Nadals Aufschlag kurz vor Mitternacht: "Ich finde, es ist ein bisschen gefährlich"

Erst kurz nach 01.30 Uhr stand Rafael Nadal als French-Open-Halbfinalist fest. Diesen Eintrag in die Tennis-Geschichtsbücher hätte sich der Spanier gerne gespart. In Argentinien grassiert derweil das Tennis-Fieber.

Die unfreiwillige Nachtschicht stieß bei Rafael Nadal auf wenig Gegenliebe.
© MARTIN BUREAU

Paris – Kurz vor 02.00 Uhr früh erschien der Sandplatz-König bei der Pressekonferenz von Roland Garros. Knapp eine halbe Stunde zuvor hatte Rafael Nadal den Italiener Jannik Sinner in drei Sätzen eliminiert. Ein so spätes Finish hat es bei den French Open noch nie gegeben. Nun steht Nadal in seinem 13. Roland-Garros-Halbfinale, immer wenn er so weit gekommen ist, holte er danach auch den Titel. Dazu muss er am Freitag einmal über Thiem-Bezwinger Diego Schwartzman hinwegkommen.

Nadal beklagte sich nach dem Sieg ein wenig darüber, dass man auf dem Center Court gleich fünf Einzel angesetzt hatte. "Das war ein Risiko", befand Nadal. "Aber das Problem ist das Wetter, es ist zu kalt, um Tennis zu spielen, oder?" Er wisse, dass Fußball-Spieler auch unter solchen Bedingungen spielen. "Aber die bewegen sich die ganze Zeit. Bei uns gibt es Unterbrechungen, wir haben Seitenwechsel. Ich finde, es ist ein bisschen gefährlich für den Körper, bei so schwierigen Bedingungen zu spielen", monierte Nadal.

Der Mallorquiner wird bisher für seine Politik, nicht zu den US Open zu reisen, belohnt. Der 34-jährige Weltranglisten-Zweite hatte sich ganz auf Paris konzentriert und war wegen der Coronavirus-Pandemie in Europa geblieben. Nun hat er fünf Matches ohne Satzverlust gewonnen: Nadal ist in Roland Garros weiter eine Macht.

Eine Macht, die von Diego Schwartzman geprüft werden könnte. Zwar hält Nadal bei 9:1-Siegen, die einzige Niederlage ist ihm aber zuletzt in Rom zugefügt worden. "Er hat heute ein tolles Match gegen einen der besten Spieler der Welt gespielt. Er hat viel Selbstvertrauen. Er war im Finale von Rom, hat mich dort geschlagen, steht hier im Semifinale", sagte Nadal über den Argentinier, dem er im Rom-Viertelfinale mit 2:6,5:7 unterlegen war.

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Schwartzman, der ab Montag erstmals in den Top Ten stehen wird, meinte im Hinblick auf seine 1:9-Bilanz. "Ich bin nicht sicher, ob ich sehr viel Selbstvertrauen haben werde", sagte er lachend. Allzu sehr wollte er auch noch nicht darauf eingehen, nach dem Fünf-Satz-Thriller, den er gerade gegen Dominic Thiem gewonnen hatte. "Ich bin sehr glücklich über dieses verrückte Match, das ich gewonnen habe."

Podoroska schreibt Tennis-Geschichte

Argentiniens Tennis-Fans sind aktuell überhaupt aus dem Häuschen. Denn neben Schwartzman hatte es auch die zuvor unbekannte Nadia Podoroska ins Semifinale der Damen geschafft. Die 23-jährige Weltranglisten-131. ist in Rosario geboren, der Name resultiert von ukrainischen Großeltern. Sie ist die erste Qualifikantin überhaupt in einem French-Open-Semifinale. Nur Alexandra Stevenson (Wimbledon 1999) und Christine Dory (Australian Open 1978) hatten dies zuvor geschafft. Schlägt sie nun auch die Polin Iga Swiatek im Halbfinale, wäre sie die erste Qualifikantin der Profi-Ära in einem Major-Endspiel.

Podoroska hat vor Roland Garros 2020 auf Tour-Level nie zwei Matches in Folge gewonnen und nur vier Siege geschafft. Nun hält sie bei drei in der Qualifikation und fünf im Hauptbewerb. Mit diesem Siegeslauf ist Podoroska, die Ende 2019 noch WTA-Nummer 255 war, ein Sprung in die Top 50 sicher.

Ihre nächste Gegnerin, die Polin Iga Swiatek, ist als Nummer 54 in das Turnier gegangen. Eine der beiden wird im Endspiel dieser vor allem bei den Damen verrückten French Open stehen. Unvorstellbar vor Beginn des größten Sandplatz-Turniers der Welt. (APA, dpa)


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