Gut zu wissen: Wie man mit richtiger Wiederbelebung Leben retten kann

Am heutigen Weltreanimationstag soll die Wichtigkeit von Ersthelfern verdeutlicht werden: Denn ob ein Mensch einen Atem-Kreislauf-Stillstand überlebt, hängt wesentlich davon ab, ob es einen Ersthelfer gibt, der sofort mit der Wiederbelebung beginnt. Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick.

Freizeitunfälle zählen zu den häufigsten Unfallursachen in Österreich. Bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand muss, nach dem oder während der Notruf verständigt wurde, schnell mit der Herzdruckmassage begonnen werden.
© Rotes Kreuz

Innsbruck – Bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. „Pro Minute nimmt die Überlebenschance eines Menschen nach einem Atem-Kreislauf-Stillstand um 10 Prozent ab, wenn keine Wiederbelebung erfolgt“, unterstreicht der Vizepräsident des Roten Kreuzes Tirol, Thomas Fluckinger, die Bedeutung der Laienreanimation. Heute, am Weltreanimationstag, soll weltweit darauf aufmerksam gemacht werden. Patienten, die bereits vor Eintreffen der Rettung von Ersthelfern wiederbelebt werden, haben eine höhere Chance zu überleben.

Alleine in Tirol sind die Notarztteams des Rettungsdienstes 2019 insgesamt 712 Mal zu einer Wiederbelebung ausgerückt. Doch oft schrecken mögliche Helfer erst einmal zurück, wenn sie zu einem lebensbedrohlichen Szenario kommen: Der letzte Erste-Hilfe-Kurs liegt schon weit zurück, das Wissen ist verblasst, die Angst, etwas falsch zu machen groß. Doch es gibt nur wenige Dinge, die im Fall des Falles zu beachten sind.

Auch Kinder werden bereits in Reanimationsmaßnahmen geschult. Je besser man geübt ist, umso eher ist man im Ernstfall bereit, Erste Hilfe zu leisten.
© MedUni Wien / Houdek

⚕️ Vier Säulen der Vorbeugung und im Ernstfall Ruhe bewahren

Um erst gar nicht Betroffener einer Reanimation zu werden, betont Fluckinger die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils. Eine wirkungsvolle Prävention besteht aus vier Säulen, sagt er: „Nicht rauchen, kein Übergewicht, ein normaler Blutdruck und Bewegung.“

Kommt es nun doch zu einer Wiederbelebung, so ist die Herzdruckmassage wesentlich. Thomas Fluckinger erläutert, wie diese durchzuführen ist: „Der Patient wird auf den Rücken gedreht, der Ersthelfer kniet sich wenn möglich seitlich zum Patienten. Bei einer Herzdruckmassage drückt man den Brustraum 5-6 Zentimeter kräftig nach innen.“ Gerade in der Nervosität erfolgt die Herzdruckmassage oft zu schnell oder zu langsam. „Ruhe bewahren und konzentrieren“, rät der Chefarzt.

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Eine App, die Leben rettet

Weil bei einem Atem-Kreislauf-Stillstand jede Sekunde zählt, hat das Rote Kreuz die „Team Österreich Lebensretter“-App entwickelt. In Tirol können ausgebildete Rettungssanitäter über diese App auch außerhalb ihrer Dienstzeit alarmiert werden, wenn in ihrer Nähe eine Person in eine gesundheitliche Notsituation geraten ist.

Die Rotkreuz-Sanitäterin Christina Pagitz hat die App auf ihrem Smartphone installiert und tatsächlich wurde die 20-Jährige auch schon in ihrer Freizeit zu einer Wiederbelebung gerufen. „Ich war daheim, als ich über die App alarmiert wurde. Nur ein paar Meter von meinem Zuhause entfernt ist eine Person reglos am Boden gelegen. Gemeinsam mit den Angehörigen haben wir wiederbelebt, bis die Rettungskräfte eingetroffen sind. Die Wiederbelebung war erfolgreich“. Für Christina Pagitz ist das Gefühl, helfen zu können, ein besonders gutes und sie betont die Wichtigkeit eines Erste Hilfe-Kurses: „Es ist der Ersthelfer, der im Notfall den entscheidenden Unterschied machen kann“.

💔 Herzdruckmassage mit „Taktgefühl“

Bei der Herzdruckmassage kommt es auf das Tempo an. Zirka 100 Mal in der Minute ist der Brustkorb zu komprimieren. Um sich eine bessere Vorstellung davon zu machen, wie oft 100 Mal in der Minute sind, helfen Lieder „im Drucktakt“. Einen solchen Ohrwurm hat der Musiker Florian Ragendorfer für das Rote Kreuz aufgenommen. Der Takt des Songs entspricht genau dem Takt, in dem die Herzdruckmassage erfolgen soll.

📽 Video | „Dieser Song kann Leben retten“

😷 Wiederbeleben auch in der Corona-Zeit

Auch jetzt, während der Corona-Pandemie, ist es wichtig, Erste Hilfe zu leisten. „Der einzige Unterschied ist“, so Thomas Fluckinger, „dass wir auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten. Das heißt, die zwei Beatmungen, die üblicherweise nach 30 Herzdruckmassagen erfolgen, können zum Eigenschutz ausgesetzt werden“.

🆘 Defibrillator verwenden, Unterstützung anfordern

Thomas Fluckinger ist Chefarzt beim Roten Kreuz Tirol. Er rät dazu, die Erste Hilfe-Kenntnisse regelmäßig aufzufrischen.
© Rotes Kreuz

An vielen Orten und in öffentlichen Gebäuden sind Defibrillatoren angebracht, mit entsprechenden Stickern ist ihr Standort gekennzeichnet. Einen Defibrillator bei einer Wiederbelebung einzusetzen, macht Sinn. „Dabei soll jedoch die Wiederbelebung möglichst nicht unterbrochen werden“, sagt Thomas Fluckinger.

Daher ist es enorm wichtig, dass weitere Helfer bei einer Wiederbelebung mithelfen. „Teilen Sie umstehende Personen gezielt ein, lassen Sie eine Person den Defibrillator holen, eine andere möglichst rasch den Notruf unter 144 absetzen und wechseln Sie sich bei der Wiederbelebung ab. Eine Herzdruckmassage ist anstrengend. Schon nach wenigen Minuten lässt die Effektivität der Massage nach, weil der Ersthelfer ermüdet“, so Fluckinger.

👨‍🏫 Erste Hilfe Schulungen geben Sicherheit

Je sicherer man sich in der Ersten Hilfe fühlt, desto eher leistet man diese auch im Notfall. Die Scheu vor falschen Erstmaßnahmen führt viel zu häufig dazu, dass Menschen wegschauen. „Das soll es keinesfalls sein“, sagt Thomas Fluckinger. Er empfiehlt in jedem Fall einen Erste Hilfe-Kurs, der in allen Bezirken vom Roten Kreuz angeboten wird. Näheres dazu gibt es auf der Homepage vom Roten Kreuz Tirol. (TT.com)

📽 Video | „Weltbekannter Hit wird zu Lebensretter-Song“


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