Rennen ohne Fans: "Ein bissl grausig, wenn beim Abschwingen keiner jubelt"

An Skirennen ohne Zuschauer müssen sich die Athleten erst gewöhnen. Nach dem Damen-Auftakt in Sölden war man allerdings froh, überhaupt fahren zu können.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel nahm mit genügend Abstand auf der Tribüne Platz. Fans waren bei den Rennen am Rettenbachferner nicht erlaubt.
© EXPA/JOHANN GRODER

Sölden – Schon nach dem ersten Durchgang des Damen-Riesentorlaufs in Sölden stand für die Rennläuferinnen fest: Man ist riesig froh und dankbar, dass trotz Corona überhaupt Skirennen stattfinden. An Geisterrennen ohne Fans und Stimmung im Ziel müsse man sich aber erst noch gewöhnen, lautete beim Weltcup-Auftakt auf dem Rettenbachferner das durchgehende Urteil.

"Normalerweise spürt man ungefähr wo man umgeht, wenn die Fans beim Abschwingen im Ziel jubeln. Diesmal war das Gefühl, ich muss so Scheiße gefahren sein, weil man einfach nichts hört", beschrieb etwa Stephanie Brunner nach dem ersten Durchgang ihre Eindrücke. Verschmerzbar machte der Tirolerin das Erlebte, dass sie vor ihrem Rückfall auf Platz 17 beim Comeback nach 21-monatiger Verletzungs-und Rennpause als Neunte noch beste ÖSV-Dame zur Halbzeit gewesen war. "Aber ich fahre definitiv trotzdem lieber mit Fans", war sich Brunner sicher.

Nur 62 Gäste beim ersten Saisonrennen

Für das erste Weltcup-Wochenende der neuen Saison sind Zuschauer an der Piste nicht erlaubt. Der Zielraum vor der auf 2.674 Meter Seehöhe liegenden Gletscherarena war wegen der Covid-19-Bedingungen in vier Bereiche aufgeteilt worden, was auf Anhieb gut funktionierte. Die Disziplin war hoch, die wenigen nachlässigen Maskenträger wurden freundlich aber bestimmt zum "Nachbessern" aufgefordert.

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Auch die Medien-Interviews gingen mit nötigem Sicherheitsabstand problemlos "über den Zaun", weil sich der Lärmpegel sehr in Grenzen hielt. Die große und für die 200 "Gäste" gedachte Beton-Tribüne war am Samstag aber ziemlich leer. Auch deshalb, weil statt der 200 am Ende nur noch 62 (ungetestete) Geladene den Weg zum ersten Rennen gefunden hatten. Alle 15 Läuferinnen machte man zudem eine Renn-Pause, um "Menschenstau" im Zielbereich zu verhindern.

Katharina Liensberger machte die fehlenden Zuschauer nicht verantwortlich für Platz 23 im ersten Durchgang - und schon gar nicht für ihren späteren Ausfall. "Natürlich gehen auch mir die Fans ab. Aber ich weiß, es sitzen daheim viele vor dem Fernseher und halten die Daumen", meinte die Vorarlbergerin. "Es war einfach kein gelungenes Rennen von mir."

Lokalmatadorin Franziska Gritsch gingen die Zuschauer besonders ab. "Extrem langweilig, extrem schade. Es fehlt einfach was", machte die Vorjahres-Siebente aus dem Ötztal klar, dass sie eine Publikumsfahrerin ist. "Es taugt mir ehrlich gesagt nicht und ich hoffe, dass sich das ganz, ganz schnell wieder ändert", sagte Gritsch. "Es ist schon sehr cool, wenn du abschwingst und eine Stimmung da ist. Wenn du gar nichts hörst, kommst du ins Ziel und weißt eigentlich nicht, was jetzt eigentlich los ist."

Ähnlich sah es Katharina Truppe, als 15. beste ÖSV-Fahrerin beim schlechtesten Sölden-Ergebnis der ÖSV-Damen aller Zeiten. Die Kärntnerin hätte aufgrund der Stille im Ziel nicht vermutet, dass sie Halbzeit-Elfte geworden war. "Es ist ein bissl grausig, wenn beim Abschwingen keiner jubelt", gestand die Kärntnerin. "Man fühlt sich echt ein bissl alleine." Die Fans würden ihr speziell in Sölden abgehen. "Hier kommen sie einem ja sonst besonders nahe und das Geschrei ist immer so groß ist. Jetzt ist es ein echtes Geisterrennen", meinte Truppe, wollte aber auch festgehalten wissen: "Die Hauptsache ist, dass wir überhaupt fahren."

Als "seltsam" empfand auch Federica Brignone Skirennen ohne Fans. "Wir sind große Menschenmengen und Lärm gewohnt. In Sölden ist sogar schon zwei Tage vor dem Rennen immer Rummel", sagte die aktuelle Weltcup-Gesamtsiegerin aus Italien. "Sölden steht für mich normalerweise für Riesen-Stimmung und Emotionen." (APA)


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