Beben in der Ägäis: Mindestens 25 Tote in Türkei und auf griechischen Inseln

Eingestürzte Wohnhäuser, Helfer, die nach Verschütteten suchen, Meerwasser, das als Tsunami über die Ufer tritt: In der östlichen Ägäis hat ein starkes Erdbeben für Zerstörung gesorgt. In der Türkei und auf der griechischen Insel Samos gibt es mehrere Tote.

In den Trümmern eines Hauses in Izmir wird nach Überlebenden gesucht.
© MERT CAKIR

Ankara – Ein starkes Erdbeben in der Ägäis hat in der Westtürkei und auf griechischen Inseln am Freitag für große Zerstörung gesorgt. Mehrere Menschen starben; es kam zu einem Tsunami. Vorläufigen Angaben der türkischen Katastrophenschutzbehörde zufolge starben in der Westtürkei mindestens 25 Menschen, mindestens 800 weitere wurden verletzt. Auf der griechischen Insel Samos starben zwei Jugendliche. Am Samstag ging die Suche nach Überlebenden weiter. Bisher sollen etwa 100 Menschen gerettet worden sein.

Tausende Menschen verbrachten die Nacht nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt Izmir, Tunc Soyer, in Notunterkünften. Zelte wurden errichtet und Helfer teilten in Parks Essen aus, wie auf Bildern zu sehen war. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde Afad gab es Samstag früh in der Region des westtürkischen Bezirks Seferihisar ein Nachbeben der Stärke 5,0. In der Nacht hatte es schon Hunderte Nachbeben gegeben, 35 davon lagen nach Afad-Angaben über der Stärke 4,0.

Das erste Beben hatte nach Angaben der nationalen türkischen Katastrophenbehörde eine Stärke von 6,6. Die für Erdbeben zuständige US-Behörde USGS und die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien gaben die Stärke des Bebens sogar mit 7,0 an. Das Zentrum habe in der Ägäis vor der türkischen Provinz Izmir, rund 16 Kilometer nördlich der griechischen Insel Samos gelegen, berichteten türkische und griechische Medien.

📽️Video | Suche nach Verschütteten in Izmir

In Izmir stürzten nach Angaben des Provinzgouverneurs mindestens vier Gebäude komplett ein. Das Viertel Bayrakli der Küstenstadt war besonders stark getroffen. Nach Angaben des Städte- und Umweltministers Murat Kurum suchten die Helfer am Samstag bei acht Gebäuden weiter nach Überlebenden. In der Nacht auf Samstag seien eine Frau und ein 16-jähriges Mädchen nach 17 Stunden aus einem eingestürzten Gebäude gerettet worden, sagte Kurum. Auf Aufnahmen des Staatssenders TRT war zu sehen, wie Helfer auch eine Katze aus den Trümmern retteten.

Immer wieder mahnten die Einsatzkräfte zur Stille, um Stimmen hören zu können. Sie konnten nach Angaben von CNN Türk Kontakt zu einer Frau mit ihren vier Kindern aufnehmen, die unter den Trümmern vermutet wurden. Nach offiziellen Angaben waren rund 2000 Such- und Rettungsteams und 20 Suchhunde im Einsatz.

Tsunami spülte Autos weg und überflutete Gassen

Sowohl auf Samos als auch an der türkischen Westküste trat bei einem Tsunami nach dem Beben am Freitag das Wasser über die Ufer. Aufnahmen aus Samos zeigten weggespülte Autos, die anschließend quer auf der Straße zum Stehen kamen; Läden und Keller wurden überschwemmt.

Zwei Jugendliche auf Samos kamen auf dem Heimweg von der Schule ums Leben, als wegen des Bebens in einer engen Gasse Hauswände einstürzten. Medien hatten zuvor gemeldet, acht Verletzte würden im Krankenhaus behandelt.

Die Bewohner von Samos waren dazu aufgerufen, die Nacht im Freien – gegebenenfalls in ihren Autos – zu verbringen. Griechische Geologen waren nicht sicher, ob es sich bereits um das Hauptbeben gehandelt hatte. Auch könnten stärkere Nachbeben manche ohnehin schon beschädigte Häuser endgültig zum Einsturz bringen, warnten sie. In der Provinz Izmir boten Moscheen und Hotels den Menschen kostenlos Obdach, wie TRT berichtete.

Letztes Beben dieser Stärke in den 1950er-Jahren

Nach Berechnungen des deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam erreichten die Tsunami-Wellen Höhen von mehr als 1,5 Metern. Tilmann Frederik, Seismologe des Zentrums, sagte, das Beben habe sich in einer Gegend mit großer tektonischer Aktivität ergeben. Das letzte Erdbeben dieser Stärke habe es in der Gegend in den 1950er-Jahren gegeben. 1999 war die Türkei von einer der schwersten Naturkatastrophen in ihrer Geschichte heimgesucht worden. Bei einem Beben in der Region um die nordwestliche Industriestadt Izmit, östlich von Istanbul, starben damals mehr als 17.000 Menschen.

Verschiedenen Berichten zufolge soll das Beben in der türkischen Metropole Istanbul und bis in die griechische Hauptstadt Athen zu spüren gewesen sein. Der türkische Fernsehsender TRT zeigte Bilder von eingestürzten Mehrfamilienhäusern und von Staubwolken über der Stadt Izmir. Es wurde von Panik auf den Straßen während des Bebens berichtet, Telefonverbindungen seien unterbrochen gewesen. Türkische Medien berichteten, einige Krankenhäuser in der Provinz Izmir seien beschädigt worden und hätten evakuiert werden müssen. Mehrere Spiele in den türkischen Fußballligen wurden der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge abgesagt. Die Behörden riefen dazu auf, Straßen nicht zu blockieren und das Mobilfunknetz möglichst zu entlasten.

Verletzte werden aus einem eingestürzten Haus in Izmir geborgen.
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Ankara und Athen bieten gegenseitig Hilfe an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan richtete sich in einem Tweet an die Bevölkerung. Man stehe den vom Erdbeben betroffenen Menschen mit allen Mitteln bei. Erdogan und der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis boten sich in einem Telefonat gegenseitige Hilfe an, wie Anadolu berichtete. Die Regierungen in Athen und Ankara liegen derzeit unter anderem wegen umstrittenen Erdgaserkundungen der Türkei und Grenzstreitigkeiten im östlichen Mittelmeer über Kreuz.

Auch die Europäische Union und die NATO boten der Türkei und Griechenland Unterstützung an. "Ich bin in Gedanken bei allen, die betroffen sind", schrieb EU-Ratschef Charles Michel am Freitag auf Twitter. "Die EU hält sich bereit, Unterstützung zu leisten." Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg boten das an.

Van der Bellen und Schallenberg betroffen

Österreich könnte im Rahmen der europäischen Hilfe einen aktiven Anteil leisten. Der von der türkis-grünen Regierung im September verdoppelte Auslandskatastrophenfonds (AKF) sei für genau solche Fälle gerüstet, teilte Michel Reimon, Sprecher der Grünen für humanitäre Hilfe, am Freitag in einer Aussendung mit.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen betonte auf Twitter, dass nach dem schweren Erdbeben seine "Gedanken bei den Menschen in Griechenland und der Türkei, bei den Verletzten und den Familien der Opfer" seien.

Auch Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) erklärte, dass "unsere Gedanken bei jenen sind, die von dem schrecklichen Erdbeben in der Ägäis getroffen wurden." Dem Außenministerium lagen vorerst keine Informationen vor, dass Österreicher in Griechenland oder der Türkei von der Naturkatastrophe betroffen wären, hieß es auf APA-Nachfrage. (APA/dpa, TT.com)


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