Europa kämpft gegen zweite Welle: Wales mit Lockdown, Notstand in Slowenien

In ganz Europa verschärfen Staaten ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Vielerorts gelten frühe Sperrstunden, Ausgangsbeschränkungen oder eine ausgeweitete Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Mund-Nasen-Schutz muss nicht nur in Österreich verstärkt getragen werden.
© BARBARA GINDL

Brüssel – Angesichts steigender Corona-Fallzahlen haben eine Reihe europäischer Länder weitere Restriktionen beschlossen. In Wales soll am Freitag ein zweiwöchiger Lockdown beginnen, in Belgien trat am Montag eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft, Italien führte eine Sperrstunde ab Mitternacht und die Schweiz eine Maskenpflicht in öffentlichen Räumen ein.

"Wir haben jetzt die schwierige Entscheidung getroffen, eine zweiwöchige Ausgangssperre zu verhängen, die am Freitag um 18 Uhr beginnt", teilte der walisische Regierungschef Mark Drakeford mit. Nur dringend benötigte Arbeitskräfte dürfen ihr Zuhause in dieser Zeit verlassen, Treffen mit Menschen außerhalb des eigenen Haushalts sind dann nur Alleinlebenden und Alleinerziehenden gestattet.

Ohne den Lockdown werde der nationale Gesundheitsdienst NHS die vielen Covid-19-Patienten nicht mehr angemessen behandeln können, betonte Drakeford. Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs. Mit fast 47.000 Corona-Toten weist Großbritannien die höchste Opferzahl Europas auf.

Bereits mehr als 250.000 Corona-Tote in ganz Europa

Europaweit wurden mittlerweile bereits rund 7,4 Millionen Corona-Infektionen nachgewiesen. Am Sonntag überstieg die Zahl der Corona-Toten auf dem Kontinent die Marke von 250.000 Fällen.

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Viele europäische Länder kämpfen derzeit mit einer zweiten Welle der Pandemie. In der vergangenen Woche schoss die Zahl der Neuinfektionen in Europa um 44 Prozent in die Höhe. Einen erneuten wirtschaftsschädigenden Lockdown wollen die Regierungen aber mit aller Kraft vermeiden.

In Slowenien hat am Montag einen 30-tägigen Pandemie-Notstand ausgerufen. Es gilt ab Dienstag eine Ausgangssperre zwischen 21.00 und 6.00 Uhr sowie ein Verbot von Auslandsreisen. Nur für Volksschüler findet noch Präsenzunterricht statt, die Obergrenze für private Treffen wurde auf sechs Menschen gesenkt.

Praktisch „Lockdown“ für Berchtesgadener Land

In oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) praktisch einen „Lockdown“ verhängen. Es werde ein Maßnahmenpaket geben, „das einem Lockdown entspricht“, sagte Söder. Das Robert Koch-Institut meldete am Montag für den Landkreis eine Sieben-Tage-Inzidenz von 252,1 - das war zunächst ein deutschlandweiter Rekord.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) solle gemeinsam mit dem Landkreis und der Regierung von Oberbayern die Details ausarbeiten. Das öffentliche Leben müsse im Berchtesgadener Land heruntergefahren werden. „Anders geht es nicht“, sagte Söder. Die Kontakte der Infizierten könnten dort nicht mehr verfolgt werden. „Also müssen Kontakte fundamental beschränkt werden“, sagte er. Es werde sehr konsequent und sehr deutlich reagiert werden. „Es wird das härteste Protokoll sein, das wir jetzt an der Stelle haben werden.“

Maßnahmen in Frankreich und Italien sollen Kontakte verringern

Wie am Wochenende in Paris und acht weiteren französischen Städten trat am Montag auch in Belgien eine nächtliche Ausgangssperre von Mitternacht bis 5 Uhr in Kraft. Ab 20 Uhr ist außerdem der Verkauf von Alkohol verboten. Angesichts überlasteter Krankenhäuser müssen landesweit alle Cafes und Restaurants für mindestens vier Wochen schließen. Belgiens Bürger dürfen nur noch mit maximal einem Menschen außerhalb ihres Haushalts engen Kontakt ohne Maske haben.

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte verkündete am Sonntag eine Sperrstunde ab Mitternacht für Bars und Restaurants. Maximal sechs Gäste dürften noch pro Tisch in den Lokalen sitzen. Ab 18 Uhr werden keine stehenden Gäste mehr bedient.

📽️ Video | Vospernik (ORF) zur Lage in Italien

Die Schweizer Regierung beschloss am Sonntag eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen wie Geschäften und Lokalen. Außerdem gelten seit Montag Beschränkungen für private Feiern und öffentliche Versammlungen mit mehr als 15 Menschen. Ziel sei es, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, erklärte die Regierung in Bern. Als erster Kanton untersagte Bern wieder Versammlungen mit mehr als 1.000 Menschen.

Nationalstadion in Warschau wird Corona-Lazarett

Die polnische Regierung verfügte wegen überlasteter Krankenhäuser, Teile des Nationalstadions in Warschau zu einem Corona-Lazarett umzufunktionieren. Ab Ende der Woche sollen dort rund 500 Betten, davon 50 Intensivbetten, für Covid-19-Patienten bereitstehen.

Der Iran meldete am Montag mit 337 Corona-Toten einen neuen Tagesrekord. In Israel, Saudi-Arabien und Australien wurden die Corona-Beschränkungen inzwischen gelockert. (TT.com, APA, AFP)


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