Imola-Rückkehr ohne Freitagstraining für Red-Bull-Pilot Verstappen „dumm"

Nur ein Training, Qualifying, Rennen: Das Grand-Prix-Wochenende in Imola geht in verkürzter Version über die Bühne. Dass die Formel 1 dieses Risiko auf einer Strecke eingeht, die zuletzt vor 14 Jahren im Kalender aufschien, stößt einigen Beteiligten sauer auf.

Max Verstappen kann die Entscheidung, das Freitagstraining ausfallen zu lassen, nicht nachvollziehen.
© JORGE GUERRERO

Imola – Die Formel 1 setzt bei ihrer Rückkehr nach Imola auf ein verkürztes Programm. Die Rennserie verzichtet vor dem Grand Prix der Emilia Romagna auf die beiden üblichen Trainings am Freitag, nach einer 90-minütigen Einheit am Samstagvormittag steht am Nachmittag direkt das Qualifying an. Da die Formel 1 seit 2006 nicht mehr in Imola war, sei der Verzicht auf zwei Trainings „dumm“, urteilte Max Verstappen. Mercedes war als Werksteam noch nie auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari.

Ab 1950 auf Anregung von Firmengründer Enzo Ferrari gebaut, gehört der Kurs zu den aufregendsten Strecken Europas. Die auch nach dem Ferrari-Sohn Dino benannte Piste wird wie nur wenige im Kalender gegen den Uhrzeigersinn befahren. Das 4,909 Kilometer lange Autodromo gilt als sehr schnell und erinnert mit Passagen wie Tamburello, Acque Minerali und Piratella an frühere Zeiten.

Kaum Zeit für Arbeit und Abstimmung

Zwischen 1980 und 2006 fanden im Imola 27 Grands Prix statt. Der bisher letzte Sieger war Michael Schumacher, der mit insgesamt sieben Siegen auch der mit Abstand erfolgreichste Fahrer ist. Ayrton Senna und Alain Prost gewannen je dreimal. Nach dem bisher letzten Gastspiel wurden die Strecke umgebaut und die Boxengebäude modernisiert.

Bei der Rückkehr nach 14 Jahren sind die Teams am Wochenende nun zusätzlich unter Druck. Denn es bleibt kaum die Chance für intensive Arbeit an der Abstimmung des Autos. „Mit der verknappten Zeit hat man nicht die Chance, verschiedene Sachen auszuprobieren“, beschrieb Ferrari-Pilot Sebastian Vettel die Herausforderung. „Die Arbeit über Nacht fehlt. Samstagnacht sind die Autos für das Rennen ja gesperrt. Da bekommt man keine Ingenieurs-Power heraus.“

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Red-Bull-Fahrer Verstappen kritisierte den Zugang als „falsch“. „Wenn wir das auf einer bekannten Strecke gemacht hätten, auf der wir mit diesen Autos schon gewesen wären, wäre das kein Problem gewesen“, sagte der Niederländer. Im Imola hätte man die Freien Trainings aber gut brauchen können. Trotzdem freue er sich auf den Kurs, der nur durch die vielen Absagen im Zuge der Coronavirus-Pandemie in den Rennkalender rutschte: „Ich bin schon in der Formel 3 dort gefahren und habe es wirklich genossen. Man braucht ziemlich viel Topspeed, aber auch ein gutes Setup, und es gibt einige Überholmöglichkeiten.“

Einzig Alfa-Romeo-Pilot Kimi Räikkönen hat unter den derzeitigen Piloten schon Formel-1-Erfahrung auf dem Autodromo Enzo e Dino Ferrari gesammelt. Mercedes war als Werksteam überhaupt noch nie dort, was die Mannschaft von Teamchef Toto Wolff aber wohl nicht daran hindern wird, den ersten WM-Titel in der Saison rechnerisch zu fixieren. Sollte die Konkurrenz von Red Bull Racing nicht mindestens 34 Punkte auf Lewis Hamilton und Valtteri Bottas aufholen, sichert ich Mercedes zum siebenten Mal in Folge die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Damit hätte man den Rekord diesbezüglich - auch Ferrari gewann sechsmal in Serie - alleine für sich.

Das tragische Rennwochenende von 1994

Das dritte Ferrari-Heimspiel in diesem Jahr nach Monza und Mugello steht allerdings nicht nur für Tradition, spannende Duelle und große Siege. Die Formel-1-Familie verbindet mit dem Ort auch die Erinnerung an das tragische Rennwochenende des Großen Preises von San Marino 1994. Damals verunglückte erst Rubens Barrichello im Training und kam nur mit viel Glück mit dem Leben davon. Einen Tag später starb der Österreicher Roland Ratzenberger bei einem Crash, ehe am Sonntag die Ikone Senna in der damals ultraschnellen Tamburello-Kurve sein Leben ließ. Die Formel 1 investierte fortan viel in mehr Sicherheit. (APA)

😷 Keine Zuschauer in Imola erlaubt

Zuschauer werden bei der Rückkehr der Formel 1 nach Imola nicht erlaubt sein, wie die Verantwortlichen am Mittwoch mitteilten. Zunächst war von 13.147 Zuschauern ausgegangen worden, bei Verhandlungen schlugen die Veranstalter noch mal die Reduzierung auf die Hälfte vor. Sie waren aber auch damit angesichts der steigenden Coronavirus-Zahlen nicht erfolgreich. An der Rückerstattung für die bereits gekauften Tickets werde gearbeitet, hieß es auf der Homepage des Rennens.


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