Grün, Orange, Rot: EU-weite Corona-Ampel gegen Reisechaos im Gespräch

Die EU ringt derzeit um einheitliche Kriterien bei Reisewarnungen. Deutschland schlägt ein europaweites Ampelsystem vor, aber nur bei Grün soll es generell freie Fahrt geben.

Drei Warnfarben sollen in der Europäischen Union ausreichen und die Kriterien dafür einheitlich festgelegt werden. Mögliche Reisebeschränkungen bei Rot und Orange können die Nationalstaaten aber weiter selbst festlegen.
© Montage: TT/APA

Brüssel, Innsbruck – Geht es nach den Vorschlägen der deutschen Ratspräsidentschaft, so soll Europa ebenfalls eine Corona-Warnampel erhalten. Allerdings nur mit drei Farben: Rot, Orange und Grün. Die Corona-bedingten Reisebeschränkungen könnten dadurch besser koordiniert werden, heißt es. Basis wären die durchschnittlichen Corona-Fälle in den vergangenen 14 Tagen und eine Vier-Prozent-Hürde bei der Zunahme von positiven Testungen. Für grüne Regionen sind keine Reisebeschränkungen vorgesehen.

Ein erster Schritt zur Vereinheitlichung ist damit zumindest auf Expertenebene getan, die EU-Botschafter haben am Mittwoch darüber beraten.

🟢 GRÜN

Die magische Zahl, damit die Ampel grün blinkt und keine Maßnahmen für die Einreise erlassen werden, wären demnach weniger als 25 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner (14-Tage-Inzidenz) bzw. eine Quote von positiven Corona-Tests unter vier Prozent.

🟠 ORANGE

Orange wären Regionen mit einer 14-Tage-Inzidenz unter 50 und mehr als vier Prozent positiver Tests. Bis zu 150 Fälle sind möglich, dafür müsste es jedoch wenige als vier Prozent positiver Tests geben.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

🔴 ROT

Bei einer 14-Tage-Inzidenz von 50 oder höher sowie einer Rate positiver Tests über vier Prozent würden Regionen „rot“ markiert – oder wenn die Inzidenz höher als 150 ist.

Weitere Kriterien für Beschränkungen könnten laut Vorschlag noch Daten zur Bevölkerungsgröße, zu Krankenhaus- und Intensivstations-Belegungen sowie zu Sterberaten sein. Darauf wird seit Tagen in Österreich gedrängt.

Europa-Ampel wäre in Tirol zurzeit orange

Diese Bewertungen würden sich von den aktuell in Deutschland gehandhabten wesentlich unterscheiden: Wenn es kumuliert innerhalb von sieben Tagen 50 Neuansteckungen gerechnet auf 100.000 Einwohner gibt, werden Regionen wie zuletzt Tirol, Vorarlberg oder Wien als Risikogebiet eingestuft. Wer nach Deutschland einreist, muss entweder einen negativen Covid-19-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf, oder eine 14-tägige Quarantänepflicht auf sich nehmen.

Österreich weist zurzeit eine 7-Tage-Inzidenz von 73 Fälle­n auf, Tirol von 77,5. Österreich­weit beträgt die durchschnittliche Zunahme von Neuinfektionen 4,8 Prozent. Europas Ampel würde sowohl in der Alpenrepublik als auch in Tirol jedenfalls orange leuchten. Umgelegt auf die Bezirk­e wären Innsbruck (143,8 Fäll­e/100.000 Einwohner), Landeck (124), Schwaz (95), Innsbruck-Land (83,7), Imst (64,9) und Kufstein (49,2) mindestens orange. Einzig für Kitzbühel, Reutte und Lienz würde es keinerlei Reisewarnungen geben.

Maßnahmen weiter landesabhängig

Welche Maßnahmen bei Orange und Rot jedoch getroffen werden, kann weiterhin jedes Land für sich selbst bestimmen. Jedes Land solle selbst entscheiden, welche Regeln es einführt, schlägt Deutschland vor. Auch Quarantäne- und Testpflichten würden nicht vereinheitlicht. Es heißt lediglich, dass für Reisende aus „nicht grünen“ Gebieten Quarantäne- und Testpflichten erlassen werden könnten.

Viele Fragen bleiben offen, wenn die Europaminister Dienstag nächster Woche darüber beraten. Positive Nachrichten kamen gestern aus Belgien. Das Benelux-land, das selbst massiv mit einem Anstieg von Corona-Infektionen konfrontiert ist, hat Vorarlberg von der Liste der Risikogebiete gestrichen. Wien und Tirol bleiben hingegen drauf. Außerdem warnen die Niederlande vor Reisen nach Innsbruck. (TT, pn)

Regionale Wirtschaft in Gefahr

Für die Wirtschaftskammerpräsidenten aus Tirol, Südtirol, Vorarlberg und Salzburg bringt die aktuelle Corona-Politik bei den Reisebeschränkungen den Tourismus und damit die gesamte regionale Wirtschaft in Existenzgefahr. Gestern haben sie deshalb einen gemeinsamen „Hilferuf aus den Alpen“ formuliert. Die aktuellen Reisewarnungen und -einschränkungen müssten beendet und aufgehoben werden, fordern u. a. Christoph Walser (Tirol) und Michl Ebner (Südtirol).

Den aktuellen Vorschlag aus Deutschland bezeichnet Walser als Anfang, er dürfe aber noch nicht das Ende der Bemühungen um eine einheitliche Lösung darstellen. „Insbesondere müssen objektiv erfassbare Kriterien wie Test- und Gästezahlen sowie Behandlungskapazitäten in die Bewertung einfließen. Zudem braucht es nicht nur für grüne, sondern auch für orange und rote Regionen einheitliche Regelungen.“


Kommentieren


Schlagworte