Gut zu wissen: Ist der Mund-Nasen-Schutz für Kinder gefährlich?

Ein Mädchen soll durch das Tragen einer Alltagsmaske gestorben sein. Diese Behauptung wird im Internet geteilt. Ist der Mund-Nasen-Schutz für Kinder gefährlich? Wir klären auf:

Ein Mund-Nasen-Schutz stellt für Kinder kein Risiko dar.
© GENT SHKULLAKU

In Corona-Zeiten ist der Mund-Nasen-Schutz für viele Schulkinder ein treuer Begleiter. Die Maskenpflicht gefährde aber die Kinder, heißt es vielfach in sozialen Netzwerken. Aber stimmt das? Hier ein Faktencheck:

🗯️ BEHAUPTUNG:

Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes stellt eine Gefahr für das Wohl des Kindes dar und kann sogar zum Tod führen.

❌ BEWERTUNG:

Das ist falsch. Wenn es sich um eine luftdurchlässige Community-Maske handelt, besteht für das Kind keine Gefahr.

❗ FAKTEN:

„Unmöglich“ sei es, dass ein Kind durch das Tragen Mund-Nasen-Schutzes ums Leben kommen könne, sagt der Berliner Mediziner und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Auch kleine Kinder könnten einen Mund-Nasen-Schutz tragen. „Das ist gar kein Problem“, erklärt der Experte.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

❔ Was würde passieren, wenn ein Kind tatsächlich zu wenig Sauerstoff einatmet?

Angenommen, ein Kind würde tatsächlich nicht genügend Sauerstoff oder zu viel CO2 einatmen, dann würde es müde werden und sich abgeschlagen fühlen, so der Mediziner. In diesem Fall würde das Kind den Mund-Nasen-Schutz von allein abnehmen. „Davon stirbt man aber auf gar keinen Fall“, erklärt der Experte, denn: „Das CO2 ist ein Gas und bleibt im Stoff nicht hängen.“

Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft, veranschaulicht das: „Wenn Luft durch die Maske geht, gehen auch Sauerstoff und CO2 durch.“ Auch er schließt aus, dass ein gesundes Kind durch die Verwendung einer Alltagsmaske stirbt.

❔ Aber warum atmet man mit Maske schlechter?

Der Mund-Nasen-Schutz stellt allgemein – unabhängig von Sauerstoff und CO2 – einen Widerstand für die Atmung dar. Dadurch erhöhe sich die Atemanstrengung und das Gehirn könne eine Luftnot melden, erklärt Dellweg. Deshalb rät er zu einer „sehr gut durchatembaren“ Maske für Kinder. Im Gegensatz zum medizinischen Mund-Nasen-Schutz gibt es bei den sogenannten Community-Masken dafür keine Norm.

Allgemein gilt für Kinder, die noch nicht das Grundschulalter erreicht haben, eine „Kann-Empfehlung“ für Mund-Nasen-Schutz, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Säuglinge sollten der Empfehlung zufolge keine Maske tragen.

🩺 Ausnahme: Kinder mit Erkrankung der Herz- und Lungenfunktion

Bei Kindern, die aufgrund einer Erkrankung in ihrer Herz- oder Lungenfunktion eingeschränkt sind, soll das Risiko des Mund-Nasen-Schutzes individuell mit dem Arzt abgeklärt werden. Ein Beispiel: Asthmakranke Kinder können bei einem Anfall in Atemnot geraten. In so einem Fall verschlechtert der Mund-Nasen-Schutz nach Worten von Dominic Dellweg die Situation.

⚠️ Achtung Internetmärchen

Die Diskussion um die Gefahr des Kindeswohles durch Tragen von Mund-Nasen-Schutz wurde durch mehrere Falschmeldungen in sozialen Netzwerken entfacht. In einem Beitrag wird etwa behauptet, dass ein sechsjähriges Mädchen bei Schweinfurt durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes erst bewusstlos wurde und dann starb. Die Polizei in Unterfranken nahm dazu bereits Stellung: „Das sind Internetmärchen, die seit Dienstag auf verschiedenen Social-Media-Kanälen in der Region verbreitet werden“, erläuterte eine Sprecherin.

Auch von dem angeblich maskenbedingten Tod zweier Kinder in Ostfriesland und in Wiesbaden ist in sozialen Netzwerken die Rede. Die zuständigen Staatsanwaltschaften in Wiesbaden und Aurich (Ostfriesland) teilten allerdings der dpa mit, dass ihnen keine solchen Fälle bekannt seien. (dpa, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte