Beatles, Yoko, Weltfrieden: Vor 80 Jahren wurde John Lennon geboren

John Lennon schrieb Musikgeschichte mit den Beatles. Er protestierte im Bett gegen den Krieg, schrieb die Hymnen „Give Peace A Chance“ und „Imagine“, wurde zu einer Ikone für mehrere Generationen. Am 9. Oktober wäre der 1980 erschossene Sänger 80 Jahre alt geworden.

John Lennon wäre heute 80 Jahre alt geworden.
© dpa/London Express

Liverpool – Am letzten Tag seines Lebens klammerte sich John Lennon nackt an eine ganz in schwarz gekleidete Yoko Ono. Star-Fotografin Annie Leibovitz hielt das Paar so für ein Cover des Musikmagazins Rolling Stone fest. Wenige Stunden später wurde Lennon ermordet. Mark David Chapman, der ihn kurz zuvor noch um ein Autogramm gebeten hatte, erschoss den Musiker am 8. Dezember 1980 vor dem legendären Dakota-Apartmentkomplex am New Yorker Central Park. „Ich wurde getroffen“ sollen Lennons letzte Worte gewesen sein.

Lennon war damals gerade 40 Jahre alt und zur Kultfigur einer ganzen Generation geworden. Seine Zeit als Sänger und Songwriter der Beatles, seine Soloalben und seine Kunst-Happenings faszinierten und polarisierten weltweit Millionen Menschen. Am heutigen 9. Oktober wäre Lennon 80 Jahre alt geworden.

The Beatles bei einem Auftritt im Londoner Lyris Theatre im Jahr 1963: Paul McCartney, Ringo Starr, John Lennon und George Harrison (v.l.).
© dpa

Bereits als 15-Jähriger gründet er in Liverpool seine erste Band, die Skiffle-Gruppe The Quarrymen. Am 6. Juli 1957 nimmt sein Leben die wohl entscheidende Wende. Damals stellen ihm Freunde einen gewissen Paul McCartney vor. Aus den Quarrymen werden irgendwann The Beatles.

Nach unzähligen Konzerten in Liverpool und Hamburg unterschreiben die Beatles 1962 ihren ersten Plattenvertrag. Das Album „Please Please Me“ erscheint im März 1963, „Love Me Do“ wird der erste Hit. Nur gut die Hälfte der Songs sind damals Eigenkompositionen, und die Texte sind albern. „Wir haben einfach nur Songs geschrieben, Popsongs ohne Hintergedanken“, erklärt Lennon später. „Es ging nur darum, einen Sound zu schaffen, die Worte waren fast egal.“

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Erst kamen die Hits, dann die Konflikte

Zunehmend macht sich Lennons Gefühl für Worte in der Musik der „Fab Four“ bemerkbar, sein Songwriting wird ausgeklügelter. Zu den Beatles-Liedern, die Lennon allein oder fast allein schrieb, zählen „A Hard Day‘s Night“ (1964), „Help!“ (1965), „Strawberry Fields Forever“ (1967) und „All You Need Is Love“ (1967) – unsterbliche Klassiker der Band. 1970 sind die Beatles Geschichte – ein Ergebnis kreativer Differenzen und schwelender interner Konflikte.

Als ich die Frau gefunden hatte, waren die Jungs für mich nicht mehr von Interesse.
Lennon über Yoko Ono

Auch Yoko Ono hat wohl ihren Teil dazu beigetragen. „Als ich die Frau gefunden hatte, waren die Jungs für mich nicht mehr von Interesse“, gibt Lennon 1980 im Playboy-Interview zu. „Außer als alte Schulfreunde.“ Über eine Trennung von den Beatles habe er indes schon nachgedacht, bevor die japanische Künstlerin Mitte der 60er Jahre seine Freundin wurde. 1969 heiraten die beiden. 1975 wird Sohn Sean geboren. Aus Lennons erster Ehe mit Cynthia stammt der Musiker Julian Lennon.

John Lennon und Yoko Ono demonstrierten 1969 im Hilton Hotel in Amsterdam für den Frieden.
© imago/Cinema Publishers Collection

Unvergessen ist das „Bed-In“, Lennons und Onos einwöchiger Aufenthalt in einem Hotelbett im kanadischen Montreal während der Flitterwochen, bei dem zahlreiche Journalisten und Prominente vorbeischauen. Damals entsteht auch die Anti-Kriegs-Hymne „Give Peace A Chance“. Ihm sei bewusst, dass seine Flitterwochen von öffentlichem Interesse seien, erklärt Lennon damals, das wolle er für einen guten Zweck nutzen.

Mit seiner Frau nimmt Lennon mehrere Alben auf. Das erste mit dem Titel „Unfinished Music No. 1: Two Virgins“ sorgt für einen Skandal, nicht wegen der Musik, sondern weil auf dem Cover ein Nacktfoto des Paars zu sehen ist, das nichts der Vorstellung überlässt. Das Selfie – Lennon nahm es per Selbstauslöser auf – erhitzt die Gemüter. Das experimentelle Album wird schließlich in braunem Packpapier verkauft, aber kaum einer will die merkwürdige Geräuschmischung haben. Lennon und Ono nehmen trotzdem noch zwei weitere auf.

„Ich wurde verrückt geboren“

Wie er sich seinen Verstand bewahrt habe, als er reich und berühmt geworden sei, wird Lennon Mitte der 70er Jahre in einem Interview des amerikanischen Musikmagazins Spin gefragt. „Hab‘ ich nicht“, antwortet Lennon lapidar. „Ich wurde verrückt geboren.“

Seinen größten Hit als Solokünstler hat er 1971 mit „Imagine“. Die zeitlose Hymne über den Traum von einer harmonischen Welt, in der alle Menschen in Frieden miteinander leben, landet nach Lennons Tod ein zweites Mal in den Charts – in Großbritannien sogar auf Platz 1. Von dieser Position wird „Imagine“ von „Woman“ verdrängt, der ersten Lennon-Single, die nach seinem Tod veröffentlicht wurde.

Yoko Ono und ihr Sohn Sean vor der Lennon-Gedenkstätte „Strawberry Fields“ im New Yorker Central Park.
© MARIA R. BASTONE

Die von Yoko Ono angelegte Gedenkstätte „Strawberry Fields“ im New Yorker Central Park erinnert heute an Lennon – direkt vor dem Dakota-Apartmentkomplex, wo die Witwe bis heute lebt. Lennons Mörder Chapman sitzt seit den tödlichen Schüssen vor 40 Jahren in Haft. Im August verwehrten ihm die Behörden zum elften Mal eine vorzeitige Freilassung – auch weil sich Yoko Ono stets gegen eine Bewährung einsetzt. Seine Tat tue ihm leid, sagte Chapman in diesem Jahr laut Medienberichten. „Ich habe keine Entschuldigung. Es ging um Ruhm für mich selbst.“ (dpa)


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