Gebauer und das Lehrspiel gegen die Bayern: „Bestrafen Fehler gnadenlos"

Der Naviser Christian Gebauer hatte im Bielefeld-Dress 70 Minuten lang die Möglichkeit, dem deutschen Rekordmeister genau auf die millionenschweren Kickerbeine zu schauen.

Christian Gebauer scheiterte mit einer Topchance an Bayern-Goalie Manuel Neuer. Vor allem defensiv war der Tiroler beim 1:4 gefordert.
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Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Einmal in der deutschen Bundesliga gegen den FC Bayern auflaufen – dieser Bubentraum erfüllte sich für Christian Gebauer. Der 26-jährige Tiroler stand am Samstag in der Anfangself von Arminia Bielefeld und war auch gestern trotz der 1:4-Niederlage noch ganz im Bann seines bisherigen Karriere-Höhepunktes. „Eine gewaltige Sache, extrem lässig“, ließ der Naviser seinen 70-minütigen Auftritt gegen Neuer, Lewandowski, Alaba und Co. im TT-Gespräch noch einmal Revue passieren. „Ich hatte es hauptsächlich mit Pavard und Süle zu tun. Außerdem war ich natürlich auch defensiv stark gefordert.“

Was macht die Bayern so stark? „Das Tempo, die Passgenauigkeit und einstudierte Abläufe. Außerdem bestrafen sie Fehler gnadenlos“, so Gebauer, der von Navis aus über die Reichenau, Wattens und Alt­ach den Sprung in die deutsche Bundesliga schaffte. Zur vergebenen Chance gegen Manuel Neuer? „In dem Moment hab’ ich mich nur darauf konzentriert, ein Tor zu machen. Erst danach habe ich dem Bayern-Goalie in die Augen geschaut.“ Der Unterschied zur österreichischen Bundesliga? „Die Intensität sowohl beim Training als auch in der Liga.“ Für die Zukunft wünscht sich der Tiroler Flügelflitzer jede Menge Einsatzzeiten bei Bielefeld, endlich wieder Zuschauer in den Stadien und weitere Höhepunkte wie jener gegen die Bayern. Stimmt es, dass Thomas Müller im Spiel permanent was zu sagen hat? „Absolut. Er ist der Freigeist, der Räume schafft, einteilt und das Kommando führt. Er ist der Chef und es horchen auch alle auf ihn“, bestätigt Gebauer auch die Meinung des Bayern-Trainers.

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Für Joachim Löw verzichtbar, für Hansi Flick unersetzlich: Eigentlich sind sich der Bundestrainer und sein langjähriger Co-Trainer in den meisten Fußball-Fragen einig. Dass Löw eine Rückkehr von Thomas Müller in die Nationalelf aber weiter ausschließt, erweist sich für den Bayern-Trainer derzeit fast schon als Glücksfall. Im Mammutprogramm vor dem Start der Champions League kürte Flick den ausgeruhten Ex-Weltmeister zum Schlüssel für den Erfolg der Münchner.

Als er nach dem 4:1 in Bielefeld zu Lobeshymnen für Robert Lewandowski aufgefordert wurde, schlug Flick in jedem Interview schnell den verbalen Haken zum anderen Doppel-Torschützen. „Ihn muss ich herausheben“, sagte Flick über Müller. „Er tut uns sehr gut.“ Die körperlichen Reserven, die sein ehemaliger Chef Löw dem 31-Jährigen durch die Pause in den Länderspiel-Wochen lässt, nützt Flick deshalb gerne aus. Obwohl Müller keine 48 Stunden vorher im Pokal gegen Düren (3:0) eine Stunde lang auf dem Platz gestanden hatte, spielte er in Bielefeld durch. „Ich hätte ihn eigentlich rausnehmen müssen, aber er war neben Lewy unser wichtigster Mann“, sagte Flick und hörte mit dem Schwärmen gar nicht mehr auf: „Es ist klasse, wie er die Räume sieht. Wie er das Spiel verlagert. Nach der Roten Karte wusste er, wie man das Zentrum im Mittelfeld verteidigt. Er war immer anspielbar und macht vieles geschickt.“

Das kongeniale Duo Müller und Lewandowski, das sich in Bielefeld auch noch Tore gegenseitig vorbereitete, ist für den Champions-League-Sieger auch deshalb so wichtig, weil die Münchner Defensive aktuell ein brüchiges Gebilde ist. Mehr als die acht Gegentore nach vier Spielen kassierten bis Samstag nur drei der 18 Bundesligisten.


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