelöst wurden die Überschwemmungen durch schwere Regenfälle in der Region um Nizza, die auch in der Nacht zum Samstag anhalten sollten. Für Nizza wurden gefährliche Flutwellen vorhergesagt. Der Fluss Var trat über die Ufer. Der Flugverkehr nach Nizza wurde eingestellt, sämtliche Bahnhöfe in der Region geschlossen. (APA)


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