Idylle als Hotspot: Ausgangssperre im Berchtesgadener Land in Bayern

Erstmals seit dem Lockdown im Frühjahr gelten wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen im bayerischen Landkreis Berchtesgadener Land wieder strikte Ausgangsbeschränkungen. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist seit Dienstag nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Hunderte Touristen müssen sofort abreisen.

Wegen extrem gestiegener Corona-Zahlen gelten im Berchtesgadener Land für zwei Wochen Ausgangsbeschränkungen.
© Peter Kneffel

Bad Reichenhall – Im Kampf gegen das Coronavirus greift Bayern wegen ungebremster Infektionszahlen im Kreis Berchtesgadener Land zu drastischen Maßnahmen. Seit Dienstag 14 Uhr an gelten in der Region an der Grenze zu Österreich die ersten Ausgangsbeschränkungen seit dem Lockdown im Frühjahr.

Die Menschen dürfen die eigene Wohnung dann nur noch aus triftigen Gründen verlassen. Schulen, Kitas, Freizeiteinrichtungen und Restaurants müssen schließen, Veranstaltungen werden untersagt.

Zu triftigen Gründen für das Verlassen der Wohnung zählen beispielsweise die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, nötige Einkäufe, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft – dies aber nur alleine oder mit Angehörigen des eigenen Hausstands.

Der Landkreis lag bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz – die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen – am Montagabend bei 272,8. Das ist deutschlandweit Spitzenwert. Die Beschränkungen gelten vorerst für 14 Tage.

📽️ Video | Berchtesgadener Land muss in den Lockdown

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte Montagmittag bereits angekündigt, das öffentliche Leben müsse im Berchtesgadener Land heruntergefahren werden. „Anders geht es nicht", sagte Söder. Auch die Nähe zu Österreich dränge zu einschneidenden Maßnahmen, sagte Söder. Wenn jetzt nicht konsequent gehandelt würde, sei die hohe Zahl nicht mehr zu reduzieren.

Hunderte Touristen müssen Berchtesgadener Land verlassen

Die strikten Ausgangsbeschränkungen haben am Dienstag auch Hunderte Feriengäste zur Abreise gezwungen. Die Berchtesgadener Land Tourismus schätzte die Zahl der Gäste, die in der Bergidylle rund um Watzmann und Königssee teils die Herbstferien verbringen wollten, auf knapp 2500. Der Sommer sei zwar für manche Beherbergungsbetriebe sogar besser gelaufen als das Vorjahr, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Aber: „Teilweise sind noch nicht mal die Schäden aus dem Frühjahr kompensiert.“ Der Lockdown hatte damals Hoteliers und Gastgebern schwere Einbußen gebracht.

Für die nächste Zeit gebe es nicht viele Stornierungen – denn die meisten Gäste hätten sich ohnehin mit langfristigen Planungen zurückgehalten. Wie sich die hohen Zahlen und die Ausgangsbeschränkungen dauerhaft auswirkten, hänge nicht zuletzt davon ab, „wie lange das dauert und wie groß der Imageschaden ist.“

"Lockdown" in Bayern bereitet Salzburger Handel Sorgen

Die Ausgangsbeschränkungen im Berchtesgadener Land dürften auch wirtschaftliche Folgen für das benachbarte Salzburg haben. Zwar bleiben die Grenzübergänge offen, Appelle aus Deutschland, sich im beidseitigen Einkaufsverkehr von und nach Österreich zurückzuhalten, bereiten dem Handel in Salzburg aber wenig Freude. Und es herrscht Sorge, dass die Maßnahmen verlängert werden könnten.

"Zumindest ist der Wirtschafts- und Reiseverkehr nicht wirklich eingeschränkt", sagte der Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg, Peter Buchmüller. "Und auch die Pendler können weiter über die Grenze fahren." Er gehe jedoch davon aus, das sich die meisten Leute an die Aufforderung halten und nicht mehr nach Salzburg kommen bzw. nach Bayern zum Einkaufen fahren. Solange der Lockdown zeitlich begrenzt sei - er gilt für mindestens zwei Wochen - könne man damit leben. "Schlimm wäre es, wenn es zu Grenzschließungen kommt. Das wäre der Supergau".

Grundsätzlich kämen mehr Bayern zum Einkaufen nach Salzburg, als umgekehrt. "Die Maßnahmen im Berchtesgadener Land werden darum Auswirkungen auf den Handel haben. Aber ein wenig wird es sich vielleicht ausgleichen, wenn kaum mehr Österreicher über die Grenze fahren", so Buchmüller. Wichtig sei, dass das Weihnachtsgeschäft nicht betroffen ist. "Anfang November beginnt ja schon das Geschäft mit den Early Shoppern, die schon früh Geschenke kaufen." (TT.com, APA, dpa)


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