Tiroler Ärztekammer: „Antigentest nicht in allen Praxen möglich"

Niedergelassene Ärzte könnten ab heute in ihren Praxen – auf freiwilliger Basis – Covid-19-Antigentests durchführen. In Tirol seien dazu aber nicht alle Vertragsarztpraxen in der Lage, so die Ärztekammer.

Niedergelassene Ärzte dürfen seit Donnerstag – auf freiwilliger Basis – Antigentests durchführen. Vieles sei allerdings noch unklar, so die Ärztekammer.
© ROBERT JAEGER

Wien – Der Präsident der Tiroler Ärztekammer, Artur Wechselberger, begrüßte am Donnerstag die neue "patientennahe Testung" mit Antigentests bei Hausärzten und spricht von einem "großen Fortschritt", allerdings würden nicht alle Vertragsarztpraxen Tirols in der Lage sein, die für die Testungen notwendige zeitliche und räumliche Trennung der Verdachtsfälle von den übrigen Patienten umzusetzen.

Dies sei aber die Grundvoraussetzung, um die Abklärung von symptomatischen Patienten in Praxen so durchzuführen, wie es die neue Gesetzeslage seit heute ermöglicht, so Wechselberger.

"Große organisatorische Herausforderungen"

"Gerade im städtischen Bereich, in dem viele Arztpraxen in Wohnhäusern und engen räumlichen Gegebenheiten situiert sind, stehen viele Ärzte vor großen organisatorischen Herausforderungen", ergänzte der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Momen Radi. Für die Patienten bestehe allerdings nach wie vor die Möglichkeit über ihre Hausärzte im Testprogramm des Landes und seinen Teststraßen getestet zu werden.

Es sei jedenfalls wichtig, so Wechselberger, dass Patienten mit Covid-19-Symptomen wie Husten, Fieber, Geschmacksstörungen oder Atembeschwerden sich telefonisch an die Hausärzte wenden. "Diese werden dann entscheiden, ob eine Testung in der eigenen Praxis möglich ist. Wenn nicht, dann werden die Ärzte ihre Patienten wie bisher zur Testung anmelden. Die Abstrichabnahme wird dann in einer Teststraße bzw. durch den Hausbesuch eines Epidemiearztes, der den Abstrich durchführt, organisiert werden. Auch können sich Patienten weiterhin direkt über die Telefonnummer 1450 melden", erklärte Wechselberger.

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"Ordinationen gehen in Anfragen unter"

Die Österreichische Ärztekammer (ÖAK) hat teils heftige Kritik an den seit heute möglichen Antigen-Schnelltests bei niedergelassenen Ärzten geäußert. Zwar werde die Möglichkeit der Testungen auf freiwilliger Basis weiterhin begrüßt, allerdings würden "halbgare Lösungen" Patienten verunsichern. Außerdem gehen Ordinationen in Anfragen unter, hieß es in einer Aussendung. Auch sei die Verordnung ohne Einvernehmen mit der Ärztekammer erlassen worden, kritisierte diese.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) habe die Vorgehensweise nicht zu Ende gedacht. "In der konkreten Frage ist noch nicht einmal geklärt, welche und wie viele Ärztinnen und Ärzte mitmachen, die Abrechnung ist noch unklar – ja nicht einmal die Tests stehen schon zur Verfügung", sagte Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte.

Anschober hatte am Mittwoch in einer Pressekonferenz gesagt, dass es ausreichend Tests gebe. Das Gesundheitsministerium betonte am Donnerstag, dass die Kosten für die Tests vom Bund übernommen und über die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) abgerechnet werden.

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Steinhart forderte das Gesundheitsministerium auf, die Finanzierung der zentralen Infektionsordinationen in Wien und anderen Ballungsräumen anzugehen. Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres betonte am Donnerstag erneut, dass die Schnelltests in den meisten Ordinationen in Wien nicht durchgeführt werden können, da die räumlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind.

Edgar Wutscher, Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin, berichtet von erheblicher Zusatzbelastung der Hausärzte: "Ärztinnen und Ärzte werden nun überrannt, obwohl wesentliche Kernpunkte noch offen sind. Selbst wenn sie gerne testen möchten, können sie das noch nicht, weil die Tests nicht da sind. Es kann nicht sein, dass Ärztinnen und Ärzte, die derzeit ohnehin unter Dauerbelastung stehen, diesen Schnellschuss ausbaden müssen." (TT.com, APA)


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