Arbeitsbedingte Unfälle und Erkrankungen kosten 10 Milliarden Euro

Krebs, psychische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen sind am häufigsten. Die AK fordert mehr Prävention und Arbeitszeitverkürzung.

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Wien – Arbeitsbedingte Unfälle sowie Erkrankungen kosten die betroffenen Personen, die Wirtschaft sowie das Gesundheits- und Sozialsystem in Österreich pro Jahr rund 10 Milliarden Euro, berechnete das Wifo in Anlehnung an Daten der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz aus dem Jahr 2015. Am häufigsten waren Krebs, Verletzungen, psychische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Die Arbeiterkammer fordert mehr Prävention und eine Arbeitszeitverkürzung.

Mehr als vier Fünftel aller Folgekosten gehen laut Wifo auf arbeitsbedingte Erkrankungen zurück, weniger als ein Fünftel auf Arbeitsunfälle. Die direkten sichtbaren Kosten wie Behandlungskosten oder Verwaltungskosten würden nur einen geringen Anteil ausmachen - weniger als eine Milliarde Euro der in Summe 10 Milliarden Euro, sagte Thomas Leoni vom Wifo am Dienstag bei einem Pressegespräch.

📽️ Video | Arbeiterkammer-Studie zu Krankenständen

"Schlechte Arbeitsbedingungen machen krank"

Den Löwenanteil machten indirekte Kosten aus, wie Produktions- und Wertschöpfungsverluste durch die Abwesenheit vom Arbeitsplatz bzw. dem frühzeitigen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Kosten würden auch dadurch entstehen, dass die Leistungsfähigkeit und Produktivität durch gesundheitliche Einschränkungen sinken, so Leoni. Das Wifo hat hier auch Kosten für Leid und Tod (intangible Kosten) berücksichtigt.

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AK-Präsidentin und ÖGB-Vizechefin Renate Anderl
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"Schlechte Arbeitsbedingungen machen krank. Jedes Jahr sterben geschätzte 1800 Menschen in Österreich an arbeitsbedingtem Krebs", sagte Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl. Eine zentrale Rolle spielten wirksame Schutzbestimmungen und die Risikobewertung einzelner Arbeitsstoffe. So müssten die Grenzwerte "dringend" auf den aktuellen Stand der Wissenschaft gebracht werden.

AK fordert Arbeitszeitverkürzung

Dass Prävention wirke, zeige die Einführung des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes im Jahr 1995. Seither seien Arbeitsunfälle um ein Drittel gesunken, sagte Anderl. Die AK fordert die Erweiterung der Präventionskompetenz der AUVA über das Unfallgeschehen hinaus auch auf arbeitsbedingte Erkrankungen. Auch kürzere Arbeitszeiten würden dazu beitragen, dass Unfälle und Krankenstände zurückgehen. Die Präsidentin der Arbeiterkammer rührt schon länger die Werbetrommel für eine Arbeitszeitverkürzung, stößt damit aber bei Arbeitgebervertretern auf Ablehnung.

Die Kosten für arbeitsbedingte Unfälle und Erkrankungen würden die Betroffenen zu fast 60 Prozent selbst tragen, so AK und Wifo. Das Sozialsystem fängt knapp ein Viertel ab. "Vergleichsweise billig steigen die für die Arbeitsbedingungen verantwortlichen Arbeitgeber aus. Sie haben lediglich 17 Prozent der Kosten zu schultern", so Anderl. (APA)


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