Ex-Minister Grasser: "Bei mir ist quasi der Panzer drübergefahren"

Grasser spricht auch davon, einen Stimmungswandel bemerkt zu haben. Viele würden jetzt sagen, wenn es nach elf Jahren keine Beweise gibt, war es doch politische Rache.

Karl Heinz Grasser und Walter Meischberger.
© HANS PUNZ

Wien, Linz – Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zeigt sich in der Schlussphase des Korruptionsprozesses rund um die Buwog und den Linzer Terminal Tower mit der Prozessführung durch den Schöffensenat zufrieden. "Das Schöffengericht hat ein langes und gründliches Verfahren ermöglicht. Die Vorsitzende Marion Hohenecker hat viele Dinge zum Vorschein gebracht, die die Staatsanwaltschaft nicht wissen wollte", sagte er im Kurier-Interview.

Einmal mehr beklagt Grasser die lange Verfahrensdauer. "Wir sind im zwölften Jahr eines Martyriums", so Grasser. Er wirft der Staatsanwaltschaft vor, "einen Kriminalroman geschrieben zu haben". "Bei mir ist quasi der Panzer drübergefahren. Aber ich habe einen deutlichen Stimmungswandel bemerkt. Am Anfang gab es eine enorme Vorverurteilung, und es war viel Hass da. Viele haben gesagt, der Grasser ist schuldig. Jetzt, nach elf Jahren, sagen viele: Wenn es nach so vielen Jahren keine Beweise, keine Belege, keine Zeugen gibt, dann war es wahrscheinlich politische Rache", so der Finanzminister der ÖVP/FPÖ-Regierung unter dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).

"Habe Hoffnung auf ein objektives und faires Urteil"

Vom Kurier (Sonntag-Ausgabe) nach seinen Erwartungen an die Zeit nach dem Urteil im Wiener Straflandesgericht, das noch im Oktober fallen könnte, befragt, hält Grasser fest: "Wenn ich mir das Verfahren ansehe, dann habe ich die Hoffnung auf ein objektives und faires Urteil. Mein Wissen, dass ich unschuldig bin, paart sich mit der Hoffnung auf Gerechtigkeit."

Zu seinen bisherigen Verfahrenskosten von kolportierten 2,5 Mio. Euro meinte Grasser, er habe alles verkauft, was er hatte: "Die Wohnung in Wien, die Seeliegenschaft am Wörthersee. Ich musste alles, was ich mir aufgebaut hatte, liquidieren, um diese Kosten für Anwälte, Gutachten, Steuerberater und auch meine Lebensführung bezahlen zu können."

Der Strafprozess gegen Grasser, seinen Trauzeugen Walter Meischberger, den Lobbyisten Peter Hochegger und andere startete im Dezember 2017. Ihnen wird vorgeworfen, mittels eines "Tatplanes" bei der Privatisierung der Bundeswohnungen und der Einmietung der Finanzbehörden in den Linzer Terminal Tower illegal mitkassiert zu haben. Grasser und Meischberger beteuern ihre Unschuld, Hochegger hat ein Teilgeständnis abgelegt. Ein Angeklagter ist bereits verstorben. Nach bisher 162 Verhandlungstagen sind vorerst nur mehr bis zum 15. Oktober Termine anberaumt. Ob dann ein Urteil fällt ist aber noch offen. (APA)


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