Fall Maria Baumer: Urteil im Mordprozess in Bayern erwartet

Die Regensburger Richter sahen es als erwiesen an, dass der inzwischen 36-Jährige die Frau im Mai 2012 mit Medikamenten vergiftet und ihre Leiche anschließend im Wald vergraben hat.

(Symbolfoto)
© APA/dpa/Armin Weigel

Regensburg – Der Angeklagte im Fall Maria Baumer ist vor dem Landgericht Regensburg in Bayern wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 36-Jährige seine Verlobte im Mai 2012 mit Medikamenten vergiftet und ihre Leiche anschließend im Wald vergraben hat. Die Schwurgerichtskammer stellte am Dienstag zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Die Verteidiger des Deutschen hatten auf Freispruch plädiert. Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos auf.

Vorsitzender Richter Michael Hammer sagte, die Todesursache der Frau habe sich nicht mehr feststellen lassen, sie lasse sich aber plausibel erklären. "Maria Baumer hat die Medikamente nicht selbst genommen." Es sei auszuschließen, dass sie ihr von Dritten beigefügt worden seien. "Es kommt nur der Angeklagte in Betracht." Dieser habe über seine Arbeitsstelle Zugang zu den Medikamenten gehabt.

Angeklagter gestand, Leiche vergraben zu haben

Der Anklage nach tötete der 36 Jahre alte deutsche Krankenpfleger seine Verlobte, um für eine neue Beziehung mit einer Patientin frei zu sein – ohne dafür die Verlobung auflösen zu müssen. Die Hochzeitseinladungen waren bereits verschickt. Zudem habe der Mann mit dem Verschwinden seiner Verlobten seinen Studienabbruch rechtfertigen wollen. Dass er zahlreiche Prüfungen nicht bestanden hatte, hatte er seinem Umfeld gegenüber verheimlicht.

Der Angeklagte gab gegen Ende des Prozesses zu, die Leiche beseitigt zu haben. Die Tötung der Frau stritt er ab. Sie habe die Medikamente vermutlich selbst eingenommen. Weil er die Tabletten aber von seiner Arbeitsstelle illegalerweise mitgenommen habe, habe er um seinen Job gefürchtet und deshalb die Leiche verschwinden lassen und seine Verlobte als vermisst gemeldet, ließ er seinen Anwalt ausrichten. Das sei eine Kurzschlussreaktion gewesen. Später habe es für ihn aus dieser Lüge kein Zurück mehr gegeben.

Im Laufe der Hauptverhandlung war deutlich geworden, dass der Angeklagte an der Leichengrube im Wald gewesen sein musste – unter anderem waren sein Spaten und Haare dort gefunden worden. Aus Sicht der Verteidigung ist das aber kein Beweis dafür, dass er die Frau auch getötet hat.

Nach "perfektem Mord" gegoogelt

Die Anklagebehörde dagegen sieht das als erwiesen an. Sie hatte akribisch den Computer und Telefonverbindungen ausgewertet. Demnach googelte der Mann vor dem Verschwinden seiner Verlobten unter anderem „der perfekte Mord“ und schrieb just an dem Tag, an dem er die Leiche vergrub, zahlreiche Nachrichten an die junge Patientin, in die er sich verliebt haben soll. Von Verzweiflung über den Tod seiner Verlobten sei da nichts zu erkennen, so die Staatsanwaltschaft.

Der Fall Maria Baumer war vor acht Jahren auch in der TV-Sendung „Aktenzeichen xy ... ungelöst“ Thema – damals galt er noch als Vermisstenfall. Der heute Angeklagte trat bei Moderator Rudi Cerne auf und bat um Hinweise auf den Aufenthaltsort seiner Verlobten – die er selbst bereits im Wald vergraben hatte.

Baumer war kurz vor ihrem Verschwinden zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern (KLJB) gewählt worden. Ihre Eltern und Geschwister treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. (dpa)


Kommentieren


Schlagworte