Wien-Wahl ausgezählt: Zuwächse für ÖVP und Grüne, Strache gescheitert

Klarer Sieger bei der Wiener Gemeinderatswahl ist die SPÖ, sie ist im neuen Gemeinderat mit 46 Mandaten vertreten. Aber auch Grüne und ÖVP können sich nach Auszählung der Briefwahlstimmen über unerwartet hohe Zuwächse freuen.

Michael Ludwig (SPÖ) sitzt in Wien fest im Sattel.
© APA/Fohringer

Wien – Die Wiener Gemeinderatswahl vom Sonntag ist fertig ausgezählt. Mit der Auswertung von 321.056 Wahlkarten haben sich die Stimmenanteile noch recht deutlich verändert. Und die Wahlbehörde hat jetzt auch die erreichten Mandate bekannt gegeben. Die SPÖ ist im neuen Gemeinderat mit 46 Mandaten vertreten, die ÖVP mit 22, die Grünen mit 16, NEOS und FPÖ mit jeweils acht. Die FPÖ rangiert letztlich nur mehr hinter NEOS.

Stimmenanteile, Veränderung zu Wahl 2015.
© APA

Groß wie nie war die Menge der Briefwahlstimmen, die die Bezirkswahlbehörden am Montag und Dienstag auszuzählen hatten: Fast 44 Prozent der Stimmen wurden am Postweg oder schon vor dem 11. Oktober am Bezirksamt abgegeben. 317.091 gültige Stimmen kamen zum Urnen-Ergebnis noch dazu – und veränderten einiges.

So bekam die Stadtkarte – die am Sonntag nach der Urnenwahl durchgehend rot eingefärbt war – zwei türkise Tupfer: In der Inneren Stadt und in Hietzing liegt die ÖVP letztlich doch recht deutlich vor der SPÖ.

📽 Video | Briefwahlstimmen ausgezählt

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Insgesamt schnitten ÖVP und Grüne bei den Briefwählern – auch von den Hochrechnern nicht ganz in diesem Ausmaß erwartet – stark ab. Die ÖVP kam letztlich doch noch knapp über die 20-Prozent-Marke, mit 20,43 Prozent, das ist ein Plus von 11,19 Prozentpunkten. Die Zahl ihrer Abgeordneten hat sich mehr als verdreifacht, von sieben auf 22.

Gernot Blümel (ÖVP) möchte in Wien ein Wörtchen mitreden.
© APA/Punz

✅ SPÖ baute Vorsprung noch aus

Die Grünen stiegen letztlich doch mit ihrem besten Wiener Ergebnis je – 14,80 Prozent (+2,96) – aus und stellen um sechs Gemeinderäte mehr (bisher 10). Sie sind jetzt drittstärkste Kraft, anstelle der eingebrochenen FPÖ.

SPÖ auf Gemeinderatsebene in zwei Bezirken nicht vorne

◼️ Die Wien-Karte war vor der Auszählung der Briefwahlstimmen noch durchgehend rot, denn die SPÖ lag auf Gemeindeebene überall vorne. Nach Auszählung der Briefwahl sind die City und Hietzing türkis eingefärbt, da die ÖVP dort den ersten Platz erringen konnte. Damit unterscheidet sich das Bild deutlich von 2015. Damals konnte lediglich die FPÖ bei der Gemeinderatswahl die SPÖ in zwei Bezirken schlagen, nämlich in Simmering und der Donaustadt.

◼️ Angesichts der großen Verluste der FPÖ sind die blauen Bezirke jedoch Geschichte. Tatsächlich ist die SPÖ wieder in den großen Flächenbezirken erstarkt. "Bester" roter Bezirk ist nun nicht mehr wie 2015 die Brigittenau, sondern mit 48,4 Prozent Favoriten. Dafür setzte es für die Sozialdemokraten in den inneren Bezirken zum Teil sogar Verluste – am größten fiel dieser in der City mit 4,2 Prozentpunkten (bei 29,3 Prozent Stimmanteil) aus.

◼️ Genau dort reüssierte die ÖVP. Die in der Inneren Stadt erzielten 34 Prozent bedeuten ein Plus von 14 Prozentpunkten. Die Grünen sind auch auf Gemeindeebene in ihrer Hochburg Neubau stark. Man konnte dort um 3 Prozentpunkte auf 29,8 Prozent zulegen. Allerdings kann man anders als bei den Bezirksvertretungswahlen im siebenten Bezirk nicht den ersten Platz verbuchen, sondern hinter der SPÖ den zweiten.

◼️ Die FPÖ ist noch immer in Simmering am stärksten, was jedoch ein schwacher Trost sein dürfte. Man sackte dort nämlich um 28 Prozentpunkte auf 14,9 Prozent ab. Die NEOS erzielten in der Inneren Stadt mit 11,9 Prozent (plus 0,66 Prozentpunkte) ihr bestes Ergebnis.

Unangefochten Platz 1 verteidigte die SPÖ – und baute ihn um 2,03 Prozentpunkte auf 41,62 Prozent aus, ebenso die Zahl der Mandate von 44 auf 46. Anders als in den vergangenen Jahren schnitt sie bei den Briefwählern aber deutlich schlechter ab, bei den Urnenwählern hatte sie 43,09 Prozent.

Stimmenanteile seit 1945.
© APA

Zu den Wahlsiegern zählen auch NEOS, die sich auf 7,47 Prozent (+1,31) und ihre Mandate von fünf auf acht steigern konnten.

❌ Klare Wahlverlierer: FPÖ und Team HC

Die Wahlverlierer fanden sich diesmal im – 2015 noch so erfolgreichen – "dritten Lager": Die FPÖ brach in Folge von Ibiza und Spesenaffäre vom Rekordwert 30,79 auf nur mehr 7,11 Prozent ein. 26 ihrer bisher 34 Mandatare müssen sich verabschieden- und auch vom Posten des Vizebürgermeisters.

Mögliche Koalitionen.
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Gescheitert ist Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache: Seine neue Partei, die Liste HC Strache, blieb mit 3,27 Prozent weit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Sowohl FPÖ als auch HC schnitten bei den Briefwählern stark unterdurchschnittlich ab, ihre Gesamtergebnisse waren noch deutlich schlechter als im am Sonntag verkündeten Urnen-Ergebnis.

Heinz-Christian Strache (Team Strache) hat von den Wählern eine deutliche Absage erhalten.
© APA/Fohringer

Zugelegt hat mit den Briefwählern natürlich die Wahlbeteiligung – und zwar auf 65,27 Prozent. Das bedeutet freilich immer noch einen kräftigen Rückgang um 9,48 Prozentpunkte. Zurückzuführen war dieser einerseits auf die Corona-Pandemie und andererseits auch darauf, dass viele frühere FPÖ-Wähler den Urnen fern blieben. (TT.com, APA)


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