Scharfe Kritik von AK und ÖGB an „Brutalo“-Abbau bei Swarovski

Die AK und der ÖGB sind über die „skandalösen Kündigungsmethoden“ empört. Auch ein anonymes Papier über 500 Mio. Euro teure Flops sorgt für Aufregung.

Am Swarovski-Standort in Wattens werden derzeit 1000 Arbeitsplätze abgebaut.
© TT/Thomas Böhm

Wattens – Seit Montag werden die Beschäftigten des Kristallkonzerns in Wattens darüber informiert, wer zu den 1000 Betroffenen zählt, deren Stelle gestrichen wird. Via Groß-Bildschirmen wurden die Namen derjenigen, die bleiben können, in einem grünen Feld angeführt, und jene, die gehen müssen, in einem roten. „Ich habe selten etwas derartig Niveauloses gesehen“, übt AK-Präsident Erwin Zangerl heftige Kritik. Swarovski sei früher ein soziales Aushängeschild gewesen, nun zeige die Führung gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz ihr wahres Gesicht. Die Beschäftigten seien offenbar nur noch Teil eines Organigramms, so Zangerl.

„Kündigungen als Event ist eine Schande und denunzierend“, zeigt sich auch Tirols ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth „fassungslos“. Die Unternehmensführung, die seit Monaten in zentralen Fragen zur Zukunft in Wattens Antworten schuldig geblieben sei, stelle sich mit dieser Aktion endgültig ins Aus.

Laut Zangerl würden viele jener Beschäftigten, die bleiben können, von Vorgesetzten aufgefordert, ihre Arbeitszeit und damit auch ihr Entgelt freiwillig zu verringern. Damit solle man mithelfen, das Unternehmen zu retten. Jeder, der so ein Angebot erhalte, solle sich sofort an die AK wenden, rät Zangerl. Einvernehmliche Abänderungen des bestehenden Arbeitsvertrages seien zwar zulässig, im Falle einer späteren Kündigung (Swarovski will bis 2022 rund 600 Stellen streichen) stünden dann aber nur noch die gekürzten Leistungen zu.

Auch innerhalb der Eigentümer-Familie Swarovski rumort es kräftig weiter. Jüngst gab es Aufregung um einen geplanten „Maulkorb“ für Familienmitglieder, wonach nur nach Erlaubnis der Führung nach außen und innen kommuniziert werden dürfe. Wie berichtet, haben jüngst auch acht Familienmitglieder in einem Brief an alle Gesellschafter heftige Kritik am aktuellen Kurs und den Plänen des Konzerns geübt. Unterschrieben wurde das Schreiben, in dem auch die Bestellung von Robert Buchbauer zum Vorstandschef als „ungültig“ bezeichnet wird, von Vanessa Swarovski, Melanie Grieder-Swarovski, Gerhard Swarovski, Paul Swarovski, Daniel Swarovski, Philipp Swarovski, Manfred Otto Swarovski und Alexander Swarovski.

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Für einige interne Diskussionen bei Swarovski sorgt auch eine anonyme Mail, in der zehn so genannte „Top Flops“ an Managementfehlern im Konzern seit dem Jahr 2010 mit dem jeweiligen Millionen-Minus aufgelistet werden. Insgesamt seien dadurch Verluste von 521 Mio. Euro entstanden, allein beim Schmuck-Projekt Candenzza seien es 105 Mio. Euro gewesen. (va)


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