Anschober zu Intensivmedizin: An den Maßnahmen führt kein Weg vorbei

Bei einer Pressekonferenz führte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) heute noch einmal aus, warum die geplanten Maßnahmen für den intensivmedizinischen Bereich in Österreich so zentral seien. Experten pflichteten dem Minister bei.

Gesundheitsminister Anschober sprach am Montag,über die aktuelle intensivmedizinische Lage in Österreichs Krankenhäusern.
© APA/HELMUT FOHRINGER

Wien – Bei einer Pressekonferenz hat Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) heute Vormittag noch einmal betont, dass an den verschärften Maßnahmen, die morgen starten, kein Weg vorbeiführt. Der Gesundheitminister verdeutlichte seine Ausführungen mit Zahlen: Binnen einer Woche – seit vergangenem Montag – war ein Anstieg um 62 Prozent bei den Covid-19-Patienten in den Spitälern zu verzeichnen. Auf den Intensivstationen machte das Plus sogar 78 Prozent aus.

📽️ Video | Um 78 Prozent mehr Intensivpatienten in einer Woche

Am Montag befanden sich bei 4135 Neuinfektionen binnen eines Tages 2161 Patienten im Spital, um 213 mehr als am Sonntag. 336 Patienten bedurften intensivmedizinischer Betreuung – ein Zuwachs um 45 Personen gegenüber dem Vortag. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte es im intensivmedizinischen Bereich kritisch werden, warnte Anschober mit Nachdruck. Sollte das nicht gelingen, "steuern wir auf eine erhebliche Krisensituation zu."

Zahl der Hospitalisierungen und Intensivpatienten.
© APA

"Heimisches Gesundheitssystem in Gefahr"

Dem Gesundheitsminister pflichteten geladene Experten bei. Ohne wirksame Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sei das heimische Gesundheitssystem in Gefahr, warnte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GesmbH, am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz im Gesundheitsministerium. Sollten die Neuinfektionen und die effektive Reproduktionszahl nicht gedrückt und das Infektionsgeschehen nicht eingebremst werden, "wird unser Gesundheitssystem relativ rasch an seine Kapazitätsgrenzen stoßen", sagte Ostermann.

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Der Infektiologe Herwig Kollaritsch, der auch der Corona-Taskforce von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) angehört, appellierte an die Bevölkerung, die Sozialkontakte "drastisch einzuschränken". In der nunmehrigen epidemiologischen Lage gehe es darum, die effektive Reproduktionszahl – sie liegt aktuell bei 1,4, das heißt ein Infizierter steckt unter den aktuellen Bedingungen im Durchschnitt 1,4 Personen an – deutlich zu senken.

Kollaritsch veranschaulichte das mit konkreten Beispielen. Bei einer effektiven Reproduktionszahl von 0,9 reduzieren sich die Neuinfektionen binnen drei Monaten um 90, binnen sechs Monaten um 99 Prozent. Gelänge es, die effektive Reproduktionszahl auf 0,5 zu drücken, wäre eine Senkung der Neuinfektionen um 90 Prozent schon binnen zwei Wochen, eine Reduktion um 99 Prozent innerhalb von vier Wochen drinnen, erläuterte der Experte.

📽️ Video | Die Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums

Impfstoff muss auch Ausbreitung des Virus verhindern

Kollartisch geht auch davon aus, dass im Jahr 2021 sicher einige Impfstoffe auf den Markt kommen werden, es sei aber von Bedeutung, welche Eigenschaften diese Impfstoffe besitzen würden, führte er aus. Wenn sie die Auswirkungen einer Covid-19-Erkrankung nur abschwächen, nicht aber die weitere Ausbreitung des Virus verhindern können, seien sie epidemiologisch "nicht relevant".

Auch wenn sich die Intensivmedizin in den vergangenen Monaten auf eine zweite absehbare Welle vorbereitet hat, sei gerade die Expertise im Bereich der Intensivmedizin ein limitierender Faktor, erklärte Intensivmediziner Klaus Markstaller. Die Ressourcen ließen sich in so kurzer Zeit nicht einfach so steigern, ohne Abstriche bei der Qualität zu machen, fügte er hinzu. Letztlich sei der gesamte medizinisten Bereich davon abhängig, wie stark die Bevölkerung hinter den Maßnahmen der Regierung stehe.

Der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) Klaus Markstaller sprach über die schwierige Lage der Intensivmedizin.
© APA/HELMUT FOHRINGER

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