„Alles richtig gemacht" und Co.: Die Corona-Krise in Zitaten

Mit der Pandemie gingen auch verschiedenste Sager in Tirol und Österreich in die Geschichte ein. Ein Rückblick auf die prägendsten Zitate.

Die Regierungsspitze bei der Verkündung des zweiten Lockdowns am Samstag, 31. Oktober 2020.
© HANS PUNZ

Innsbruck, Wien – Seit das Coronavirus im Frühjahr Tirol und Österreich erfasste, liefen Politiker beinahe täglich in Pressekonferenzen und Live-Interviews auf. Dabei ließen sie mit den ein oder anderen Sagern aufhorchen. Von „Keine Sorge" über „Halten Sie durch" bis zu „Fehleinschätzungen": Wir haben einige prägende Sager und so manche Reaktionen aufgelistet.

22. Jänner „Derzeit ist absolut kein Grund zur Aufregung, aber es braucht größte Aufmerksamkeit und internationale Abstimmung." Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen sah Österreich Ende Jänner „gut vorbereitet". Damals war Europa noch Corona-frei.

26. Jänner – „Derzeit gibt es keinen Grund zur Sorge in Österreich." ÖVP-Innenminister Karl Nehammer berief nach dem ersten Verdachtsfall in Österreich dennoch einen Einsatzstab zum Coronavirus ein.

26. Februar – „Auch um Österreich wird Corona keinen Bogen machen." Einen Monat später erwartete Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) unmittelbar vor dem Bekanntwerden der ersten beiden Fälle das Virus auch in Österreich.

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13. März – „Ab Montag müssen wir unser soziales Leben auf ein Minimum reduzieren." Am Freitag, den 13., kündigt der Bundeskanzler den ersten Lockdown für den 16. März an.

16. März – „Die Behörden haben alles richtig gemacht." Im ZIB2-Interview bei Armin Wolf betont der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) mehrfach, dass die Behörden richtig agiert hätten (siehe Video).

📽️ Video | ZIB2-Interview mit Bernhard Tilg vom 16. März 2020

Das Interview löste bei der Opposition und auf Social Media wie zum Beispiel Twitter viele Reaktionen aus. Einige waren fassungslos und empört.

Schließlich kam es zu Rücktrittsaufforderungen und zur Einsetzung einer Expertenkommission unter dem ehemaligen OGH-Vorsitzenden Ronald Rohrer (siehe Ergebnis dazu weiter unten).

20. März – „Halten Sie durch." Bundeskanzler Sebastian Kurz mit ersten Durchhalteparolen. Denn die Ausgangsbeschränkungen werden zum ersten Mal verlängert. Letztlich dauern sie bis zum 30. April an.

30. März – „Wir werden auch in Österreich bald die Situation haben, dass jeder irgendjemanden kennt, der an Corona verstorben ist." Kurz warnt vor „Verharmlosern", die Regierung weitet die Maßnahmen aus und macht die Maske im Supermarkt und in Drogerien zur Pflicht.

Später kritisierten viele die Aussage als „Angstmache" sowie als „unsachlich".

Ein gewohntes Bild in den Medien: Die Regierungsspitze mit Innenminister Karl Nehammer, Vizekanzler Werner Kogler, Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (v. li). bei einer Pressekonferenz am 21. April 2020.
© HELMUT FOHRINGER

24. April – „Unser Ziel, mein Ziel war und ist es, die Schüler zurück in die Schule zu bringen." Bildungsminister Heinz Faßmann von der ÖVP kündigte die schrittweise Wiedereröffnung der Schulen ab 18. Mai an.

11. Mai – „Es is scho wuascht." Kabarettist Lukas Resetarits im ZIB2-Interview bei Armin Wolf auf die Frage, ob er den Rücktritt von Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) fordere. Nach wochenlanger Kritik zog sich Lunacek vier Tage später aus ihrem Amt zurück. Andrea Mayer folgte in ihrem Amt nach.

14. Mai – „Ich bitte euch alle, ein bisschen einen Abstand zu halten, so gut als möglich." Sebastian Kurz besuchte das Kleinwalsertal in Vorarlberg und bat um Einhaltung des Abstandes. Doch viele reagierten nur mit einem Lachen. Nicht so die Opposition: Es hagelte scharfe Kritik.

„Die Leute sind angefressen." NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger fand klare Worte zum Kurz-Besuch und zur Missachtung der Abstandsregeln im Kleinwalsertal.

1. Juli – „Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste." Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) verkündet Reisewarnungen für Länder des Westbalkans.

16. August – „Das Virus kommt mit dem Auto nach Österreich." Die Urlauber kehren zurück, Kurz sieht dunkle Wolken am Corona-Horizont aufziehen.

28. August – „Es gibt schön langsam Licht am Ende des Tunnels." Kurz hofft auf einen Impfstoff und rechnet mit „gewohnter Normalität" im Sommer 2021.

13. September – „Der Weg von der Hirnlosigkeit Weniger zur Arbeitslosigkeit Vieler ist ein kurzer", fordert Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer mehr Eigenverantwortung.

29. September – „Wenn wir auch in der Politik wieder ein bisschen geschlossener und gemeinsamer auftreten und wenn wir die Maßnahmen, die jetzt da sind, auch verwirklichen, dann bin ich sehr optimistisch, dass wir nicht in eine zweite Welle hineinkippen", ist Gesundheitsminister Anschober am 29. September noch zuversichtlich.

3. Oktober – „Völlig an den Haaren herbeigezogen." Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen dementiert die Vorbereitung eines zweiten Lockdowns.

Der Vorsitzende der unabhängigen Expertenkommission zum Krisenmanagement in Tirol, Ronald Rohrer, bei der Präsentation des Berichtes am 12. Oktober im Innsbrucker Haus der Musik.
© EXPA/JOHANN GRODER

12. Oktober „Wir haben doch einige Fehleinschätzungen aufzeigen können", so der Vorsitzende der unabhängigen Expertenkommission zum Krisenmanagement in Tirol, Ronald Rohrer, auf die Frage in der ZIB2, ob die Behörden alles richtig gemacht hätten.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bei einer Pressekonferenz am 29. Oktober 2020.
© HERBERT NEUBAUER

27. Oktober – „Die Regierung darf nicht planlos in einen zweiten Lockdown hineintaumeln." Ex-Gesundheitsministerin und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner verlangt von der Regierung eine entsprechende Vorbereitung.

31. Oktober – „Ab Dienstag den 3. November null Uhr bis Ende November wird es zu einem zweiten Lockdown in Österreich kommen." - Am 31. Oktober lässt Kurz gemeinsam mit Anschober und der Regierungsspitze die Katze aus dem Sack.

„Ich bin Optimist. Wir alle miteinander haben gezeigt, wir haben es einmal geschafft. Und was man einmal schaffen kann, das kann man auch ein zweites Mal schaffen." - Rudolf Anschober blickt trotz allem nach vorne. (APA/TT.com)


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