Schröcksnadel zieht nach Sölden Bilanz: „Der Wintersport ist machbar“

ÖSV-Präsident Schröcksnadel zeigte sich nach Sölden-Event bestätigt und stellte sich demonstrativ vor seine Riesentorlauf-Mannschaften. OK-Chef Falkner bilanzierte mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Über dem Morgennebel – Stefan Brennsteiner hatte für die grandiosen Ausblicke wenig übrig und war letztlich als 17. der bestplatzierte Österreicher.
© gepa

Von Max Ischia

Sölden – Nie waren die ÖSV-Alpinen in Sölden schlechter in einen Weltcup-Winter gestartet als dieses Wochenende. Und doch überwog bei Verbandschef Peter Schröcksnadel die Zufriedenheit. Mit Altersmilde hatte das nichts zu tun. Schon eher damit, dass der Österreichische Skiverband (ÖSV) in Zusammenarbeit mit den örtlichen Organisatoren einen Auftakt-
event auf die Beine gestellt hatte, der den strikten Covid-19-Verordnungen standhielt. Mehr noch: „Wir haben gezeigt, dass Wintersport machbar ist“, sagte der 79-Jährige, sprach von einem wichtigen Signal für den Wintertourismus und meinte weiter: „Wir haben viel dazugelernt, andere können sich nun von uns etwas abschauen.“ Er dürfte damit mehr das Organisatorische gemeint haben.

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Wenn er also zwischen einem ÖSV-Sieg oder einer gelungenen Abwicklung des ersten Wintersportevents hätte wählen müssen, der erfolgsbeseelte Langzeit-Boss hätte sich für Letzteres entschieden: „Weil es für den gesamten Sport wichtiger ist.“ Folgerichtig wird dieses Konzept auch für den in vier Wochen anstehenden Parallel-Event in Lech/Zürs angewandt.

„Nirgendwo hat man so viel Platz wie bei Skirennen"

Wie es in weiterer Folge mit dem Wintersport im Allgemeinen und dem Ski-Weltcup im Besonderen weitergeht, wollte er sich nicht festlegen. Auch weil staatliche Verordnungen, Reisewarnungen etc. angesichts der europaweit steigenden Covid-Zahlen nicht absehbar seien. Aus seiner Sicht wäre es aber „völlig falsch, die Leute einzusperren. Im Freien kann einem ja nichts passieren, sofern Abstand gehalten wird.“ So gesehen könnte er sich durchaus 5000 Leute entlang einer Piste vorstellen. „Nirgendwo hat man so viel Platz wie bei Skirennen. Du brauchst keine Tribüne, wo du gezwungen bist, an einem bestimmten Platz zu stehen.“ Auch die Frage, ob der Weltcup in diesem Jahr zu Ende gefahren werden könne, ließ er offen: „Das hängt auch stark von Reisebeschränkungen ab. Wenn die Leute nicht kommen können oder wir nicht hinfahren dürfen, dann wird es kritisch.“

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Dass die einst so erfolgsverwöhnte Mannschaft über die Ränge 15 (Katharina Truppe) bzw. 17 (Stefan Brennsteiner) nicht hinauskam, bezeichnete Schröcksnadel als „völlig unzufriedenstellend“, stellte sich aber schützend vor seine Mannschaft: „Wir können schnell Ski fahren.“

Jakob Falkner, seit 1993 OK-Chef des alpinen Gletscher-Auftakts und oberster Bergbahner, bilanzierte derweil mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Was wir uns unter diesen Voraussetzungen erhoffen durften, ist eingetreten. Abgesehen von einem sportlichen Top-Event hat auch unser Covid-Konzept sehr gut funktioniert.“ Dass die beste Wintersportwerbung mit traumhaften Bildern nicht den gewohnten Effekt mit sich bringt, sei bedauerlich: „Normal haben wir unser Hotel voll. Diesmal werden wir es überhaupt das erste Mal schließen. So wie viele andere Hotels.“

Kommentar: Lockdown

Von Max Ischia

Sportlich, das zeigten die beiden Riesentorläufe im nicht mehr ewigen Ötztaler Eis, hat das heimische Ski-Team noch gehörig Luft nach oben. Organisatorisch war’s eine bemerkenswerte Demonstration, wie man in Zeiten wie diesen einen Wintersport-Event durchführen kann. Der Impuls freilich, der gewöhnlich vom alpinen Weltcup-Auftakt ausgeht, wird in diesem Jahr in vielerlei Hinsicht verpuffen. Dabei hätten die TV-Bilder, die auch am Sonntag in die europäischen Wohnzimmer geliefert wurden, kaum eindrücklicher sein können: blitzblauer Himmel, Pulverschnee, juchhe!

Doch über der Wintersportbranche hängt ein Schleier der Ungewissheit und der örtliche Tourismus zieht zwischenzeitlich die Notbremse. Angesichts der Reisewarnungen der Kernländer Deutschland und Niederlande und des Ausbleibens der Gäste verordnen sich zahlreiche Sölder Hotels selbst einen „Lockdown“. Sie schließen mit heute Montag – nicht alle werden schnell wieder aufsperren. Da kann es sich hier auf den Gletschern noch so fantastisch Ski fahren lassen.


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