Johanna Constantini über Demenz des Vaters: Nicht ins "Abseits" stellen

Welche Lasten eine Demenzerkrankung nicht nur für den Betroffenen, sondern auch seine Angehörigen mitbringt, beschreibt Johanna Constantini, Tochter von Ex-ÖFB-Teamchef Didi Constantini, in ihrem Buch "Abseits". Die Krankheit habe viele Gesichter, oft seien die ersten Signale nur schwer zu deuten bzw. zu erkennen. Auf 200 Seiten erzählt die Psychologin auf berührende Art die Geschichte ihrer Familie.

Johanna Constantini schreibt über den Umgang mit der Demenzerkrankung ihres Vaters.
© Foto TT/Rudy De Moor

Innsbruck – Im Vorjahr machte die Familie von Dietmar Constantini dessen Demenzerkrankung öffentlich. Nun hat seine Tochter Johanna Constantini das Schicksal des ehemaligen Fußball-Teamchefs in einem sehr persönlichen Buch aufgearbeitet. In "Abseits" schreibt sie über persönliche Strategien, schildert die Karriere ihres Vaters, seinen Rückzug aus dem Fußballgeschehen und die Lasten, die eine Demenzerkrankung nicht nur für den Betroffenen, sondern auch die Angehörigen mit sich bringt.

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"Für alle, die verstehen möchten", lauten die einleitenden Worte im 200 Seiten starken Buch der Psychologin Johanna Constantini. Verstehen, wie das Leben von Erkrankten und deren Angehörigen auf den Kopf gestellt wird. Wenn die Autorin etwa schildert, wie jener Mann, der früher die Kommandos an der Seitenlinie gab, von einfachen Alltagsverrichtungen wie dem Tischdecken vor große Herausforderungen gestellt wird. Oder der einst schlagfertige Tiroler "Sunnyboy" in einem Interview plötzlich um die richtigen Worte ringt.

"Demenzfreundlichkeit", um Erkrankte nicht ins Abseits zu stellen

Demenz hat viele Gesichter, schreibt Constantini. Von Orientierungslosigkeit über Vergesslichkeit und Sprachschwierigkeiten bis hin zu Wesensveränderungen - für alle Beteiligten ein harter Weg. Offen beschreibt Constantini auch ihre eigenen Schwierigkeiten, mit der veränderten Situation, dem "Schock" umzugehen. Berührend, wenn sie schildert, wenn "ich Tränen vergieße und die Tatsache nicht anerkennen will, dass mein einst so starker Papa krank geworden ist." Anderen Mut zu machen, ist die erklärte Absicht ihres Werks, das nicht zuletzt "Demenzfreundlichkeit" einfordert, um die Erkrankten eben nicht ins Abseits zu stellen.

Nicht zuletzt die Wichtigkeit einer frühen Diagnose ist Constantini wichtig. So sei es ihrem Vater schwer gefallen, die ersten Signale mit ärztlicher Hilfe richtig zu deuten. Depressionen, die der heute 65-Jährige nach seinem Ende als ÖFB-Teamchef 2011 erlitt, hätten die Einordnung erschwert. Schließlich ähneln die Symptome einander.

Das Buch dreht sich aber nicht nur um die Gegenwart. Constantini hat beginnend mit der Jugend ihres Vaters eine Art Familiengeschichte geschrieben, flankiert von zahlreichen Bildern aus dem eigenen Album. Und es kann auch als rührende Danksagung an den Vater verstanden werden: "(...) sollte mein Papa irgendwann zur Gänze in seine eigenen Gefühlswelten entgleiten und uns mit keiner Regung seines Selbst mehr als seine Familie erfassen können, so wird er und alles, was ihn ausmacht, zumindest in unserer Erinnerung niemals vergessen sein." (TT.com, APA)


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