Debatte neu entflammt: Bayern schließt Grenzkontrollen nicht aus

Im Frühjahr führt Deutschland eilig Grenzkontrollen ein, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Die unschönen Folgen: Pendler und Lastwagenfahrer stehen im Stau, unverheiratete Paare können sich wochenlang nicht sehen. Bayerns Innenminister kann sich dennoch eine Neuauflage vorstellen.

Schengen war im Frühjahr zeitweise außer Kraft gesetzt.
© dpa

München – Angesichts der zugespitzten Corona-Lage in Europa hält Bayerns Innenminister Joachim Herrmann es für möglich, dass man wieder über Grenzkontrollen sprechen muss. „Die Diskussion um verstärkte Grenzkontrollen könnte wieder aufflammen, falls das Infektionsgeschehen in den Nachbarländern außer Kontrolle gerät", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

„Gleichzeitig haben wir die engen wirtschaftlichen Beziehungen mit intensivem Pendelverkehr von Arbeitnehmern, etwa mit Tschechien und Österreich, im Blick." In Tschechien war die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt sprunghaft nach oben geschossen. Auch in Österreich steigt die Zahl der Neuinfektionen wie praktisch überall in Europa.

Maas spricht von „schlechten Erfahrungen"

Im Gegensatz zu Herrmann erteilte der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer, erneuten Abriegelungen eine Absage. Auf die Frage, ob wegen der steigenden Corona-Zahlen wieder Grenzschließungen drohen, sagte der CSU-Politiker der Passauer Neuen Presse: „Nein. Die Situation Mitte März 2020 war europa- und weltweit geprägt von großer Unsicherheit im Umgang mit dem Virus." Im Frühjahr habe es noch keine regionalen Anti-Corona-Konzepte gegeben. „Erneute Binnengrenzkontrollen aus Anlass der Pandemie gilt es daher zu vermeiden", sagte Mayer. Die Bundesregierung beobachte allerdings die Corona-Entwicklung "mit hoher Aufmerksamkeit".

Zuletzt hatte Bundesaußenminister Heiko Maas vor erneuten Grenzschließungen im Zuge der Corona-Pandemie gewarnt. Man habe im Frühjahr dieses Jahres „schlechte Erfahrungen gemacht mit der zu schnellen Schließung von Grenzen". Zu Beginn der Corona-Pandemie hatte Deutschland Grenzkontrollen wiedereingeführt – an vielen Grenzen zu den Nachbarländern kam es zu Chaos. Grenzgänger, die im jeweils anderen Land arbeiteten, durften die Grenze zwar passieren – da ein Großteil der Übergänge aber geschlossen war, kam es zu langen Staus und Wartezeiten. Außerdem mussten die Menschen Ausgangsbescheinigungen und Nachweise über den Arbeits- oder Wohnort mit sich führen. Unverheiratete Paare und auch Familien waren über Wochen getrennt. Erst Mitte Juni wurden die Regeln für eine Einreise wieder gelockert. (dpa)

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