EU-Kommission: Zweite Coronawelle verhindert raschen Aufschwung

Brüssel prognostiziert ein langsame Erholung von der Krise und eine hohe Neuverschuldung. Auch die Österreich-Prognose für 2021 wurde gesenkt.

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Brüssel – Die zweite Welle der Coronapandemie gefährdet die wirtschaftliche Erholung in Europa. "Der Wiederaufschwung wurde unterbrochen", sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni am Donnerstag in Brüssel bei der Präsentation der aktuellen Konjunkturprognosen für die EU und die Eurozone. Die EU-Kommission rechnet demnach nicht mehr mit einer Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität im nächsten Jahr.

Für das Jahr 2020 prognostiziert die Behörde nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung der 27 EU-Länder um 7,4 Prozent - für die Eurozone korrigierte sie ihre Prognose vom Sommer ebenfalls leicht nach oben und erwartet nun einen Einbruch um 7,8 Prozent. Dafür geht Brüssel nun von einer langsameren wirtschaftlichen Erholung von der Krise sowie einem sprunghaften Anstieg der Neuverschuldung aus.

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Weniger Wachstum 2021 und 2022 in Österreich

"Es wird nicht erwartet, dass die Produktion sowohl im Euroraum als auch in der EU im Jahr 2022 wieder den Stand vor der Pandemie erreicht", heißt es in der Prognose der Kommission. Für 2021 rechnet die Behörde demnach mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um 4,1 Prozent - im Sommer hatte sie noch 5,8 Prozent vorhergesagt.

Für Österreich blieb die EU-Kommission zwar für heuer bei ihrer Prognose, dass die Wirtschaft um 7,1 Prozent schrumpfen wird, kürzte aber ihre Wachstumserwartung für 2021 von 5,6 auf 4,1 Prozent und geht für 2022 sogar nur von 2,5 Prozent Anstieg in der Alpenrepublik aus.

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Exorbitante Steigerung der Schuldenquote

Die Schuldenquote der EU-Länder wird in diesem Jahr voraussichtlich von 79,2 Prozent auf 93,9 Prozent der Wirtschaftsleistung springen. Für die 19 Länder der Eurozone geht die Kommission sogar davon aus, dass sie 100 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigen wird. Spitzenreiter ist hier Griechenland mit 207 Prozent. Italien, Portugal, Spanien, Belgien, Frankreich und Zypern liegen ebenfalls deutlich über 100 Prozent.

Die Kommission forderte die Europäische Zentralbank (EZB) auf, weiterhin alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die negativen Folgen dieser hohen Verschuldung auszugleichen. Wegen der allgemein weiterhin sehr niedrigen Zinskosten, haben die Finanzmärkte bisher kaum auf die hohe Verschuldung der EU-Staaten reagiert.

Für Deutschland ist der Prognose zufolge heuer ein Wirtschaftseinbruch um 5,6 Prozent zu erwarten. Für 2021 geht die Kommission von einem Wachstum um 3,5 Prozent aus. In ihrer Sommerprognose hatte die Behörde der Bundesrepublik noch Aussichten auf einen Wirtschaftsaufschwung im nächsten Jahr um 5,3 Prozent bescheinigt.

Spanien am härtesten getroffen

Das mit Abstand am stärksten von der Coronakrise getroffene Land wäre nach den neuen Zahlen Spanien. Hier ist ein Wirtschaftseinbruch um 12,4 Prozent in 2020 zu erwarten. Es folgen Italien (minus 9,9 Prozent), Kroatien (minus 9,6 Prozent) und Frankreich (minus 9,4 Prozent). Litauen (minus 2,2 Prozent) und Irland (minus 2,3 Prozent) kämen hingegen eher glimpflich davon.

Wegen der dramatischen Entwicklung in Spanien geht die Kommission davon aus, dass das Land bei der Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr das langjährige Krisenland Griechenland als trauriger Spitzenreiter ablösen wird. Die Erwerbslosenquote könnte laut der Berechnungen 2020 zunächst von 14,1 Prozent auf 16,7 und 2021 auf 17,9 Prozent steigen. In den anderen EU-Ländern geht die Kommission von moderateren Auswirkungen der Krise auf den Arbeitsmarkt aus.

Prognosen mit hohem Grad an Unsicherheit

Die Kommission versieht alle ihre Voraussagen allerdings mit einem deutlichen Fragezeichen: Wegen der Pandemielage seien Wachstumsprognosen derzeit "mit einem extrem hohen Grad an Unsicherheit und Risiken behaftet", erklärte sie.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind zudem die festgefahrenen Verhandlungen der EU mit Großbritannien über ein künftiges Handelsabkommen. Die Aussichten eines harten Brexit ohne Abkommen bis zum Jahresende "lastet eindeutig auf den wirtschaftlichen Aussichten der EU", sagte Kommissionsvize Valdis Dombrovskis. (APA, AFP)


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