Verschwörungstheorien: Mit dem Virus verbreitet sich QAnon

Die Pandemie befördert die anti-wissenschaftliche, antisemitische und extremistische Bewegung. Vor allem in den USA ist QAnon besonders stark vertreten.

Die Anhänger der Verschwörungstheorie QAnon wie hier am Hollywood Boulevard in Los Angeles am 22. August 2020 sind in den USA besonders stark verbreitet.
© KYLE GRILLOT

Washington, London – Mit dem Coronavirus haben sich in den vergangenen Monaten auch Verschwörungstheorien der QAnon-Bewegung über den ganzen Globus verbreitet.

Bei weltweiten Demonstrationen gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche ist das große Q, das Symbol der Bewegung, zu sehen. Die Pandemie sei eine Verschwörung von Pädophilen, warnen die Demonstranten. Durch Impfungen und die 5G-Handytechnologie sollten die Menschen kontrolliert werden.

Obwohl diese Behauptungen jeglicher Grundlage entbehren, ist die Zahl der Anhänger seit März sprunghaft angestiegen.

Laut Mackenzie Hart, die am Londoner Politikinstitut ISD zu Desinformation forscht, habe die Pandemie verschiedene Verschwörungstheorien vorangebracht: „Die Leute müssen nicht nur drinnen bleiben und verbringen mehr Zeit online, sondern sie haben auch Angst. Und wenn Menschen Angst haben, bieten Verschwörungstheorien einfache Antworten."

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Informationen zur QAnon-Verschwörungstheorie

  • Die Bewegung hat ihren Ursprung in den USA. Ein gewisser „Q" postete im Herbst 2017 in einem anonymen Internetforum mysteriöse Botschaften.
  • Q behauptet, er sei Mitarbeiter des US-Geheimdienstes und habe Zugang zu geheimen Informationen. Seine Botschaften, genannt „Q-Drops", werden von seinen Anhängern in Online-Medien diskutiert und verbreitet.
  • Die wesentliche Behauptung lautet, die Vereinigten Staaten würden von einer kriminellen und satanistischen Organisation beherrscht. Die früheren Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama sowie Hollywoodstars würden ihr angehören. Donald Trump würde diese „dunklen Mächte" bekämpfen.
  • Viele QAnon-Botschaften sind antisemitisch und rechtsradikal. Manche Anhänger zeigen sich gewaltbereit. Laut US-Bundespolizei geht von der Bewegung eine Gefahr extremistischer Gewalt aus.
  • In den USA ist die Bewegung am stärksten. Doch Forscher haben etwa 70 Länder ausgemacht, von denen aus Botschaften verbreitet werden. In den Vereinigten Staaten zeigen sich Anhänger der Verschwörungstheorie häufig bei Trumps Wahlkampfveranstaltungen.
  • In Österreich habe der Verfassungsschutz laut Standard-Recherchen ein Auge auf die Bewegung geworfen. Hierzulande gäbe es mehrere tausend Anhänger in Online-Gruppen.
  • Anlaufstellen international: Auf der Online-Plattform Reddit gibt es ein Forum für Betroffene mit Material zur Selbsthilfe. Aussteiger geben dort Tipps und bieten eine Anlaufstelle. Siehe auch: QAnonCasualties, ein Reddit-Forum zur Unterstützung und zum Austausch von Hilfesuchenden.
  • Anlaufstelle österreichweit: Die Beratungsstelle Extremismus des Bundesministeriums für Arbeit, Familie und Jugend bietet Hilfe bei Fragen zum Thema Extremismus. Auf www.beratungsstelleextremismus.at sowie über die kostenfreie Helpline 0800 2020 44 gibt es eine anonyme und vertrauliche Beratung.

Donald Trump verurteilte Verschwörungstheorie bisher nicht. „Ich weiß nichts über QAnon", sagte Trump in der vergangenen TV-Debatte. Die Haltung der Gruppe gegen Pädophilie gefalle ihm jedoch. Im August hatte er die Anhänger von QAnon als „Menschen, die unser Land lieben" beschrieben und sich geschmeichelt gezeigt, dass sie ihn unterstützen. Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden hingegen nennt die Verschwörungstheorie „völlig bizarr" sowie „peinlich und gefährlich".

Online-Medien setzen Maßnahmen

Die Beiträge mit Bezug zu QAnon auf Online-Plattformen nahmen zwischen März und Juni explosionsartig zu, wie eine Analyse des ISD ergab. Also genau in der Zeit, als die Corona-Infektionen weltweit stiegen und die Regierungen mit strengen Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverboten versuchten, die Ausbreitung zu verhindern. Bei Facebook betrug der Zuwachs fast 175 Prozent, bei Instagram 77,1 Prozent und bei Twitter 63,7 Prozent.

Die Social-Media-Giganten sehen sich daher mehr gezwungen, restriktiver vorzugehen (die TT berichtete). Zum Beispiel ändern sie die Empfehlungsalgorithmen, die laut Experten überhaupt erst dazu beigetragen haben, die Inhalte zu verbreiten.

Hunderttausende von Konten, Anzeigen und Hashtags mit Bezug zu QAnon wurden in den vergangenen Monaten auf Twitter, Facebook, Instagram, YouTube und TikTok blockiert oder eingeschränkt. Einige Unternehmen richten ihr Augenmerk bereits auf neue Hashtags und veränderte Schreibweisen, die die Filter überlisten sollen.

Doch die haltlosen Botschaften zirkulieren weiterhin, werden oft auch von Prominenten weiterverbreitet und erreichen immer mehr Menschen. Experten befürchten, dass QAnon dem Kampf gegen die Corona-Pandemie ernsthaft schaden könnte. (APA/AFP/TT.com)


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