Tote nach Schüssen in Wien: „Widerwärtiger Terrorangriff“

Schüsse nahe einer Synagoge. Es gibt Tote und Verletzte. Die Bilder von Wien erinnern an die schrecklichen Szenen aus Frankreich. Die Regierung setzt zum Objektschutz das Militär ein.

Einsatzkräfte am Schwedenplatz.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Ein lauer Novemberabend vor dem Lockdown, Hunderte Menschen flanieren durch das Ausgehviertel Bermuda-Dreieck in der Wiener Innenstadt. Plötzlich fallen zahlreiche Schüsse. Panik bricht aus. In der Nähe der Synagoge hat sich am Montagabend ein Vorfall ereignet, den Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) rund knapp zwei Stunden später als augenscheinliche Terrorattacke bezeichnet.

„Der Angriff läuft noch“

„Der Angriff läuft noch“, sagt der Innenminister hörbar unter Anspannung in einer Sondersendung des ORF. Eine erste Bilanz der Polizei: Ein Täter erschossen, ein Passant starb ebenfalls. An sechs Tatorten sind Schüsse gefallen. 15 Menschen wurden laut Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) verletzt.

Auf einem Video sei ein Täter zu sehen, wie er in der Nähe der Synagoge wahllos in die Lokale schieße, sagt Falter-Chefredakteur Florian Klenk. Ob die Synagoge selbst das Ziel des Anschlags war, bleibt zunächst unklar. Ein anderes Video zeigt eine große Blutlache vor einem Restaurant. Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, schrieb auf Twitter, es könne nicht gesagt werden, ob der Stadttempel eines der Ziele war. „Fest steht allerdings, dass sowohl die Synagoge in der Seitenstettengasse als auch das Bürogebäude an der selben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen waren.“

Die Polizei hat alle verfügbaren Kräfte zusammengezogen und sucht nach den Tätern im historischen Zentrum der Stadt. Einige verunsicherte Passanten heben laut Klenk die Hände, damit die Polizisten sehen, dass sie unbewaffnet sind. Es macht das Gerücht die Runde, dass zumindest einer der Täter einen Sprengstoffgürtel trägt. Das steigert die Nervosität.

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Passanten heben die Hände, um zu zeigen, dass sie unbewaffnet sind.
© ROLAND SCHLAGER

Über der Innenstadt kreisen Hubschrauber, es herrscht am späten Abend Ausnahmezustand. Auf Videos, die der Privatsender Oe24 am Montagabend ausstrahlte, war ein maskierter Schütze zu sehen, der auf offener Straße zumindest zwei Schüsse abfeuerte. Ein anderes Video zeigte eine große Blutlache vor einem Restaurant.

„Meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet“

Die Polizei rief die Bürger dazu auf, öffentliche Plätze zu meiden. „Wir sind mit allen möglichen Kräften im Einsatz. Bitte meiden Sie alle öffentlichen Plätze im Stadtgebiet“, hieß es bei Twitter. Zudem wurde darum gebeten, keine Videos oder Fotos hochzuladen. „KEINE Videos und Fotos in sozialen Medien posten, dies gefährdet sowohl Einsatzkräfte als auch Zivilbevölkerung!“

Nach dem mutmaßlichen Terroranschlag ist in der Wiener Innenstadt nun auch die Armee mit Soldaten im Einsatz. Das österreichische Bundesheer habe den gesamten Objektschutz in der Hauptstadt übernommen, berichtete die APA unter Berufung auf das Kanzleramt. Bundeskanzler Kurz sprach von einem „widerwärtigen Terroranschlag“.

Die Straßen in den innenstadtnahen Bezirken haben sich am späten Abend geleert, vereinzelte Passanten gehen mit schnellerem Schritt vorbei. Vor einer Bar einige Straßen stadtauswärts des Rings sitzen noch einige Gäste, fast jeder von ihnen schaut gebannt auf sein Smartphone.

In der Wiener Innenstadt werden nach Angaben der Polizei zeitweise keine Haltestellen mehr vom öffentlichen Nahverkehr angefahren. „Bleiben Sie in Sicherheit, verlassen Sie öffentliche Orte umgehend“, twitterte die Polizei. (dpa)


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