Forderung nach mehr Aufklärung über psychische Gesundheit

In Österreich hätten sich Wissen und Zugang zu Informationen zwar gut entwickelt, Bildungsprogramme seien aber "weiterhin dringend nötig", fordert Wolfgang Spiegel vom Zentrum für Public Health der Medizin-Uni Wien.

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Wien – Geht es um die psychische Gesundheit, ist Bildung der Bevölkerung über psychische Vorgänge und mögliche seelische Belastungsfaktoren laut Wolfgang Spiegel vom Zentrum für Public Health der Medizin-Uni Wien "eine essenzielle Ressource". In Österreich hätten sich Wissen und Zugang zu Informationen zwar gut entwickelt, Bildungsprogramme seien aber "weiterhin dringend nötig", forderte der Mediziner in einer Aussendung anlässlich des Welttags der mentalen Gesundheit am Samstag.

Bildung hinsichtlich psychischer Gesundheit ("Mental Health Literacy") helfe dabei, die eigene körperliche und seelische Belastbarkeit einzuschätzen, Informationen richtig und kritisch einzuordnen und bei typischen Beschwerden wie Angstzuständen, Antriebsarmut oder Niedergeschlagenheit rechtzeitig medizinische Hilfe zu suchen. Mit den Hausärzten gebe es hier einen niederschwelligen Ansprechpartner, der häufige und typische Beschwerden diagnostizieren und behandeln bzw. die Patienten bei Bedarf an eine Facharzt überweisen könne, betonte Spiegel in der Aussendung am Donnerstag.

Forderung nach gezielter Förderung von Fachfortbildungen

Gleichzeitig wünscht er sich er eine gezielte Förderung von Fachfortbildungen in diesem Bereich, damit die Kompetenzen bei häufigen und typischen psychiatrischen Störungen z.B. bei allen Kassen-Hausärzten gleichermaßen gesichert sind. Psychische Krankheiten seien heute wesentlich weniger stigmatisiert als vor 25 Jahren und Patienten seien heute viel eher bereit, diese beim Arzt direkt anzusprechen. "Aber natürlich wissen die Hausärzte, dass oft physische Beschwerden als Präsentiersymptome vorgeschoben werden, wenn seelischer Leidensdruck besteht", so Spiegel.

So würden neben affektiven Störungen wie Depressionen und Angststörungen häufig unspezifische Beschwerden wie Schlafstörungen, Herzklopfen, Schweißausbrüche oder Stimmungsschwankungen auftreten. Wenn organische Ursachen wie Hormonstörungen oder psychiatrische Störungen ausgeschlossen werden können, spreche man hier von "medizinisch unerklärten Symptomen". Spiegel betont allerdings: "Es ist wichtig, den betroffenen PatientInnen zu erklären, dass es eben wechselnde, nicht-organische Beschwerden geben kann, die keine Krankheitswertigkeit im Sinne einer klassifizierbaren psychiatrischen Störung oder einer organischen Krankheit haben, die aus ärztlicher Sicht aber trotzdem als 'real' gesehen werden, auch wenn sie vielfach einer Diagnostik und Therapie nur bedingt zugänglich sind."

Der Internationale Tag der seelischen Gesundheit wurde 1992 von der World Federation for Mental Health ins Leben gerufen und wird jedes Jahr am 10. Oktober begangen. Das Ziel ist, über psychische Erkrankungen aufzuklären und der Stigmatisierung von Betroffenen entgegenzuwirken. (APA)


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