Anwalt über Attentäter: "Stammte aus vollkommen normaler Familie"

Der Wiener Strafverteidiger Nikolaus Rast, der den 20-jährigen erschossenen Attentäter in einem Gerichtsverfahren verteidigt hatte, zeigte sich überrascht: Er hätte es eigenen Angaben nie für möglich gehalten, dass der junge Mann zu einer derartigen Tat fähig werde.

Schwer bewaffnete Polizeibeamte im Bereich eines der Tatorte.
© APA/Schlager

Wien – "Er stammte aus einer vollkommen normalen Familie. Für mich war das ein Jugendlicher, der das Pech gehabt hat, an die falschen Freunde zu geraten. Wäre er nicht in eine Moschee, sondern zum Boxen gegangen, wäre er Boxer geworden" - mit diesen Worten charakterisierte der Wiener Strafverteidiger Nikolaus Rast den 20-jährigen Attentäter, der am Montagabend in Wien mindestens vier Menschen erschossen hat. "Ich hätte das nie für möglich gehalten, dass er zum Attentäter wird", sagte Rast.

Die Eltern des 20-jährigen Attentäters aus Wien stammen nordmazedonischen Medienberichten zufolge aus der Ortschaft Celopek (albanisch: Cellopeku), etwa zehn Kilometer südöstlich der nordmazedonischen Stadt Tetovo. Dies meldete das Internatportal A1on am Dienstag unter Berufung auf inoffizielle Angaben der nordmazedonischen Polizei.

📽️ Video | Anwalt Nikolaus Rast zum Attentäter

Attentäter in Mödling geboren

Derselben Quelle zufolge wurde der Attentäter, der neben der österreichischen auch die nordmazedonische Staatsbürgerschaft besaß, in Mödling geboren. Celopek hat rund 7000 mehrheitlich albanische Einwohner und liegt im Nordwesten von Nordmazedonien. Die albanische Minderheit macht rund ein Viertel der Einwohner des kleinen Balkanlandes aus.

Rast hatte den Burschen in einer Verhandlung am Wiener Landesgericht vertreten, wo dieser im April 2019 in einem Terror-Prozess als IS-Sympathisant zu 22 Monaten Haft verurteilt wurde, weil er nach Syrien reisen wollte, um sich der radikalislamistischen Terror-Miliz "IS" (Daesh) anzuschließen. In der Türkei wurde er jedoch von den Behörden aufgegriffen, am Grenzübertritt nach Syrien gehindert, in Haft genommen und zurück nach Österreich geschickt.

Mutter meldete Mann als vermisst

Das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) war ursprünglich auf den in Österreich geborenen Burschen aufmerksam geworden, weil seine Mutter ihn als vermisst gemeldet hatte. Im Zuge der Ermittlungen zu seinem Verbleib stellte sich dann heraus, dass diesem nichts zugestoßen war. Er befand sich vielmehr am Weg nach Syrien.

Rast, der den Anschlag vom Montag "aufs Allerschärfste" verurteilte und den Angehörigen der Getöteten und Verletzten im Gespräch mit der APA seine tief empfundene Anteilnahme bekundete, vermutete Dienstagmittag, dass sich der 20-Jährige als Teenager in einer Moschee, die er regelmäßig besucht hatte, radikalisiert hatte. Sein ehemaliger Mandant sei ein orientierungsloser Jugendlicher gewesen, der einen Platz im Leben gesucht habe, meinte Rast.

Während der gegen ihn gerichteten strafrechtlichen Ermittlungen und nach seiner rechtskräftigen Verurteilung wurde der Bursche laut Rast von einem Bewährungshelfer und dem Verein Derad betreut, der auf die Deradikalisierung radikalislamistischer Straftäter spezialisiert ist. Offenbar wurde er Ende des Vorjahrs als nicht mehr gefährlich eingestuft – ansonsten wäre seine vorzeitige, mit 5. Dezember erfolgte bedingte Entlassung aus dem Gefängnis nicht bewilligt worden. (APA)


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