Acht Todesopfer und zwei Vermisste nach schweren Unwettern in Norditalien

Dauerregen, Flutwellen, Schlammlawinen: In Nordtitalien und Südfrankreich kämpfen Menschen gegen die Folgen einer Wetterkatastrophe. Es gibt Tote und riesigen Sachschaden.

Im Piemont wurde ein Haus von den Wassermassen mitgerissen.
© AFP/Stringer
Schwere Schäden in Limone Piemonte.
© AFP/ANSA/Stringer

Venedig, Nizza – Die Opferzahl der schweren Unwetter in Norditalien ist weiter angestiegen. Acht Tote wurden seit Beginn der heftigen Niederschläge am Samstag gemeldet. Sechs Leichen wurden am Sonntag in der norditalienischen Küstenregion Ligurien geborgen.

Zwei Leichen wurden in der ligurischen Stadt Ventimiglia unweit der französischen Grenze entdeckt, zwei weitere lagen auf dem Strand bei Sanremo. Eine fünfte Leiche wurde im Meer vor der Badeortschaft Santo Stefano al Mare in der ligurischen Provinz Imperia lokalisiert. Ein weiteres Opfer ist ein französischer Viehzüchter italienischer Herkunft, der seit Samstag vermisst war. Seine Leiche wurde im Fluss Roya in Ligurien entdeckt.

Am Samstag war ein 53-jähriger freiwilliger Feuerwehrmann aus der Gemeinde Arnad im Aostatal bei einer Rettungsaktion von einen umgestürzten Baum getötet worden. Weiters kam ein 36-jähriger Mann aus Borgosesia in der Region Piemont ums Leben, der mit seinem Fahrzeug auf einer eingestürzten Straßenstrecke unterwegs gewesen war. Vermisst wird noch ein Jäger in der lombardischen Provinz Pavia.

Schäden in Millionenhöhe

Die Regionen Piemont und Ligurien beklagten Schäden in Millionenhöhe. Mehrere Brücken stürzten wegen der reißenden Flüsse ein. Besonders betroffen war die renommierte Bergortschaft Limone Piemonte. Der Präsident des Piemonts, Alberto Cirio, beklagte in einigen Gemeinden seiner Region schwere Schäden, die gravierender als jene der Unwetterkatastrophe im Herbst 1994 seien. Damals waren 70 Personen ums Leben gekommen, 2226 Menschen mussten evakuiert werden. In mehreren Teilen des Piemonts wurden Straßen unterbrochen, der Bahnverkehr kam zum Erliegen.

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Straßen gingen in Schlamm unter, wie hier in Ventimiglia.
© FEDERICO SCOPPA

In 24 Stunden stieg der Pegel des Flusses Po, dem längsten Fluss in Italien, um drei Meter. Einziger Trost in dieser schwierigen Lage ist der erfolgreiche Einsatz des Dammsystems MOSE in Venedig. Am Samstag wurde zum ersten Mal die Hochwasserschutzanlage MOSE betätigt, die im Juli erfolgreich getestet worden war. Die Aufstellung verlief reibungslos, berichteten die städtischen Behörden. Der Markusplatz blieb trocken. "Das Barriere-System funktioniert und die Lage ist unter Kontrolle. Das ist eine gute Nachricht für Venedig", sagte der Präfekt der Lagunenstadt, Vittorio Zappalorto.

Gebäude wurden zerstört und Brücken rissen in Frankreich (hier in Roquebilliere) ein.
© NICOLAS TUCAT

Vermisste in Frankreich

Auch in Südfrankreich gingen verheerende Unwetter nieder. Im Hinterland der Riviera-Metropole Nizza, wo Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten waren, wurden Bewohner mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. Zur Hilfe werde auch die Armee eingesetzt, kündigte der französische Regierungschef Jean Castex am Samstagabend an.

Im französischen Département Alpes-Maritimes an der Grenze zu Italien wurden mindestens acht Menschen vermisst, von zahlreichen anderen fehle eine Nachricht, resümierte Castex. Es gebe „große Sorge über die endgültige Bilanz“.

Starke Regenfälle hatten die Region am Mittelmeer am Freitag getroffen und fatale Überschwemmungen ausgelöst. Häuser und Brücken wurden weggerissen, lange Straßenstücke verschwanden in den Wassermassen. Die Wetterlage beruhigte sich zuletzt wieder.

Südfrankreich wird seit Jahren von schweren Unwettern getroffen, die Folgen waren schwer. Im Herbst vergangenen Jahres kamen 14 Menschen ums Leben. Die dicht bebaute Côte d‘Azur wurde genau vor fünf Jahren von schweren Unwettern getroffen, 20 Menschen starben damals. (APA/dpa/TT.com)


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