Schlupflöcher in neuer Corona-Verordnung: Mit der Wurstsemmel ins Stadion

Die VIP-Bereiche dürfen offen bleiben, Sportveranstaltungen mit einer längeren Dauer können Essen und Trinken in Kantinen anbieten. Gesundheitsminister Anschober gab zu bedenken, dass Fans in Stadien europaweit ohnehin die Ausnahme seien und begründete auch die einheitliche Limitierung der Zuschauerzahlen.

Die Rapid-Fans gaben ihre Meinung beim EL-Match am Donnerstag zum Besten.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Bis Donnerstagabend hat sich die Bundesregierung für die neueste Corona-Verordnung Zeit gelassen, und für den Sport konnten die diversen Lobbyisten doch noch einige Einschränkungen verhindern. Gesundheitsminister Rudolf Anschober erklärte am Freitag, dass "heiß diskutiert" wurde, warum es im internationalen Vergleich überhaupt noch Sportveranstaltungen in dieser Größenordnung geben soll. Die bisher guten Erfahrungen (keine Cluster) haben ein Totalverbot verhindert.

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Neben der Reduzierung von 1500 auf 1000 Fans indoor bzw. von 3000 auf 1500 im Freien bei zugewiesenen Sitzplätzen ist zumindest teilweise die Verköstigung der Fans "gerettet" worden. Tennis-Turnierdirektor Herwig Straka zeigte sich diesbezüglich erfreut. "Was Gott sei Dank ein bisschen aufgelockert wurde und auch Sinn macht, ist die Gastronomie. Veranstaltungen, die lange dauern, wie eben auch unser Turnier, wird es jetzt doch ermöglicht, Speisen und Getränke anzubieten", meinte er.

Essen zum Mitnehmen, Getränke werden umgefüllt

In der Stadthalle wird auch das Mitnehmen eigener Speisen und Getränke (Letztere müssten aber aus Flaschen und Dosen in Becher umgefüllt werden) gestattet sein. Der VIP-Club kann bestehen bleiben, weil der VIP-Bereich in einer eigenen Halle ist und auch als eigene Veranstaltung behandelt wird. Ähnliches gilt zumeist auch für den Kantinenbetrieb im Fußball.

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In der Fußball-Bundesliga ergibt sich das Kuriosum, dass die Samstag-Partie zwischen Austria und Red Bull Salzurg noch vor bis zu 3000 Fans, jene am Sonntag aber nur noch vor maximal 1500 stattfinden werden. Die Austria darf im Heimspiel gegen Salzburg beispielsweise auch noch den Gastro- bzw. den VIP-Bereich wie gewöhnlich abwickeln, ein "normaler Spieltag" in Coronazeiten, wie es im Rahmen eines Pressetermins hieß. Auf den Tribünen dürfen die Besucher auf ihrem Sitzplatz auch die Schutzmaske abnehmen.

Beim LASK müssen sich die Besucher auf der Linzer Gugl am Sonntag gegen St. Pölten dahingehend verköstigen, dass sie die Wurstsemmeln selbst ins Stadion mitnehmen dürfen. Für Getränke aller Art könne auf den Tribünen aber keine Ausnahme gemacht werden, betonte der Club. Ein Mitbringen von Wasserflaschen widerspricht auch den Sicherheitsbestimmungen der Liga, da diese als potenzielle Wurfgeschosse betrachtet werden. Den VIP-Club will der LASK öffnen - da dieser auch gesetzlich als eigener Gastronomiebereich geführt wird, was die Behörde so bestätigt habe.

Zuschauer in Stadien europaweit eher die Ausnahme

Insgesamt würden die Vereine aber oft im Dunklen tappen, wie Peter Stöger, Austrias General Manager Sport, anmerkte. "Was wir uns bei allen Ankündigungen wünschen würden, ist wenigstens Klarheit. Das würde uns weiterhelfen", sagte der Trainer der Wiener mit Blick auf die am Donnerstagabend veröffentlichte Verordnung. Die Vereine müssten zeitgerecht wissen, "was am Ende des Tages umzusetzen ist". Stöger führte auch an, dass viele Fans womöglich von einem Stadionbesuch abgeschreckt seien: "Es kann sein bei dem ganzem Hin und Her, dass die Leute sagen: Das interessiert mich nicht mehr. Klarheit ist in Zeiten wie diesen schon ein sehr wertvolles Gut."

Klarheit versuchte auch Gesundheitsminister Anschober zu geben. Beispielsweise auch auf die Frage, warum man bei weit größerer Halle oder in größeren Stadien nicht mehr Zuschauer zulassen könne als in kleineren. "Da gibt es die Problematik, dass wir ein Grundsystem in Österreich haben, das auf Teilnehmerzahlen aufbaut - in allen Bereichen. Ich könnte es mir noch theoretisch vorstellen in einer Prozentrechnung in den Fußballstadien. Ganz schwierig wird es bei anderen Einrichtungen wie Theater, Oper." Nicht immer sei die Kapazitätszahl mit dem Ansteckungsrisiko gleichzusetzen. "Wir haben uns generell dazu entschieden, dass wir die Teilnehmerzahl zum Standard machen. Das wird übrigens in den meisten anderen europäischen Ländern auch so praktiziert. In den meisten europäischen Staaten gibt es die Möglichkeit, zu einem Fußballspiel zu gehen, derzeit nicht", erklärte der Minister.

Man wolle ein Minimum an normaler Lebenssituation aufrechterhalten. "Das bedeutet etwas, ob man noch ins Stadion gehen kann oder nicht. Und wenn sich die Betroffenen daran halten, dann sollte man das Fenster zumindest nicht ganz zumachen", so Anschober. (APA)


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